Kategorie-Archiv: Wine & Dine

TOUJOURS PROVENCE

Die erste Weinreise in unserer neuen Weinbar HERDER ZEHN (www.herder10.com) am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Über dreißig Provence Lover verließen für einige Stunden die Bergstadt und wandelten in einer der schönsten Weinlandschaften unserer Welt. Unser Guide war Anne Poniatowski, eine der Inhaberinnen von Mas de la Dame. Mas de la Dame liegt im Herzen der Provence, unweit des malerischen Dörfchens Les Baux de Provence und gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Weingütern in der Region. Bereits in den Achtziger Jahren erfolgte die Umstellung der Weinberge auf organische Bewirtschaftung – weit bevor BIO ein Megatrend auch in der Weinwelt wurde. In unserer Weinhandlung findet Ihr die ganze Palette der Mas de la Dame: animierende und duftige Weißweine, strukturierte und lagerfähige Rotweine sowie den kernigen Rosé du Mas. Letzterer war sicherlich einer der Favoriten des Abends – vielleicht wird dieser Wein auch Euer Sommerhit?

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chardonnay und sauvignon blanc – zwischen klassik und avantgarde

Eine spannende Weinprobe, welche ich am letzten Freitag im Restaurant Caroussel im Bülow Palais Dresden leitete, zeigte die Vielfalt an Styles und aktuelle Entwicklungen dieser beiden Global Player. Zwölf Weine repräsentierten verschiedene Böden, klimatische Bedingungen und Klone sowie unterschiedliche Methoden und Techniken im Weinberg und im Keller.

Jürgen Hofmann, Sauvignon Blanc “Laurenzikapelle” 2012, Rheinhessen - 19 Jahre alte Reben in der Einzellage St. Laurenzikapelle in Gau-Algesheim, Muschelkalkböden, Maischestandzeit 36 h, spontan vergoren im 1 x 1.200 l Holzfass, 2 x 500 l Fässern und 4 x Barriques, langes Hefelager ohne Abstich, eine Filtration vor der Abfüllung – grüne Exotik, florale Noten, dezentes Holz, viel Schmelz, eingebundenen Säure, mittlere Länge, bereits perfekt zu trinken, jetzt bis 2017 – 16,0

Clos Henri, Sauvignon Blanc 2012, Marlborough - Anlage der Weinberge in 2000, Grauwacke und  lehmhaltige Böden, organische Bewirtschaftung, Vergärung zwischen 15-18°C in  95% Edelstahl und 5 % gebrauchten Barriques, 8 Monate Hefelager auf der Feinhefe mit Aufrühren, grobe Filtration vor der Abfüllung – zeigt deutlich seine “französische Herkunft”, zurückhaltender im Vergleich zu vielen anderen Kiwis, prägnante Säure, texturiert, mittlerer Körper, gute Balance, gut, aber ohne wirkliche Brillanz – jetzt bis 2018 – 15,5

Didier Daguenau, Silex 2010, Pouilly-Fumé - 35-60 Jahre alte Weinberge, Kalk-Lehm-Böden mit hohem Anteil von Siliziten (Feuerstein), Culture raisonnée, Vergärung mit neutralen Hefen und Ausbau über 12 Monate auf der Feinhefe in Demi-Muids (500 l Fässer), Weiterer Ausbau über 6 Monate in Edelstahl bis zur Abfüllung – viel Würze, später ätherische Noten, Wiesenblumen, komplex, braucht viel Zeit und Luft zur Entwicklung, kraftvoller Körper, maskulin, konzentriert, zeigt die Vielseitigkeit von SB (Struktur versus Frucht), lang, braucht noch ein paar Jahre, um das volle Potential zu zeigen – 2016 – 2030 – 18,0++

Josef Fritz, Chardonnay Grande Reserve Steinberg 2012, Wagram - Urgestein Verwitterungsböden, Süd-Ost-Ausrichtung, Spontangärung und partieller Säureabbau in Barriques, 50% neue Fässer, anschließend Hefelagerung bis Ende März, Abzug und weiterer Barriqueausbau bis Mitte September, eine Filtration vor der Abfüllung im November – reife Frucht, Karamell-Touch, füllig, ohne jedoch behäbig zu wirken, perfekt integriertes Holz, gute Länge – jetzt bis 2020 – 16,5

Uva Mira, Single Vineyard Chardonnay 2010, Stellenbosch - Alter der Reben 15 Jahre, verschiedene Klone, Unterlagsreben R99, 550 m Höhe, Granit- und Schieferböden, leichtes Pressen – nur Nutzung des frei ablaufenden Mostes, teilweise Ganztraubenpressung, Spontanvergärung, Vergärung und Ausbau über 11 Monate in französischer Eiche mit gelegentlichen Hefesatzaufrühren, partieller Biologischer Säureabbau, leichte Filtration – Fokussiert, geschliffene Frucht, mittlerer Körper, vibrierende Säure, seidige Textur, elegant, lang, überzeugender Wein – jetzt bis 2020 – 17,0

