Archiv für den Monat: Juli 2010

Exoten

Heute zwei Weine aus nicht so alltäglichen Rebsorten. Zuerst Romorantin 07 aus der AC Cour-Cheverny (Loire) vom Pascal Bellier. Alte Rebsorte, im 16. Jh. zum ersten Mal erwähnt, vermutlich eine Kreuzung zwischen Pinot und Gouais Blanc. Stark im Rückgang, die Hektar-Angaben schwanken zwischen 10 – 90 ha. Liegt für mich aromatisch zwischen Chenin Blanc und einem Pinot Gris aus dem Alsace. Relativ saftige Frucht / frische eingebundene Säure / moderater Alkohol (12,0) / schlank / Säurespitze im Finale. Zweiter Wein: Saperavi “Binekhi” 05 von Vari+ aus Kakheti, Georgien. Spät reifende Sorte, aufgrund ihrer Frosthärte gut geeignet für kalte Gegenden. Mittleres Rubin / florale Noten / Brombeere / erdige Nuancen / mittlerer Körper / robustes Tannin / kräftige Säure / Alk. 12,0 / grippy / old style / dezenter Holztouch / adstringierendes mittleres Finale / nichts für weichgespülte Gaumen.

Penfolds, Block 42 Kalimna Cabernet Sauvignon 2004

Mitte der 1880-iger Jahre angelegt, gehört der Block 42 im Kalimna Vineyard, Barossa Valley zu den ältesten Weinbergen Australiens. Die Reben sind wurzelecht und unbewässert. Legendäre Weine stammen von hier, u.a. der 1948 Kalimna Cabernet, der 1953 Grange Cabernet und der erste BIN 707 in 1964. Der 2004er Block 42 wurde in Edelstahl und in 300 l Fässern aus amerikanische Eiche vergoren und reifte anschließend über 13 Monate. Konzentrierte Nase / Maulbeeren / schwarze Johannisbeeren / Anis / Zedernholz / komplex / voller Körper / seidige Textur / unglaublich feinkörniges Tannin / extraktreich / great elegance / fokusiert / lang / ein monumentaler Wein / bis 2040 / 19,0+ P.

Block 42 Cabernet 2004

Im Zeichen des Riesling

Ganz im Zeichen des Riesling stand eine Tour durch die Pfalz, Rheinhessen und den Rheingau gemeinsam mit Helmut Klingler, Gerhard Mayr, Journalist bei WeinPur (Österreich)  und Bernhard Kammerlander, Gastronom in Wörgl. Auftakt beim Traditionsgut Dr. Bürklin Wolf, Wachenheim. Zum Empfang eine Spätlese Ruppertsberger Hoheburg 1971: Kandierte Früchte / Marzipan / kraftvoll / am Gaumen viel Würze /  deutliche Säure / balanciert / vital / gute Länge / 16,5. Danach ein Querschnitt der Jahrgänge 08 und 09 sowie einige ältere Weine. Bürklin-Wolf stellte vor einigen Jahren auf biodynamischen Anbau um – die Ergebnisse der beiden letzten Jahrgänge bestätigen den Aufwärtstrend, der mit dieser Umstellung zusammenhängen könnte. Die Weine zeigen ausgeprägte Mineralität, zur Fülle und Intensität der früheren Jahrgänge paart sich jetzt mehr Präzision und Ausgewogenheit. Herausragend aus den 08er Großen Gewächsen der Pechstein G.C. – feste Struktur / extraktreich / mineralisch / salzig / Würze / lang / bis 2020 / 17,5. Auch die 09er Premier Crus überzeugen, z. Bsp. der Wachenheimer Gerümpel: gelbe Früchte / Pfirsich / kräftiges Rückgrat / präzise / kräftige, balancierte Säure / mittlere Länge / bis 2018 / 16,5+.

Tasting mit Steffen Brahner, Geschäftsführer Dr. Bürklin-Wolf

Zweiter Termin bei Hansjörg Rebholz, Siebeldingen. Seit Jahren eine sichere Bank für charaktervolle Weine, die in den letzten Jahrgängen noch kompromissloser und strukturierter ausgefallen sind und bewußt auch Ecken und Kanten haben dürfen. Nach einer ausführlichen Tour durch alle Lagen des Weingutes ein Überblick über den aktuellen Jahrgang 2009. Durchweg haben alle Weine überzeugt – vom Einstiegswein NatUrSprung bis hin zu den großen Gewächsen. Toll wie bei den Weinen der jeweilige Boden oder Lagencharakter herausgearbeitet wurde, z. Bsp. bei der Riesling “S” Range vom Buntsandstein, Muschelkalk und Rotliegenden. Am meisten polarisierte das Große Gewächs Riesling Ganz Horn – der radikalste Wein der gesamten Probe: sehr klare Nase / reife Frucht / stahlige Struktur / mineralisch / salzig / puristisch / lang / großes Potential / bis 2025 / 18,0+.

