Kategorie-Archiv: Winzer

TOUJOURS PROVENCE

Die erste Weinreise in unserer neuen Weinbar HERDER ZEHN (www.herder10.com) am vergangenen Freitag war ein voller Erfolg. Über dreißig Provence Lover verließen für einige Stunden die Bergstadt und wandelten in einer der schönsten Weinlandschaften unserer Welt. Unser Guide war Anne Poniatowski, eine der Inhaberinnen von Mas de la Dame. Mas de la Dame liegt im Herzen der Provence, unweit des malerischen Dörfchens Les Baux de Provence und gehört seit Jahrzehnten zu den führenden Weingütern in der Region. Bereits in den Achtziger Jahren erfolgte die Umstellung der Weinberge auf organische Bewirtschaftung – weit bevor BIO ein Megatrend auch in der Weinwelt wurde. In unserer Weinhandlung findet Ihr die ganze Palette der Mas de la Dame: animierende und duftige Weißweine, strukturierte und lagerfähige Rotweine sowie den kernigen Rosé du Mas. Letzterer war sicherlich einer der Favoriten des Abends – vielleicht wird dieser Wein auch Euer Sommerhit?

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L´ Âme de la Savoie

Bei uns einem Vin de Savoie über den Weg zu laufen, passiert wahrscheinlich genauso selten, wie einen Eskimo in der Sahara zu treffen. Weniger als 5% der Weine aus den Savoyen gehen in den Export. Auch für mich war es bisher eine eher flüchtige Bekanntschaft und damit höchste Zeit für eine intensivere Beziehung zu dieser Weinregion im Osten Frankreichs. Kein einfaches Unterfangen – das Weinanbaugebiet der Savoyen ist nämlich kein richtiges zusammenhängendes Gebiet. Es ist ein Patchwork von vielen Gemeinden und einzelnen Weinbergen, die weit verstreut in den Ausläufern der französischen Alpen in der Nähe der Schweizer Grenze liegen. Logischerweise schließt das völlig verschiedene klimatische Bedingungen und Böden ein. Dazu kommen 25 verschiedene, zum Teil nur hier angebaute Rebsorten – und das auf einer Fläche von lediglich 2.100 ha.

Savoie 1

Weinberge im Massif des Bauges

Eines der neueren interessanten Projekte befindet sich in Seyssel, der Schaumweinhauptstadt des Savoie. Georges Siegenthaler – ein Professor im Ruhestand der Uni in Genf – hat hier vor zehn Jahren begonnen, die ersten Weine zu produzieren. Die organisch bewirtschaftete Domaine de Vens Le Haut  ist mittlerweile auf 3 ha angewachsen und konzentriert sich ausschließlich auf lokale Rebsorten. Eine davon ist Altesse, die mit Roussette de Seyssel eine eigene Appellation besitzt. Altesse gehört sicherlich zu den qualitativ interessantesten Rebsorten des Savoie und besitzt ein gutes Entwicklungspotential in der Flasche. Quantitativ nimmt Altesse mit rund 200 ha Anbaufläche aber nur einen Platz auf den mittleren Rängen ein. Auf dem ersten Platz ist mit Jacquére eine wesentlich ertragsstabilere Rebsorte zu finden, die aber bei zu hohen Erträgen nur noch neutrale und säurelastige Weine ergibt. Bei Durchschnittserträgen von rd. 30 hl/ ha produziert Georges Siegenthaler einen Jacquére, der mit seiner Reintönigkeit, floralen Aromen und erfrischender Säure das perfekte Abbild eines Bergweines darstellt und ein hervorragender Begleiter für die Savoyer Küche ist.

