Archiv für den Monat: April 2010

Priorat trifft Douro

Clos Mogador 2002, Priorat (Carinena, Garnacha, Cabernet Sauvignon, Syrah): “Kühle” Nase, Minerale, Asche, Brombeere, Tabak; fest strukturiert, straffe Tannine, besitzt erstaunliche Frische, auf den Punkt reife Frucht, perfekt eingebundener Alkohol (14,5 % Vol.), gute Länge, Entwickelt sich langsam, jetzt bis 2015. 17,5 P.

Quinta do Cotto, Grande Escolha 2001, Douro (Touriga Nacional, Tinta Roriz, Sousao, 14 Monate in neuer portugiesischer Eiche): Entwickeltes Rubin, viel Würze, Zedernholz, Tabak, getrocknete Früchte, fast schlank, muskolös, festes Tannin, moderater Alkohol (13 % Vol.), sehr gute Balance, von Würze und Reifearomen getragenes mittleres Finale. Einer der alten Klassiker des Douro-Tals – wesentlich bekömmlicher als viele neue Kollegen im Blockbuster-Style. Jetzt bis 2020. 17,0 P.

Parker proklamiert Bordeaux 2009 als historisch

Das Warten hat ein Ende: heute wurden die Bewertungen zum 09er Bordeaux veröffentlicht. Wie erwartet überschlägt sich Parker fast in Begeisterung, insbesondere für die Left Bank: “… 2009 may turn out to be the finest vintage I have tasted in 32 years of covering Bordeaux; …the peaks of quality in 2009 may turn out to be historic; … I believe the 2009 vintage is at its greatest in the Médoc and Graves.” Ingesamt 21 Weine hat er zumindest in den Vorhof des 100 Punkte-Olymp gehievt:

PARKER 2009 Quelle: erobertparker.com

Für rund 100 weitere Weine beschreibt er 2009 als den größten Jahrgang, der jemals produziert wurde, dabei so klangvolle Namen wie Clinet, Léoville-Poyferré, Cos d´Estournel, Haut-Bailly oder Smith Haut Lafitte. Was diese Begeisterung für die Primeurpreise bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Parker:” I´m very pessimistic that we´re going to see reasonable prices for the top-2009s.” Naja, ganz schuldlos ist er daran ja nicht.

Und der Einfluss Asiens auf die 09er Kampagne: “…it will change for the Asians with the 2009s. They are going to buy these wines. The only questions are: How much Bordeaux they will buy beyond the most prestigious firsth growths and super seconds?” Man kann die Frage auch anderes herum formulieren: Was wird für angestammte Märkte in Europa übrig bleiben? Der 2009er wird wohl auch hier einiges verschieben. Die nächsten Wochen bleiben spannend….

Bordeaux 2009

Schleppender Auftakt in der 09er Subskriptionskampagne. Diese Woche erschienen einige bekannte Châteaux wie Haut Marbuzet, Lanessan, Lilian Ladouys, Domaine de l´A, Clos Floridene sowie eine Reihe von Weinen von Durantou (L´Eglise Clinet). Fast alle Weine lagen zwischen 5-10% über den 05er Preisen. Ein genereller Trend? Wohl schon, auch die letzten Hoffenden werden sich von der Kombination “2009 und günstig einkaufen” verabschieden müssen. Fast sicher ist mittlerweile auch, dass Asien in der diesjährigen Kampagne an Gewicht zulegen wird. In einem Interview mit Drinks Business wird Nick Pegna, Managing Director von Berry Brothers & Rudd (BBR) in Hong Kong, zitiert: “Asia will be important for the ’09s, certainly.” Und Robert Parker? Seine Bewertungen sind immer noch nicht veröffentlicht. Ohne diese werden sich viele Schwergewichte unter den Châteaux wohl kaum aus der Deckung wagen. Ein schleppender Verlauf der Kampagne ist zu erwarten. Viele Händler meinen, das es erst richtig nach der VinExpo in Hongkong (25-27. Mai) losgehen wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt….

Moss Wood Cabernet Sauvignon 1999, Margaret River

Gegründet 1969, gehört Moss Wood zu den Pionieren des modernen Weinanbaus in Western Australia. Cabernet Sauvignon nimmt knapp die Hälfte des rd. 12 ha großen, nach Süd-Osten ausgerichteten Vineyards in der Nähe von Wilyabrup ein. Der Weinberg ist unbewässert, die Böden variieren zwischen sandig-rot-braunen Lehm sowie Kies. Der 99er Cabernet wurde am 31.03. gelesen und in offenen Gärbehältern bei max. 32°C vergoren, anschließender  Ausbau über 24 Monate in medium getoasteter französischer Eiche. Der Anteil neuer Barriques betrug 50 Prozent. Interessant ist, dass der 99er noch spontan vergoren wurde – nach 2000 wurden wieder Reinzuchthefen verwendet, da es faktisch keinen Qualitätsunterschied gab.

Entwickeltes mittleres Ziegelrot. “Warme” Nase, Maulbeeren, Süßkirschen, Tabak, Oliven, Toast, Würze, komplex. Zunächst füllig, weich, viel Frucht, später deutlich markantes, reifes Tannin. Gute Struktur, eingebundener Alkohol (14,5% Vol.), eleganter Stil, leicht adstringierendes mittleres Finale. Für einen ganz großen Wein etwas zu wenig Tiefe und Dichte, dafür aber balanciert und ausgewogen. Jetzt – 2020, 17,0 Punkte.

Erneut verkostet am 06.09.10 – bestätigt die Vorgaben vom April 17,o+.

Gembrook Hill, Yarra Valley

Boutique-Winery in der Nähe von Gembrook im kühlsten Teil des Yarra-Valley. Gegründet 1983 von June und Ian Marks – gehört heute zu den renomiertesten Adressen im Yarra Valley. Bewirtschaftet werden 5 ha (Jahresproduktion 2.500 cases); der Fokus liegt auf Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon und Pinot Noir. Die Weinberge sind unbewässert. Verantwortliche Winemaker sind Andrew Marks und der Deutsche Timo Mayer.

Blanc de Blancs 2004: Chardonnay, Traditionelle Methode, 4 Jahre Hefesatzlagerung. Feine Perlage. Komplex, Zitrus, kandierte Früchte, Brioche. Cremige Textur, eleganter Stil, gute Länge. Jetzt trinken, 17,0 P.

Sauvignon Blanc 2008: pure, Stachelbeere, Passionsfrucht, grüner Paprika; mittlerer Körper, 13% Vol., erfrischende, balancierte Säure, geradlinig und klar, animierende, saftige Frucht, von feinem Frucht-Säure-Spiel getragenes Finale, sehr stimmiger Wein. Jetzt – 2012, 16,5 P.

Chardonnay 2006: Cool climate nose, florale Nuancen, Apfel, feines, gut eingebundenes Holz, Toast, nussige Nuancen; cremig, mittlere Säure, Alk.  13% Vol., fast “schlanker” eleganter Wein, mittlere Länge, mittlere Länge, dezente Mandelnoten im Finale; jetzt – 2014, 17,0 P.

Gembrook Hill Winery

Andrew Marks (links) und Timo Mayer

Pinot Noir 2010 - ein großer Jahrgang steht bevor...