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Objects of Rarity

Zweimal Frankreich war das Ziel einer spektakulären Doppelprobe im September im HERDER ZEHN in Freiberg. Dabei standen Jahrgangs-Champagner und alte Händlerabfüllungen aus Burgund im Focus.

Zum Start gab es den jüngsten Jahrgang des Dom Pérignon. Feminin, mit reifer Frucht und zartem Schmelz reflektiert er den warmen Jahrgang 2009 und macht schon jetzt richtig viel Spaß (92). Danach der Prototyp eines neues Konzept-Champagners von Moet & Chandon. Der MC III 001.14 ist kein richtiger Jahrgangs-Champagner sondern ein Assemblage verschiedener Jahrgänge, wobei sowohl Grundweine als auch bereits fertige flaschengereifte Champagner verwendet wurden. Einige Partien durchlaufen also gewissermaßen eine erneute zweite Gärung. Braucht definitiv Zeit und Luft, entfaltete dann ein schönes Zwischenspiel zwischen Reifetönen und floralen Nuancen (93). Kontrovers diskutiert der Jacques Selosse, Blanc de Blancs aus dem Hitzejahr 2003. Komplexe und kraftvolle Nase, leichte oxydative Noten, cremig und opulent – der Stil ist sicher einmalig (94). Genau das Gegenteil der Salon, Le Mesnil Blanc de Blancs 2007. Glasklare Frucht, linear, schlank, fast stahlige Säure, einer meiner Favoriten (94+) Mit Veuve Clicquot ging es dann weit zurück. Der Cave Privée 1979 ist noch erstaunlich vital und zeigt viel Pinot Frucht (92), der Cave Privée Blanc 1982 wirkt da schon wesentlich mürber und hat sicherlich nicht mehr das ewige Leben (90). Beide wurden vor ca. 8 Jahren degorgiert, reiften also rund 30 Jahre auf der Hefe. Dann zweimal Dom Pérignon aus der Oenothèque Collection. Beim in 2013 degorgierten P2 1996 – definitiv einer der ganz großen Champagner Jahrgänge – scheint die Zeit vorüber gegangen zu sein, so jugendlich und kraftvoll ist der Auftritt. Brillante Nase, tolle Substanz und Struktur, damit kann er locker die nächsten 20 Jahre angehen (97). Der P3 1983 – degorgiert in 2003 – dagegen war deutlich am Ende, auch schien die Flasche nicht die beste zu sein (keine Bewertung). Perfekt gearbeitet wie immer der R.D. 2004 von Bollinger. Ausgewogen, komplex und mit der typischen Kraft des Hauses (92). Gegen die 2006er Bollinger, Vieilles Vignes Francaises aus zwei wurzelechten Parzellen sah er dann trotzdem fast blass aus. Ein Wahnsinns-Champagner mit konzentrierter, geschliffener Nase und irre viel Power, aber auch Feinheit, dazu das Potential für mindestes zwei weitere Jahrzehnte (97). Riesen Potential hat der Krug, Clos d´Ambonnay 2002 definitiv auch. Bei diesem Preis leider ein seltenes Erlebnis, kratzt diese 100%ige Pinot Noir aus einer Parzelle in Ambonnay an der Grenze der Perfektion (99+). Ein großartiger Abschluss einer denkwürdigen Champagner-Probe.