Verkostungsmarathon mit Georges Siegenthaler

Verkostungsmarathon mit Georges Siegenthaler

In der Gegend um Chambery befindet sich eine der Hochburgen des Savoie. Zum Teil dramatisch steile Weinberge befinden sich hier an den Abhängen des Massif des Bauges. Einige Dörfer wie Chignin und Cruet besitzen einen Cru Status, der eine höhere Qualität signalisieren soll. Als erstes lernte ich, dass der Familienname Quénard sowas wie der Müller des Savoie ist. Eine unglaubliche Anzahl an Domainen schmückt sich mit diesem Namen; die Kenntnis des Vornamen ist essentiell, um beim richtigen Winzer zu landen. Neben Weißweinen wird hier auch eine Menge an Rotweinen aus der autochthonen Mondeuse Noir, Pinot Noir und Gamay produziert. Die erstere ergibt bei entsprechender Handhabung ehrliche und struktuierte Weine, die mit ihrer Pfeffrigkeit unmissverständlich die Verwandtschaft zu Syrah zeigen. Wie so oft gefallen mir dabei die einfacheren und geradlinigen Weine besser als die Weine, wo mit zuviel Holz der wahre Charakter verloren geht.

Quénard-Konfusion

Quénard-Konfusion

Francois Quénard ist einer wenigen Winzer, welche die ultraseltene Rebsorte Persan im Bestand haben.

Francois Quénard ist einer wenigen Winzer, welche die ultra-seltene Rebsorte Persan im Bestand haben.

In Ayze ist mit Gringet eine der raresten Varietäten des Savoie zu finden. Auf nur noch 40 ha wird diese Rebsorte angebaut, von der man bis vor kurzem dachte, dass sie mit dem Savagnin aus dem Jura verwandt ist. Unangefochtener Star in Ayze ist die Domaine Belluard, die auf knapp 500 m hohen Weinbergen ausdrucksstarke Weine mit hervorragendem Entwicklungspotential produziert. Ein verkosteter 2008er Gringet “Les Alpes” begeisterte mich mit einem Mix aus herber Exotik und ätherischen Noten, messerscharfer Präzision und animierender Säure. Auf dem gleichen Level sind die Weine der Domaine des Ardoisières in Freterive. Die Domaine wurde 1998 von Michel Grisard, einem der Vordenker des biodynamischen Anbaus in den Savoyen, ins Leben gerufen. Kernstück des ehrgeizigen Projektes war die Neuanlage eines aufgegebenen Weinberges, des Spuren sich bis in die Zeit der Römer verfolgen lassen. Die Produktion von rd. 42.000 Flaschen verteilt sich auf fünf Weine, die nach den jeweils vorherrschenden Bodenarten benannt sind. Ungewöhnlich für das sonst eher sortenrein ausgerichtete Savoie ist das Blending der Rebsorten, die in dem jeweiligen Weinberg zu finden sind, so besteht der “Schiste blanc” aus Roussanne, Jacquere, Pinot Gris und Mondeuse Blanche.

Der Mastermind der Domaine des Ardoisières: Brice Omont

Der Mastermind der Domaine des Ardoisières: Brice Omont

Das Ergebnis sind Weine mit einer selten zu findenden Individualität, puristischer Architektur und emotionaler Tiefe. Hier war ich dann endgültig im Savoie angekommen. Es war einer dieser seltenen Glücksmomente, in der man sich sicher ist, einen Wein zu verstehen. Klar und deutlich symbolisierten diese Weine, dass sie untrennbar mit ihrer Herkunft verknüpft sind und spannten den Bogen zu Landschaft und Kultur. Für mich stand in diesem Augenblick fest: Ja, das ist sie – die Seele des Savoie!

Gegenwart trifft Vergangenheit: das Gebiet der Allobrogen wurde 121 v. Chr. in das Römische Reich integriert.

Gegenwart trifft Vergangenheit: das Gebiet der Allobrogen wurde 121 v. Chr. in das Römische Reich integriert.

