Cool Climate Wine Symposium 2016

ICCWS-logoLetzte Woche fand in Brighton (England) das neunte Internationale Cool Climate Wine Symposium statt. Rund 600 Delegierte und Speaker beschäftigten sich mit mit den Herausforderungen des Weinbaus in kühlen klimatischen Bedingungen, Strategien zur Optimierung von Qualität und Ertrag, aktuellen Forschungsergebnissen, neuen technischen Applikationen und der Vermarktung von Cool Climate Weinen im internationalen Markt. Verschiedene Tastings und Präsentationen u.a. von englischen Produzenten, der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM) und Wines of Canada rundeten die drei Tage perfekt ab. Letztere bekamen den Zuschlag für das zehnte Symposium, welches 2020 in Ontario stattfinden wird. Folgend einige meiner Symposium Highlights:

Englischer Wein ist auf der Überholspur. In den letzten acht Jahren hat sich die Anbaufläche auf 2.000 ha verdoppelt, bis 2020 wird ein Anstieg auf 3.000 ha prognostiziert. Qualitativ haben im Moment vor allem die Schaumweine das Potential ganz oben mitzuspielen, welche mit rd. zwei Dritteln die Produktion dominieren. Dabei setzt man fast ausschließlich auf die Champagner-Klassiker Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Mein persönlicher Favorit war die Classic Cuvée brut 2010 von Nyetimber. Geprägt von 56 Monaten Hefelagerung zeigt die Classic Cuvée eine tolle Komplexität und feine Perlage sowie Tiefe, Eleganz und Länge. Der perfekte Pirat für die nächste Champagnerprobe.

José Vouillamoz (Universität Neuchatel) beschäftigt sich als Forscher mit alten Rebsorten und stellte einige alpine (und teilweise fast verschwundene) Rebsorten vor, die sich für den Anbau in Cool Climate Regionen eignen, darunter Varieties wie Mollard, Onchette, Gringet, Fumin, Arvin, Lagrein oder Rotgipfler. Es immer wieder spannend zu sehen (… und zu probieren), was wir für Schätze in unserer Weinwelt haben. Wer hat schon Rebsorten wie Arani noir oder Krasnostop Zolotovskiy probiert? Letztere gedeiht im übrigen im Don unter wirklichen heftigen klimatischen Bedingungen zwischen 40°C im Sommer und  -32°C im Winter.

Nicht zwingend ein Cool Climate Topic aber trotzdem extrem spannend war eine Session, die sich mit den neuesten Erkenntnissen auf dem Feld der Sensorik auseinandersetzte. Prof. Charles Spence (Universität Oxford) ist einer der führenden Neurowissenschaftler Englands und beschäftigt sich seit Jahren in verschiedenen Projekten mit äußeren Einflüssen auf die Empfindung von Wein. Kurz gesagt, einige dieser Erkenntnisse wirbeln viele unsere bisherigen Auffassungen durcheinander und zeigen, wie stark wir beim Riechen und Schmecken von visuellen oder akustischen Empfindungen beeinflusst oder geprägt werden. Das Modewort der letzten Jahre „MIneralität“ war ebenfalls ein Topic in dieser Session. Prof. Wendy V. Parr (Lincoln University, Neuseeland) ging der Frage nach, ob Mineralität im Wein eher eine Konstruktion unseres Gehirns ist oder wirklich sensorisch mit Weininhaltsstoffen verknüpft wird. Der momentane Forschungsstand geht dahin, dass Mineralität wirklich auf der Basis und Wechselwirkung verschiedener Weinkomponenten empfunden wird. Allerdings ist weiteres Research notwendig, um mehr Licht in dieses komplexe Thema zu bringen.

Zum ersten Mal kam ich intensiv mit Slido in Kontakt – ein interaktives Tool für Konferenzen und Meetings. Jeder Teilnehmer loggt sich via Smartphone, Tablet oder Notebook in die Konferenz ein und in Echtzeit können Umfragen und Votings durchgeführt oder Fragen gestellt werden. Je nach Anzahl der Likes werden die Fragen zusätzlich nach Priorität gewichtet. Eine klasse Erfindung, die eine belebende Komponente einbringt und insbesondere bei großen Konferenzen wirkliche Interaktion und Austausch mit dem Publikum ermöglicht.