Am zweiten Tag reflektierten wir die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in Burgund. In dieser Phase waren Gutsabfüllungen noch selten, die Händler gaben den Ton an und hatten Zugriff auf die besten Partien und Lagen. Den Auftakt bildete der Beaune 1966 von Pierre Ponnelle, ein Haus, welches heute zum Imperium von Jean-Claude Boisset gehört. Erstaunlich vital für einen kommunalen Wein, nach wie vor mit Frucht, guter Balance und Ausstrahlung (89). Letztere Eigenschaft besaß auch der Moillart-Grivot, Chambolle-Musigny aus dem seinerzeit unterschätzten Jahrgang 1962. Feine Wildfleisch- und blättrige Noten, dazu die Finesse der Appellation (90). Aus dem katastrophalen Jahr 1974 zeigte sich der Léon Violland, Pommard in erstaunlich guter Form und unterstrich das hohe Qualitätsniveau des heute nicht mehr existierenden Hauses. Von Asche, Vervene und Würze geprägt, robust am Gaumen und nach wie vor mit Appeal – viele 1974er dürfte es mit dieser Vitalität nicht mehr geben (87). Vom selben Haus zeigte der Pommard Charmots 1er Cru 1994 die ganze Klasse des Jahrgangs. Reiche Nase, warme Nuancen, Kompott, dazu viel Extrakt und Biss. Wird definitiv noch weitere Jahre auf diesem Niveau halten (91). Aus dem ebenfalls großen Jahrgang 1959 kamen zwei der schönsten Weine der Probe. Der Bichot, Clos de Vougeot strotze mit Kraft und sehr guter Länge, (93), während der Morin, Chambertin Clos de Beze ein irren Mix aus Mokka, Wild und schwarzer Frucht und die für die Lage markante Struktur und Konzentration zeigte (92). Bichot, Corton 1955 war ebenfalls immer noch auf dem Peak, zeigte markantes Tannin und erfrischende Himbeer-Frucht sowie im Finale kalkige Nuancen (93). Alte Vandermeulen Abfüllungen spielen in einer ganz eigenen Liga, so auch der Vosne-Romanée 1947 aus einer perfekten Flasche. Tiefes Rubin (damals wurde den Fässern etwas Port zur Stabilisierung zugesetzt), eine expressive, schon fast spleenige Nase, reichhaltig und texturiert am Gaumen – ein unsterblicher Wein, ganz großes Kino (97). Nicht minder berühmt die Weine von Leroy, wenn auch stilistisch auf einem ganz anderen Feld zu Hause. Der Beaune Grèves 1969 zeigte die typisch feste und doch so elegante Handschrift des Hauses und unterstrich mit seiner Dynamik und Frische den Charakter des eher kühlen Jahrgangs (95). Auch aus 1969 kam der Echézeaux von Drouhin. Wesentlich entwickelter, Noten von Feige und Kaffee, am Gaumen robust und mit Grip – ein solide gearbeiteter Wein (90). Zum Abschluss zwei 76er – ein opulenter und reichhaltiger Jahrgang, in dem es vor allem darauf ankam, diese Power zu balancieren. Warum Faiveley nicht nur heute zu den großen Adressen gehört, zeigte der Clos de Vougeot 1976. Komplex, ein Aromen-Crossover von Leder, orientalischen Gewürzen und Trüffel, perfekt gebaut, mit Dimension (93). Der Jaboulet-Vercherre, Clos de la Roche 1976 verströmte erdig-würzige Nuancen und zeigte sich am Gaumen kompakt und fest (91).Einen wunderschönen Abschluss bildete derChâteau Chalon 1947 von Jean Bourdy. Ebenfalls noch sehr vital, viel Macadamia-Nuß und Curry, dazu der Jura-typische Säurefaden und Nachhaltigkeit im Finale – ein Historienwein (95).

Bordeaux 2016

Nach drei intensiven Verkostungstagen während der Primeur Week Anfang April formt sich das Bild des jüngsten Jahrgangs in Bordeaux. Die Messlatte hingt dabei schon im Vorfeld hoch. Enthusiastische Kommentare sowie die bereits im Vorfeld der offiziellen Primeurwoche veröffentlichten Verkostungsnotizen von James Suckling schickten die Message eines Jahrhundert-Jahrgangs um die Welt. Wie immer in Bordeaux ist natürlich ein detaillierter Blick notwendig – zu komplex ist das Bild aus verschiedenen natürlichen Bedingungen, Rebsorten und Styles.

Das Jahr ging recht bescheiden los – über Monate hinweg dominierte regnerisches Wetter in Bordeaux. Bis Ende März schüttete es ohne Ende. Mit rund 500 mm prasselte das 2,5 fache des langjährigen Durchschnitts herunter. Allerdings erwies sich im Verlauf des Jahres dieser Niederschlag als Segen – durch die gefüllten Wasserreservoirs wurde die spätere intensive Hitze- und Trockenphase mehr als positiv beeinflusst. Natürlich konnte das im Frühjahr noch niemand ahnen.