Scheu & racy

Im kommende Jahr feiert die nach ihrem Erfinder Georg Scheu benannte Rebsorte ihren 100. Geburtstag. Fast könnte man meinen, der Name der Scheurebe ist mittlerweile Programm. Seit Mitte der 90iger Jahre hat sich die Anbaufläche dieses einst so erfolgreichen Newcomers mehr als halbiert. Entgegen dem allgemeinen Trend trotzen die Bastionen Pfalz und Rheinhessen, wo die Scheurebe nach wie vor für viele Weingüter ein unverzichtbarer Bestandteil im Rebsorten-Portfolio ist. Eine der qualitativen Hochburgen ist das Weingut Pfeffingen. Faszinierend ist der süße Edelstoff, der Jahr für Jahr diesen mit römischer Historie gespickten Platz zwischen Bad Dürkheim und Ungstein verlässt. Interessant ist jedoch auch eine ganze andere Interpretation der Scheurebe, die das Potential für “ernsthafte” trockene Weine dieses Aromenbündels beweist. Die Scheurebe SP schlägt dabei den Bogen zu einer der früheren Stationen von Mitinhaber Jan Eymael. Inspiriert von seiner Zeit bei Château Smith Haut Lafitte in Péssac-Léognan vergärt er die Scheurebe ganz nach dem Vorbild der großen weißen Bordeaux´s in neuen Barriques. Eine gestaffelte selektive Lese sowie eine Maischestandzeit für mehrere Stunden sind die Basis für ein komplexes Aromenpotential und bilden den notwendigen Kontrastpunkt zum neuen Eichenholz. Heraus kommt ein Wein, der sinnliche Frucht mit feiner Holzaromatik verbindet und unter seiner Kashmir-ähnlichen Textur eine fein abgestimmte mobilisierende Säure verbirgt, welche Dynamik und Spannung bis zum letzten Genussmoment garantiert.

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Weine mit Kopf

Hinter den sieben Bergen liegt das kleine Südburgenland. Die wenigsten Besucher des Burgenlandes schaffen es bis hierher. Nicht nur des langen Weges wegen; die oft fast übermächtige mediale Präsenz der größeren Nachbarn lässt kaum Platz für eine nachhaltige Wahrnehmung. Und lässt Spielraum für Entdeckungen. Eine davon ist Thomas Kopfensteiner.

Blaufränkisch Visionär: Thomas Kopfensteiner

Blaufränkisch Visionär: Thomas Kopfensteiner

Fünfzehn Hektar beschäftigt das Familienweingut, acht Hektar liegen am historisch bedeutenden Eisenberg, der direkt im Grenzgebiet zu Ungarn liegt. Paradelagen sind Szapary, Saybritz und Reihburg, unterschiedlich in der Höhe und Zusammensetzung der Böden. In beeindruckender Weise gelingt es Thomas, den unterschiedlichen Charakter der Lagen herauszuarbeiten und die zahlreichen Facetten der Leitsorte Blaufränkisch zu zeigen. Gemeinsam ist allen Weinen ein hohes Mass an Frische, Eleganz und Finesse – Attribute, die man leider (noch) immer noch zu wenig im zeitgenössischen Blaufränkisch sieht. Deutlich zu sehen ist die Entwicklung, welche die Kopfensteiner Weine in den letzten Jahren genommen haben. Weniger Holz, dafür mehr Spannung und Ausdruckskraft sind deutlich wahrnehmbar und gipfeln in der 2012er Kollektion, die künftig die Benchmark für Thomas sein wird. Gewinner des Lagentrios am Eisenberg ist in diesem Jahrgang für mich der Blaufränkisch Saybritz, der sich ohne Übertreibung zum absoluten internationalen Spitzensegment zählen darf.

Faszinierender Eisenberg

Faszinierender Eisenberg

Nebbiolo aus Sachsen

Sächsischer Barolo? Auch wenn er sich natürlich so nicht nennen darf – unter der Hand wird dieser Wein aus der Schwarz´schen Manufaktur so bezeichnet. Sicherlich einer der abgefahrensten Weine, die es derzeit in Sachsen gibt. Ein Wein, der Spannung, Struktur und Finesse besitzt – wie auch die anderen Weine aus der Hand von Grit und Martin Schwarz. Und ist sehr rar: nur 100 Flaschen gibt es vom Erstlingswein der Jahrgänge 2011 und 2012. Klar kommt schnell die Frage auf: Wer braucht das, macht es Sinn in Sachsen Nebbiolo anzubauen, wo doch heute jeder von regionaler Identität redet? Nun, man muss kaum fürchten, dass es jetzt ein Nebbiolo-Invasion in Meißen & Co zu Lasten alteingesessener Rebsorten geben wird. Auf der anderen Seite ist Sachsen mit seinem großen Rebsorten-Mix im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche sowieso Multi-Kulti. Und wir zeigen damit, das wir Sachsen doch ein weltoffenes Volk sind. Auch wenn Montags ein kleiner Teil die Welt vom Gegenteil überzeugen will…..

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor