Bordeaux 2010: Nachlese

Seit rd. zwei Wochen ist der Rummel um die Subskription des 2010er vorüber. Wie im Vorjahr war es eine extrem lange Kampagne, die sich über fast drei Monate hinzog. Die Top-Châteaux haben durchschnittlich um rd. 15 % ihre Preise gegenüber dem 2009er erhöht, der damit nur kurzfristig der bisher teuerste Subskriptionsjahrgang war. In der Spitze legten einige Weine um als 50% zu, Abschläge wie bei Leoville las Cases (trotz hoher Bewertungen, u.a. 95-98 P. bei Parker und Wine Spectator) waren eher die Ausnahme. Fakt ist, das trotz des Asien-Hypes die Kampagne nur schleppend voran ging und nach wie vor die meisten Weine in Bordeaux zu haben sind, was ein Blick in die aktuellen Listen einiger Negociants beweist. Nur wenige Châteaux wie Lafite-Rothschild (1. Tranche 600 €, aktuell 1.100 €) , Pontet Canet und Latour haben eine zweite oder dritte Tranche zu höheren Preisen im Markt plazieren können bzw. diese auch wirklich verkaufen können. Immer mehr zeigt sich, das die Subskription ihren Sinn verliert: Weine zu einem günstigeren Preis kaufen zu können als zwei Jahre später, wenn die Weine auch physisch am Markt erscheinen. Die 2009er dümpeln derzeit am Markt dahin, bis auf wenige Ausnahmen wie wieder einmal Lafite, die Zweitweine der Premiers oder Pontet Canet,  der neue Star der Left Bank.  Nur ein hoffnungsloser Optimist wird darauf hoffen, dass sich das bis zum kommenden Frühjahr drastisch ändern wird. Für eine Kiste des 2010er Cheval Blanc kann man aktuell 3 Kisten des 2001er kaufen bzw. ist mit Ausnahme des 1990ers jeder Jahrgang der letzten beiden Jahrzehnte günstiger am Sekundärmarkt zu haben. Vielleicht hofft man in Bordeaux, das man außerhalb der Mauern des Fine Wine Gral nicht rechnen kann oder sich mit Jubelgesängen über den erneuten „Jahrhundertjahrgang“ dazu hinreißen lässt, diese astronomischen Preise zu zahlen. In den USA – einer Märkte, in den man nach der Krise gewisse Hoffnungen gesetzt hat – war das Echo jedenfalls eher verhalten. Langfristig dient der 2010er wohl eher dazu, dass Vertrauen in Bordeaux und sein Subskriptionssystem noch mehr zu unterminieren und den Ast abzusägen, auf dem sitzt.