Tatsächlich setzte sich das recht unbeständige und feuchte Wetter fort und bestätigte die Ängste eines unregelmäßigen und verspäteten Wachstums. Zusätzlich schlug Ende April in einigen Regionen der Frost zu und hinterließ bedeutende Schäden. Mitten in dieser unbeständigen Periode begann Ende Mai die Blüte. Die Gebete für einen Wetterwechsel wurden Anfang Juni erhört. Zwischen dem 03. und 11. Juni gab es eine Periode trockenen und warmen Wetters, welches in den meisten Weinbergen zu einer schnellen und gleichmäßigen Blüte führte.

Nach einer kleinen unbeständigen Phase mit Regen Mitte Juni hatte dann der Regengott endgültig sein Pulver verschossen. Die vegetative Entwicklung ging aufgrund der vollen Wasserspeicher zügig voran, eine Hitzeperiode Ende Juni beschleunigte die Entwicklung der Beeren und und legte den Grundstein für den Charakter des Jahrgangs. Trocken und heiß blieb es auch im Juli und August – zum Teil wurden neue Hitzerekorde erreicht. Langsam einsetzender Wasserstress führte zu einer zusätzlichen Konzentration der Beeren. Trotz heißer Tage waren die Nächte relativ kühl, so dass Aroma und Säure geschont wurden.

Der September startete ebenfalls heiß und trocken. Die ersten 13 Tage waren die heißesten Tage seit 1950, in Sauternes wurde am 12. September der Rekordwert von 37°C erreicht. Trockenstress war jetzt an der Tagesordnung, das Risiko für eine verzögerte Reife stieg von Tag zu Tag sprunghaft an. Am späten Nachmittag des 13. Septembers zogen schwarze Wolken auf und ein Sturm aus dem Baskenland fegte über Bordeaux. In Begleitung des Sturms kam heftiger Regen.

In einigen Appellationen kamen bis zu 40 mm runter und verdunkelten die Mienen der Winzer. Doch trockenes und sonniges Wetter kehrte postwendend zurück und hielt an bis zum Ende der Lese Mitte Oktober. Letztendlich war es genau der richtige Zeitpunkt für den Regen, um übermäßigen Stress zu vermeiden und einen neuen Impuls für die weitere Reife zu geben. Warme Tage und relativ kühle Nächte ab Mitte September führten zu einer weiteren Phenolkonzentration, ohne dass es zu Einbussen an Aromakomponenten und Säure kam.

Die Lese von Sauvignon Blanc und Semillon begann Anfang September. Aufgrund der trockenen und heißen Bedingungen im August wurden schnell eine ausreichende Zuckereinlagerung erreicht, wobei jedoch die aromatische Reife hinterher hinkte. Zum Schluss gab es zwar nochmal einen Reifeschub, aber viele Weißweine erreichten nicht ganz die Komplexität der großen Jahrgänge. Die Säurewerte lagen auf dem Level der 11er Weine und damit etwas geringer als in den letzten drei Jahrgängen. Insgesamt präsentieren sich die meisten Weißweine sehr ausgewogen und balanciert – ohne Zweifel ein sehr guter, wenn eben auch kein großer Jahrgang.

In Sauternes und Barsac wurden entsprechend der trockenen Bedingungen bis Mitte September in erster Linie eine Konzentration in den Trauben durch Trocknung erreicht. Der Niederschlag Mitte September brachte dann doch noch die gewünschte Botrytis, wobei diese sensorisch bei den meisten Weinen weniger ausgeprägt erscheint. Die meisten Sauternes und Barsac sind reichhaltig und zeigen eine klare Frucht.

Die Lese der roten Trauben begann in einigen Plots in der dritten Septemberwoche, wobei der größte Teil der Lese erst Anfang bis Mitte Oktober eingebracht wurde. Die Rotweine zeichnen sich bis auf wenige Ausnahmen durch hohe Extrakt- und Tanninwerte aus. Sie erinnern in ihrer Struktur an die 2010er, besitzen allerdings mehr Frische, Energie und Textur. Kombiniert mit einer zum Teil wahnsinnigen aromatischen Tiefe und auf den Punkt reifen Frucht ergab das die Basis für Stoff zum Träumen.