De Martino, Quebrada Seca Chardonnay 2010, Limari Valley - Weinberg in 19 km Entfernung vom Pacific, Kalk, Lehm und Siltböden, Handlese, temperaturkontrollierte Vergärung, Ausbau über 11 Monate in französischen Barriques – Markante Frucht, exotische Noten, mittlerer Körper, soft, seidig, vermisst etwas Struktur und Biss – jetzt bis 2016 – 15,0-

Domaine de Chevalier blanc 2006, Péssac-Léognan - Kies-Lehmböden, Alter der Weinberge durchschnittlich 30 Jahre, nachhaltige Bewirtschaftung, 70% Sauvignon Blanc, 30% Semillon, Schonende Direktpressung, Abkühlung des Mostes auf 16-18 °C, 24 h Debourbage, Vergärung und Ausbau in zu max. 30% neuen französischen Barriques bei max. 25 -27°C, Ausbau 22 Monate, davon 18 – 19 Monate auf der Hefe mit Bâtonnage – dezente Altersnoten, Sahnebonbons, kandierte Früchte, mittlerer Körper, perfekt strukturiert, feinsinnig, zeigt mehr Fülle und Textur im Vergleich zu anderen Jahrgängen, ohne deswegen an Energy zu verlieren, lang – jetzt bis 2030 – 18,5

Robert Mondavi Winery, Fumé blanc 2010, Napa Valley - Verschiedene Weinberge im Napa Valley u.a. Stags Leap District und Oakville District, 96% Sauvignon Blanc, 4% Semillon, Handlese, Ganztraubenpressung, kühle Vergärung in Edelstahl, 9 Monate Ausbau auf der Hefe in französischen Barriques, zweimal monatlich Battonage – deutliche, jedoch integrierte Holznoten, Lemonfruit, Stachelbeere, zeigt Drive, Balance und gute Länge, sicherlich nicht der Terroirwein par excellence dafür aber mit hohem Spaßfaktor – jetzt bis 2017 – 16,0

 Castell d´Encus, Taleia 2011, Costers del Segre - Neuanlage der Weinberge in ersten Ausläufern der Pyrenäen in 850 – 1.000 m Höhe, Alter der Reben 10 Jahre, verschiedene Klone und Unterlagen u.a. Loire Klone für Sauvignon Blanc, 80% Sauvignon Blanc, 20% Semillon, Handlese, manuelle Selektion der Trauben, Vergärung in einem Mix aus Edelstahl, Holz und Stein, neutrale Hefen, Partieller Ausbau in französischen Barriques, kein biologischer Säureabbau, 9 Monate Flaschenlagerung nach der Abfüllung – zurückhaltend, im ersten Moment fast karg, später florale und  würzige Nuancen, keine Zugeständnisse an moderne SB Profile – wenn man es nicht wüsste, ist es schwer den SB zu erkennen, sehr eigenständiger Wein, mittlere Länge – jetzt bis 2018 – 16,5

Domaine Billaud-Simon, Vaudesir Grand Cru 2006, Chablis - Alter der Reben 15 – 20 Jahre, Kimmeridge Kalkböden, kontrollierte Vergärung in Edelstahl, biologischer Säureabbau, Ausbau der Weine auf der Feinhefe in gebrauchten Holzfässern – dezente Reifenoten, weißer Pfirsich, würzig-steinige Nuancen, kraftvoll, konzentriert, gute Balance und Länge, fehlt es vielleicht etwas an Strahlkraft und Glanz für einen ganz großen Wein – jetzt bis 2022 – 17,5

Pierre Yves Colin-Morey, En Remilly 1er Cru 2008, St-Aubin - Culture raisonnée Bewirtschaftung der Weinberge, Vergärung und Ausbau der Weine in 350 – 500l Fässern aus französischer Eiche, Ausbau auf der Hefe ohne Battonage, minimale Filtration – akzentuierte, glasklare Frucht, perfekt eingebundenes Holz, mittlerer Körper, rasiermesserscharfe, jedoch balancierte Säure, präsentiert sich wie ein flüssiger Edelstein, zeigt das Können seines Machers und das Potential des weißen Burgunds abseits der großen CPM-Lagen – jetzt bis 2020 – 17,5

Domaine André et Mirelle Tissot, Les Bruyères 2007, Arbois - Alter der Reben 35 – 70 Jahre, Böden aus Trias Mergel, biodynamischer Anbau, Vergärung und Ausbau über 24 Monate auf der Hefe in französischen Barriques, davon 20%  neues Holz, leichte Filtration, minimale SO2 Zugabe – Bernsteinfarben, entwickelt, nussige Nuancen, reifer Apfel, mittlerer Körper, gute Konzentration, eigenständig – jetzt bis 2017 – 16,5

 

 

 

 

 