Querdenker und Visionär: Hansjörg Rebholz

Im Tasting Room von Rebholz

Nächster Termin mit VdP-Präsident Steffen Christmann in Gimmeldingen. Wie bei den beiden vorherigen Betrieben werden die Weinberge biodynamisch bewirtschaftet. Stilistisch in 09 eher elegant statt pure Power, dazu besitzen die besten Weine viel Tiefe und kristallklare Frucht. Mein Highlight an diesem Tag: der Riesling Königsbacher Ölberg von Löß/ Kalksteinböden. “Kühle” Nase / saftige Frucht / viel Schmelz / mineralisches Rückgrat / hervorragende Balance / gute Länge / fast schon ein Großes Gewächs / sehr guter Value-Wein / bis 2018 / 17,0+.

VdP-Präsident Steffen Christmann

Paradelage Königsbacher Idig

Letzter Pfalz-Termin bei Köhler-Rupprecht in Kallstadt. Eine der traditionellen Hochburgen in ganz Deutschland Wer Frucht, Schmelz und Seidigkeit sucht, ist hier fehl am Platz. Struktur, Struktur, Struktur – das ist der Stil der Weine. Eigenwillig, unberechenbar, in jungen Jahren schwer zu verstehen, fast abweisend. Hier ist Geduld angesagt – schwierig in unser Tempo-Epoche. Paradelage ist der Kallstädter Saumagen mit Kalksteinböden und Südlage. Nach einer Maischestandzeit von 12-18 h werden die Weine spontan im großen Holz vergoren – manchmal bis in den Sommer hinein. Wir probierten einen Querschnitt der Jahrgänge 06 bis 08. Grandios werden könnte die trockene Saumagen Auslese “R” 07: floral-kräutrige Aromatik / gelbe Früchte / kräftiger Körper / dicht / fest / viel Mineralität und Würze / extraktreich / fast schmerzhaft bei soviel Struktur / anhaltend / ab frühestens 2015 – 2030 / 17,0++.

Im Keller von Koehler-Rupprecht - hier ticken die Uhren noch anders...

Danach ging´s weiter nach Rheinhessen zu Wittmann mit der Gelegenheit zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit die gesamte 09er Palette zu verkosten. Der erste hervorragende Eindruck vom Juni wurde bestätigt und zum Teil übertroffen – erstaunlich, was 4 Wochen Reife ausmachen können. Wiederum grandios Kirchspiel Großes Gewächs, der für mich mit seiner präzisen und eleganten Struktur einer der Weine des 09er Jahrgangs ist (18,0).

Qualitätsfanatiker Philipp Wittmann

Sorgt für Glücksgefühle: Riesling Kirchspiel 09 von Wittmann

Abschluß der Tour im Rheingau bei Peter-Jakob Kühn. Ebenfalls sehr überzeugende 09er Weine – kristalline, fast durchscheinende Weine mit Substanz und animierender Frucht. Meine Favoriten Riesling Quarzit und Riesling Spätlese Lenchen: expressive Nase / Pfirsich / seidige Textur / schmelzig / viel Finesse / sinnlich / bis 2020 / 17,0.

Fazit unserer Tour: an anderen Dingen sparen und viele 09er Weine kaufen. Es lohnt sich – man kann schon – zumindest vorsichtig – von einem großen Jahrgang sprechen.

Making Memories

Nach einem wunderbaren Konzert mit Katharina Franck (ex Rainbirds) in Dresden zum Abschluß ein Glas Champagner “Collection Privée” Grand Cru von Alain Soutiran aus Ambonnay auf der Brühlschen Terrasse. Das ist Stoff, aus dem Träume sind: Expressive Nase / Vanille / süsses Gebäck / kandierte Früchte / cremig / balanciert auf den Punkt / feine Perlage / präzise / frisch / lang / 17,5 P. Dazu der grandiose Blick auf die Altstadt und mediterrane Temperaturen -  making memories…

Les Hauts de Forca-Réal 2008, Roussillon

Flagschiffwein der Domaine Forca-Réal in der Nähe von Millas. Die Weinberge erstrecken sich an den Hängen des gleichnamigen Berges mit einer ehemaligen Einsiedelei. Die Parzellen für den Les Hauts befinden sich auf 400 m Höhe mit Schieferböden. Im Blend überwiegend Syrah sowie etwas Mourvedre – der Ertrag beläuft sich auf 25 hl/ ha. Klassisches Winemaking mit Ausbau in Barriques über 24 Monate. Konzentrierte Nase / Schwarzkirsche / Olive / floral-kräutrige Noten / Würze / voller Körper / extraktreich / maskulin / kernig / besitzt Struktur / Alk. 14,5 % Vol. / saftige Frucht / noch in Balance / adstringierendes Finish / kann reifen / bis 2016 / 16,0 P.