Einer der wesentlichsten Charakterzüge des 16er Jahrgangs ist Definition. Die lange Lesephase ab Mitte September gab jedem Château die Möglichkeit, den Stil des Hauses oder seiner Weinberge perfekt zu interpretieren und mit dem Ausdruck des Jahrgangs zu verbinden. Entsprechend weit gefächert ist die Variation an Stilistiken. Vom fast schwerelosen Lafite bis hin zum muskulösen Montrose ist alles dabei. Im Gegensatz zu vielen anderen Jahrgängen ist die Qualität sowohl vertikal als auch horizontal sehr hoch. Tolle Weine gibt es in allen Preissegmenten und Appellationen – einen Sieger herauszustellen fällt für die 16er Rotweine schwer. Ähnlich wie für die Weiß- und Süßweine wurde in den meisten Châteaux ein hoher Ertrag eingebracht und trug sicherlich neben der hohen Qualität dazu bei, dass die Bordelaiser Winzer aus dem Grinsen nicht mehr herauskamen.

Ist der 2016er ein großer Jahrgang? Schaut man sich die Bedingungen im Sommer und Herbst an, dann sieht man relativ schnell, dass vor allem die roten Trauben begünstigt wurden. In vielen Châteaux gehören die Rotweine sicherlich mit zum Besten, was jemals erzeugt wurde – und das entlang der gesamten Qualitätspyramide. Für die meisten weißen Trauben ging die heiße und trockene Phase am Ende mit einer Einbuße an Frische und Aromapotential daher und nur wenige Weine aus diesem Segment erreichen die Höhe ihrer roten Kollegen. Fazit: gut bis sehr gut für weiß und süß und sehr gut bis groß für rot – das ist in Kürze der 2016er Bordeaux.

Meine TOP 50:

Mouton-Rothschild – definitiv ein ganz großer Mouton und für mich einer der Weine des Jahrgangs / gewaltige Tiefe / viel Frische und Finesse / 19,5++

Vieux Chateau Certan – explosive pure Frucht / frisch / ultralang / 19,5+

Ausone – ultrafeine Frucht / kombiniert diese irre Frucht mit Frische und gewaltiger Struktur / 19,5+

Lafite Rothschild – verbindet die Leichtigkeit des Seins mit großartigem Tiefgang / einer der finessenreichsten Weine des Jahrgangs / 19,5+

Latour – 93% Cabernet Sauvignon / strukturiert / massiv / riesiges Potential / 19,5

Haut Brion – powerful und dicht / hält vermutlich 100 Jahre und länger / Geduldswein / 19,0+

Lafleur – konzentrierte Frucht / muskulös / großartiges Potential / 19,0

Haut Brion blanc – wie immer eine Klasse für sich und eine der ganz wenigen großen weißen Bordeaux in 2016 / 19,0

Yquem – wieder ein Traumstoff mit kristalliner Frucht, seidenweicher Textur und viel Frische im sehr langen Finale / 19,0

Margaux – fein und perfekt proportioniert wie immer wenn auch für mich einen Tick hinter dem tollen 2015er / unglaubliche 50 hl/ ha wurden in 2016 vom Grand vin produziert / 19,0

Palmer – großartiger Fokus und Finesse / auf dem Level von Château Margaux / 19,0

Montrose – vermutlich einer konzentriertesten und massivsten Weine in 2016, aber trotzdem sehr stylisch / ähnlich wie HB wird man hier lange warten müssen / 18,5++

Leoville las Cases – wie üblich sehr zurückhaltend und aristokratisch / dahinter aber schlummert Tiefe, Struktur sowie konzentrierte Frucht / klassischer LLC / 18,5+

Ducru Beaucaillou – exotisch, spleenig und expressiv / high energy wine / 18,5

L´Eglise Clinet – feinsinnige Frucht und geschliffenes Tannin / 100% Durantou Style / 18,5

Cos d´ Estournel – hat im Vergleich zu früheren Jahren abgenommen und das steht ihm verdammt gut / elegant / zeigt wirkliche Klasse / 18,5

