Kategorie-Archiv: Wein der Woche

Nebbiolo aus Sachsen

Sächsischer Barolo? Auch wenn er sich natürlich so nicht nennen darf – unter der Hand wird dieser Wein aus der Schwarz´schen Manufaktur so bezeichnet. Sicherlich einer der abgefahrensten Weine, die es derzeit in Sachsen gibt. Ein Wein, der Spannung, Struktur und Finesse besitzt – wie auch die anderen Weine aus der Hand von Grit und Martin Schwarz. Und ist sehr rar: nur 100 Flaschen gibt es vom Erstlingswein der Jahrgänge 2011 und 2012. Klar kommt schnell die Frage auf: Wer braucht das, macht es Sinn in Sachsen Nebbiolo anzubauen, wo doch heute jeder von regionaler Identität redet? Nun, man muss kaum fürchten, dass es jetzt ein Nebbiolo-Invasion in Meißen & Co zu Lasten alteingesessener Rebsorten geben wird. Auf der anderen Seite ist Sachsen mit seinem großen Rebsorten-Mix im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche sowieso Multi-Kulti. Und wir zeigen damit, das wir Sachsen doch ein weltoffenes Volk sind. Auch wenn Montags ein kleiner Teil die Welt vom Gegenteil überzeugen will…..

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor

 

heitz, cabernet sauvignon fay vineyard 1975

Toller Wein zum Jahreswechsel. Heitz Cellars produzierte von 1975 bis 1978 einen Single Vineyard Wein vom 1961 angelegten Fay Vineyard, bevor dieser 1979 zu Stag´s Leap Wine Cellars verkauft wurde. Dichtes Rubin / komplex / Tabak / ätherische Noten / mittlerer Körper / perfekt strukturiert / sehr lang / feinsinniger und eleganter Wein / jetzt bis 2020 / 19,0+

Heitz Fay Vineyard 75

Gereiftes Australien

Penfolds, BIN 80A Cabernet-Shiraz

Eine der seltenen Special-Bin Abfüllungen von Penfolds, besteht zu zwei Dritteln aus Coonawarra-Cabernet und einem Drittel Shiraz vom Kalimna Vineyard am nördlichen Ende des Barossa Valleys. 1980 war ein kühles jahr mit relativ später Reife. Max Schubert – der “Erfinder” des Grange – ging 1976 offiziell in den Ruhestand, aber blieb für einige Jahre noch Mentor des Red Winemaking Teams. Der BIN 80A zeigt die unverwechselbare Handschrift Schuberts: Reichhaltige Frucht verbunden mit Frische und Nervigkeit sowie subtiler Power. Der Wein zeigt sich nach wie vor in seiner vollen Blüte: komplexe Nase mit Noten von getrockneten Früchten, süsser Würze, Leder  und Teer; am Gaumen fast schlank mit sehniger Struktur, moderatem Alkohol (12,0 Vol.) und sehr guter Balance. Langes – von der Frucht getragenes Finale mit leichter Adstringenz. Legt im Glas deutlich zu und zeigt auch nach Stunden keine Müdigkeitserscheinungen. Potential für mindestens weitere 10 – 12 Jahre, 18,0.

Tahbilk, 1860 Shiraz 1991, Victoria

Tahbilk ist eines der historischen Weinmonumente in Australien und bekannt für einen eher “europäischen Stil” seiner Weine. Der 1860 Shiraz stammt von einem 0,5 ha großen, pre-phylloxera single vineyard, welcher zu den ersten angelegten Weinbergen in der Nagambie Lake Region (nördliches Victoria) gehört. Der erste produzierte Jahrgang von diesem alten Weinberg war 1979, die Produktion beträgt rd. 300 Kisten jährlich. Der 1991er zeigt sich derzeit auf seinem Höhepunkt: fein akzentuierte Nase mit Mint-Noten, Anis, Kräutern und Heidelbeeren; am Gaumen mit mitterem Körper, weicher Textur, moderatem Alkohol, viel Frische und Vibrancy sowie mittlerer Länge. Gute Flaschen halten sicherlich noch einige Jahre, 17,5.