Außerirdisch: Restaurant Rosengarten in Kirchberg

Einfach nur grandios – so das Fazit unseres Besuches im Restaurant Rosengarten in Kirchberg (Tirol), welches im Dezember 2010 nach Umbau wiedereröffnet wurde. Stilvolles Ambiente und  sehr guter Service wurden überstrahlt von Inhaber und Küchenchef Simon Taxacher, der bereits in 2009 zwei Michelin-Sterne erkochte. Das Menü überzeugte vom ersten Amuse bis zum letzten Gruß aus der Pattiserie. Kein Pseudo-Kreativität, sondern komplexe, harmonisch abgestimmte und finessenreiche Kombinationen. 120 EUR für 6 Gänge sind angesichts dieses Feuerwerkes sowie der eingesetzten Produkte angemessen. Die Weinkarte lässt ebenfalls fast keine Wünsche offen, einzig Deutschland sowie das “weiße” Frankreich kommen etwas kurz weg. Definitiv eine Empfehlung!

Winzerporträt mit Bodegas Muga, 29.10.10

Zur Veranstaltung “Das Winzerporträt” mit Bodegas Muga, Rioja gestern Abend im Restaurant LA VINOTHEQUE war Jesus Viguera (Exportdirektor) zu Gast. Locker und ohne fachliche Überfrachtung stellte er vor rund 40 Gästen die Philosophie der Familie Muga sowie einen repräsentativen Querschnitt der Weine vor. Höhepunkt war zweifellos ein der Vergleich der Jahrgänge 2001 und 1985 des Prado Enea Gran Reserva. Der 85er erinnerte an die Dinosaurier-Epoche in der Rioja – nur wenige Weine in dieser Stilistik sind heute noch zu finden: Helle Farbe / pikante Aromatik / frische Säure / mittelgewichtig / Alk. 12,5 % / trotz deutlicher Reife noch erstaunlich lebendig / mittlere Länge. Deutlich wuchtiger und mit mehr Frucht der 01er Prado Enea – die Mehrheit der Gäste favoritisierte diesen Wein und machte deutlich, warum Weine wie der 85er am Aussterben sind. Insgesamt ein sehr gelungener Abend mit überzeugenden Weinen – nächsten Freitag gibt es dann an gleicher Stelle WEIN & ZEIT mit Bordeaux´s aus den 80er Jahren.

Seminar Gewürz & Wein 23.10.10

Ausverkauft war das letzte Gewürz & Wein Seminar am letzten Samstag im Restaurant LA VINOTHEQUE. Nach einer ca. einstündigen Einstimmung mit etwas Theorie und viel probieren rund um Salze, Pfeffer und Gewürzmischungen gab es ein spannendes Gewürz-Menü mit Wein.

1. Gang: Tatar vom Limousin-Rind mit Onsen-Ei und Steckrübe, aromatischer Leader war in diesem Gang der Tasmanische Bergpfeffer. Spannende, “nicht ganz echte” Pfefferart: zu Beginn süßer Auftakt, Beeren-Aromatik, etwas überraschend kommt die später einsetzende Schärfe. Dazu gab es einen fruchtbetonten Rioja – den SELA 2008 von Bodegas RODA. Gute Kombi, der Wein wurde durch das Essen aufgewertet und gewann an deutlich an Profil.

2. Gang: Wildlachs mit Satsuma, Macadamia-Nuß und Purple Curry von Ingo Holland. Das Purple Curry gab klar die Richtung für den Wein vor – wir entschieden und nach einigem Probieren für den Bourgogne Vieilles Vignes 2008 von Perrot-Minot. Die geschliffene Frucht und feine Textur harmonierte gut mit dem Gang, problematisch waren nur die Macadamia-Nuß, die das feine, eingebundene Holz im Wein in den Vordergrund schob.

3. Gang: Rosa Rehrücken mit Valrhona, Selleriepüree und Trompetenpilzen – das Gericht stand unter der Überschrift des Wildgewürzes aus dem Hause Holland. Ein harmonische, von dunklen Aromen geprägte Mischung, die sich perfekt mit den anderen Komponenten verband. Zwei reifere Weine wurden zu diesem Gang probiert: Shiraz 2003 von Cape Mentelle, Margaret River und die Cuvée Emilie 2000 der Domaines des Remizieres, Hermitage. Letzter hatte im Vergleich die Nase vorn, gewann mit dem Essen noch an zusätzlicher Tiefe sowie an Frucht. Bilderbuch-Hermitage.

4. Gang: Ziegenfrischkäse-Waffel mit Rote Bete Gelee, Quitte und Hibiskusblütensalz. Spannende Kombination, auch wenn die Rote Bete nicht jedermanns Geschmack war. Passender Abschluß zum Dessert ein Wein von der Loire: Château Pierre Bise 2006, Côteaux de Layon. Der Wein griff hervorragend den Schmelz vom Ziegenfrischkäse auf und verlieh mit seiner aromatischem Komplexität dem Dessert eine zusätzliche Dimension. Das Hibiskusblütensalz sorgte für Frische im Dessert und steigerte zusätzlich die Intensität des Weines.

Das nächste Gewürz & Wein Seminar mit Menü gibt´s dann im Februar 2011.