La Mission Blanc – viel Energie und fast kristalline Frucht / besitzt nicht ganz die Tiefe von HB blanc / 18,5

Pontet Canet – nur 35 hl / ha / 45% Ausbau in Beton-Amphoren / reichhaltige Frucht / geschliffen / viel Energie / 18,5

Petrus – sehr sinnliche Frucht aber auch einer der wenigen Weine, wo man deutlich den Alkohol spürte (14,5%) / braucht definitiv Zeit / 18,0+

Figeac – auf den Punkt reife animierende Frucht, dazu viel Rückgrat und Frische / toller Figeac / 18,0+

Brane Cantenac – einer der Überraschungen des Jahrgangs und Bestätigung eines Aufwärtstrends / auf diesem Level gehört BC definitiv zur Spitzenklasse in Margaux / glänzend poliertes Tannin / viel Extrakt und Finesse / absolute Kaufempfehlung / 18,0+

La Mission Haut Brion  – verrückte Nase mit intensiven Cumin flavours / geradlinig und drahtig / gute Länge / 18,0

Pape Clement – seit einigen Jahren absolute Spitzenklasse in Péssac und so auch in diesem Jahr / pure / klassischer Zuschnitt mit hohem Spaßfaktor / 18,0

Leoville Barton – auch in diesem Jahr gibt es an LB nicht auszusetzen /  bleibt seiner Stilistik treu und verbindet Understatement mit Struktur und Ausdruck / 18,0

Lynch Bages – Turbo Wein mit viel Power und Konzentration / very much Pauillac / 18,0

Canon – die Benchmark für Canon ist der außerirdische 2015er und zumindest momentan ist der 16er ein Tick hinterher / besitzt viel Tiefe und Dichte aber momentan nicht diese Finesse, die den vergangenen Jahrgang auszeichnet / großes Potential / 18,0

Pichon Comtesse – saftige Frucht und expressive Nase / besitzt nicht ganz die Frische anderer 16er auf diesem Level / spontan gefällt mir auch hier der 15er einen Tick besser / 17,5+

Smith Haut Laffite – nur einen Tick hinter Pape Clement / extrovertierter Style mit hohem Tempo / 17,5+

Les Forts de Labour – unverkennbar Latour Style / viel Würze / dicht / lässt wie üblich einige klassifizierte Weine alt aussehen / 17,5

Domaine de Chevalier – sehr klare fokussierte Frucht / viel Frische, Energie und feines Tannin / 17,5

Rauzan Segla – dramatische Nase mit Amarena und exotischer Würze / könnte etwas mehr Tiefgang am Gaumen haben aber zeigt deutlich Finesse / 17,5

Cheval Blanc – aufgeschlossen und aromatisch / konzentriert aber lässt Finesse und wirkliche Klasse vermissen / 17,5

Clerc-Milon – beweist, dass alle Weine aus dem Mouton Stall in diesem Jahr Klasse besitzen / kompakt / strukturiert / feines Tannin / 17,5

Angelus – viel Power und Extrakt / lässt deutlich die Muskel spielen / hat sicherlich seine Liebhaber, mir ist es etwas too much / 17,5-

Saint Pierre – coole Nase mit wilden Beeren und gecrushter Cassis / eleganter Style / 17,5

Canon La Gaffeliere – für mich einer besten Canon la Gaffelieres in den letzten Jahren / verbindet Dichte mit Frische und trocknet nur im Finale leicht aus / 17,5

Pavie Maquin – sehr animierende Nase / besitzt nicht ganz die Dramatik der großen 16er aber zeigt dafür Geschlossenheit und einen roten Faden / 17,5

Petit Mouton – bester Petit Mouton der letzten Jahre / expressive Nase / viel Textur und Frucht / macht jetzt schon Spaß / 17,5

Branaire Ducru – besitzt Ausstrahlung und Charme / saftige Frucht / macht sicherlich schon jung viel Spaß / 17,5

Le Pin – viel Frucht und cremige Textur / wirkt momentan etwas behäbig / vielleicht bringt die Entwicklung etwas mehr Gleichgewicht / 17,5