 

Einzigartig: Henri Bonneau, Châteauneuf du Pape

Henri Bonneau gehört zu den großen Winzerpersönlichkeiten Frankreichs. Einen Termin bei ihm zu bekommen ist schwer und langwierig – nur wenigen gelang es bisher, in sein Kellerreich vorzudringen. Mythen ranken sich um ihn und und seine Weine, deren Verteilung bis vor einigen Jahren höchst subjektiv erfolgte. Ein Mittelsmann holt uns im Café la Mule du Pape im Herzen von Châteauneuf du Pape ab und führt uns durch alte Gassen zum Haus von Bonneau. Herzlich ist der Empfang und von Beginn an entwickelt sich eine ungezwungene Atmosphäre. Nach einer kurzen Phase des Kennenlernes geht es treppab in die verborgene Welt des Henri Bonneau. Gezieltes Marketing und gestylte Verkostungsräume sind ihm genauso suspekt und fremd wie das Einmaleins der modernen Önologie mit all ihren Hilfsmitteln, Pülverchen und Zusätzen – schon nach wenigen Minuten wird klar: Henri Bonneau ist die letzte Bastion des traditionellen Châteauneuf du Pape. Die museumsreifen Keller sind zum Teil aus dem 17. Jahrhundert und schockieren die Jünger des cleanen Winemaking.  Dicke Flusen hängen von der Decke, alte Emailletanks, Barriquefässer, von denen bestimmt keines jünger als 10 Jahre ist. Jeder erwartet angesichts dessen defekte und unsaubere Weine. Henri Bonneau beweist einmal mehr, das verschiedene Wege zum Ziel führen. Alle Fassproben bestechen durch Tiefe und eine unglaubliche Klarheit. So simpel wie der Keller ist auch die Vinifikation bei Henri Bonneau: Vergärung mit den Stielen und spontan, keine zusätzliche Maischung nach dem Ende der Gärung, Ausbau zwischen 4-6 Jahren in gebrauchten Barriques. einige auch länger. So dreht sich dann das Gespräch auch recht schnell um viele andere Dinge, u.a. um Essen und den Algerienkrieg. Sohn Marcel reicht ein um das andere Mal Fassproben aus verschiedenen Jahrgängen und den verschiedenen Cuvées. Alle Weine sind überwiegend aus Grenache sowie kleinen Prozentsätzen von Vaccarese, Cunoise und Mourvedre, aber im Grunde genommen interessiert Bonneau die genaue Zusammensetzung auch nicht. Syrah mag Henri Bonneau überhaupt nicht – für ihn gehört diese Rebsorte ausschließlich an die nördliche Rhône. Das Alter der 6 ha Weinberge beträgt 30 – 40 Jahre. Jährlich werden rd. 15.000 Flaschen produziert, die sich auf vier Weine verteilen. Einen Vin de table (der außer dem Namen nichts mit der belanglosen Tafelweinproduktion Südfrankreichs zu tun hat) sowie 3 verschiedene Châteauneuf du Pape: Henri Bonneau, Marie Beurrier und die legendäre Reserve de Célestins. Welche Barrique für welchen Wein verwendet bleibt bis kurz der Abfüllung offen und das Geheimnis von Henri, allerdings stammen die Trauben für die beiden Top-Weine überwiegend vom Zentralplateau aus der Lage La Crau. Unabhängig von Unterschieden in Komplexität, Dichte und Länge haben alle Weine eines gemeinsam: Sie besitzen Wildheit, Würze und Struktur, die so vielen aufkonzentrierten, eichenholzwürzigen Fruchtbomben aus dem Châteauneuf du Pape abgeht. Keine Schmeichler und glattgebügelte Weine, sondern Weine mit Natürlichkeit und urwüchsigem Charakter – jeder Wein erzählt seine ganz eigene Geschichte. Nach 1,5 h – die wie im Fluge vergehen – ist das Feuerwerk zu Ende: unzählige Fassproben aus 6 verschiedenen Jahrgängen liegen hinter uns. Herzliche Verabschiedung – danach geht´s zu Château Beaucastel und zurück in eine reale Weinwelt.

Henri Bonneau

Im Innenhof des Hauses und Weinguts Bonneau

Kellerimpression I

Kellerimpression 2

Marcel Bonneau

Bis zum nächsten Mal...

PS: Eine limitierte Menge an Bonneau-Weinen steht uns nach diesem Besuch zur Verfügung – bei Interesse schicken Sie mir einfach ein Mail.

Tornai, Grófi Juhfark Top Selection 2008

Spezialität aus Somló, einem kleinen Weinbaugebiet nordwestlich des Balaton. Die Weinberge erstrecken siich überwiegend an den Hängen des rd. 430 m hohen Berges Somló – einem erloschenen Vulkan. Kräftiges Strohgelb mit goldgelben Reflexen / konzentrierte Nase / mineralisch / nussige Nuancen / Trockenobst / leichter Honigtouch/ kräftiger Körper / Alkohol 14,5 % Vol. / auch am Gaumen viel Mineralität / kräftige balancierende Säure / feste Struktur / Holztouch / gute Länge / charaktervoller Wein in opulenter Stilistik / bis 2018 / 16,0+