Lagrange – das Suntory-Weingut steht immer im Schatten der anderen Stars in St-Julien und produziert dabei von Jahr zu Jahr sehr zuverlässige Weine / der 16er ist da keine Ausnahme und wird sicherlich zu den Great Value Weinen gehören / 17,5

Gruaud Larose – würzige Nase / kompakt / robust / braucht definitiv Zeit / 17,0++

Troplong Mondot – viel Substanz und expressive Frucht / Im Gegensatz zu vegangenen Jahren diesmal balanciert und mit einigen Nuancen an Finesse / 17,0+

Suduiraut – Muskelprotz / ausladende Nase mit viel Exotik und süßem Holz / anhaltend / 17,0+

Doisy Daene – viel Grapefruit / etwas Botrytis / einer der wenigen Sauternes mit Frische und Agilität / 17,0+

Grand Mayne – einer der vielen sehr guten St-Emilions in diesem Jahr / attraktive Nase / besitzt viel Reiz und seidige Textur / 17,0

Clinet –  gefällt mir in 2016 ausgesprochen gut / klare Frucht / saftig / elegant / 17,0

de Fargues – viel Botrytis / weich / saftig / sweet finish / 17,0

D´ Armailhac – definitiv einer der besten d´Armailhac der letzten Jahre / fast schlank / elegant / fokussierte Frucht / 17,0

L´If – besitzt für mich mehr Agilität als Le Pin aus dem selben Haus, auch wenn in der Nase ein Hauch von Überreife zu erkennen ist / 17,0

 

Weitere Tasting notes schicke ich auf Anfrage gern zu.

TOUJOURS PROVENCE

Die erste Weinreise in unserer neuen Weinbar HERDER ZEHN (www.herder10.com) am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Über dreißig Provence Lover verließen für einige Stunden die Bergstadt und wandelten in einer der schönsten Weinlandschaften unserer Welt. Unser Guide war Anne Poniatowski, eine der Inhaberinnen von Mas de la Dame. Mas de la Dame liegt im Herzen der Provence, unweit des malerischen Dörfchens Les Baux de Provence und gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Weingütern in der Region. Bereits in den Achtziger Jahren erfolgte die Umstellung der Weinberge auf organische Bewirtschaftung – weit bevor BIO ein Megatrend auch in der Weinwelt wurde. In unserer Weinhandlung findet Ihr die ganze Palette der Mas de la Dame: animierende und duftige Weißweine, strukturierte und lagerfähige Rotweine sowie den kernigen Rosé du Mas. Letzterer war sicherlich einer der Favoriten des Abends – vielleicht wird dieser Wein auch Euer Sommerhit?

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BORDEAUX 1995

Nach den qualitativ eher bescheidenen Jahrgängen 1991 – 1994 gelang mit dem 95er Bordeaux der erhoffte große Wurf. Fast perfekte Wetterbedingungen über die gesamte Wachstums- und Reifeperiode – kombiniert mit moderaten Erträgen – gipfelte in Weinen, die sich durch Konzentration und Tiefe auszeichnen. Rückblickend kann man 1995 sowieso als einen Wendepunkt betrachten: viele rote Bordeaux wurden dichter, konzentrierter und teurer – mit diesem Jahrgang wurde die Preisspirale der letzten zwei Jahrzehnte in Bewegung gesetzt. Welche fast irrsinnige Dichte die besten Weine des Jahrgangs aufweisen, zeigte eine vom Bordeaux Sammler Jens Goldammer organisierte Probe am letzten Sonntag in der WEINWIRTSCHAFT in Lichtenwalde. Die Vertreter der Left Bank entwickeln sich im Schneckentempo – einige der Premiers Crus präsentierten sich immer noch fast zugenagelt. Perfekt zum Trinken zeigten sich dagegen die Weine der rechten Seite, die aber ebenfalls die notwendige Substanz für eine weitere Reife besitzen. Mich erinnert 1995 in der Entwicklung deutlich an 1986, wo sich das Spitzensegment immer noch am Beginn der Trinkreife befindet.

Überstrahlt wurde die Probe von einem fast überirdischen Château Margaux, der perfekt Subtilität und Finesse mit Konzentration und Tiefgang verbindet. Unglaublich massiv und mit riesigem Potential stellten sich Mouton und Haut Brion zur Schau – letzterer in einer sehr reduktiven Phase. Selbst nach 6 Stunden Belüftung zeigten die beiden Weine nur im Ansatz ihr Potential und erfordern wohl noch weitere zehn Jahre Geduld. Der extravaganteste Wein der Probe war jedoch Cos d´ Estournel, den man schlichtweg als groß bezeichnen muss. Ausgestattet mit einem verschwenderischen Bouquet zeigt er trotzdem viel Eleganz und Feinsinnigkeit – weit weg vom Stil der letzten 15 Jahre. Insgesamt war es eine wirklich packende Probe – herzlichen Dank an Jens für dieses tolle Erlebnis.

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Trotanoy / developed / concentrated nose / still some primary elements / spicy-herbal touch / intense / soft tannins / lot of substance and potential / long / 18,0 / now – 2030

La Fleur Petrus / focused nose / ethereal / elegant style / very good energy and evolution in the glass / precise / medium length / 17,5 / now – 2025

Angelus / concentrated nose / spicy / medium body / shows good freshness and balance / fine tannins /  good length / 18,0+ / now – 2030

Valandraud / sweet spicy nose / plummy / luscious / textured / soft / good length / charming / 17,0 / now – 2022

Monbousquet / very ripe dark fruit / intense oak / fullish / rustic tannins / clumsy / medium length / 15,0 / now

Palmer / deep ruby red / concentrated nose / complex / medium body / fine tannins / elegant style / medium depth and length / 17,5+ / now – 2030

Margaux / complex nose / ethereal / dark fruit / great focus and purity / medium body / lot of energy / shows real depth and greatness / 19,5 / now – 2045

Haut-Brion / closed but very concentrated nose / needs time / lot of substance / firm yet balanced tannins / great potential / 18,5 / 2020 – 2045

Mouton-Rothschild / concentrated nose / dense / sweet spicy oak / massive yet balanced tannins / high potential / 18,5++ / 2025 – 2050

Lafite Rothschild / ripe dark fruit / cassis / energetic / fine-grained tannins / shows finesse and elegance but has not the depth and greatness of Margaux / 18,0 / now – 2035

Latour / restrained / pure / structured / masculin / dense / needs time / very good potential / 18,5+ / 2020 – 2045

Leoville las Cases / pure nose / lifted / subtile / medium body / very good freshness and focus / great combination between depth and lightness / classy / 18,0+ / now – 2035

Leoville Barton / developes nose / exotic spicyness / lean / firm / good balance / medium concentration and length / 17,5 / now – 2030

Ducru Beaucaillou / ripe cassis / forward / luscious / lot of fruit / balanced tannins / has not the structure and dimension of las Cases / medium length / 17,0 / now – 2030

Lynch-Bages / forward / intense bramble-berry / supple / textured / underlying firm tannins / shows structure and depth / good length / 17,5 / now – 2030

Pichon Baron / spicy / masculin / restrained / needs time / straight forward / lacks finesse / 16,5- / now – 2030

Grand Puy Lacoste / complex nose / spicy-tobacco notes / very good structure / precise / firm yet very balanced tannins / potential for further development / classic style / 18,0 / now – 2035

Batailley / pure nose / liquorice / lean / grippy / robust but balanced / medium depth, concentration and length / will keep in the bottle / 16,5+ / now – 2030

Clerc-Milon / forward nose / fully developed / tobacco notes / medium body /  good balance and length / 17,0 / now – 2030

D´Armailhac / sweet spicy-oaky notes / lean / uncomplicated / good balance but lacks structure and depth / 16,0 / now – 2020

Talbot / lifted / ethereal / firm backbone / medium body / shows good balance  / 17,0 / now – 2030

Montrose / deep nose / black fruit / tar / complex / concentrated / good structure / precise / masculin / needs time in the glass / 17,5 / now – 2030

Cos d´Estournel / forward / expressive / luscious / great depth / intense yet balanced oak / flamboyant / long / classy / 18,5 / now – 2035