Archiv für den Monat: August 2010

Bodegas Muga, Seleccion Especial 2004, Rioja

Dichtes leicht gereiftes Rubin / Intensive Nase / viel Würze / Tabaknoten / Schokolade / mittlerer Körper / robust / kräftiges Tannin / erfrischende Säure / gute Struktur / mittlere Länge / klassischer Rioja-Style, jedoch ohne Holz-Excess /gut, aber etwas zu zahm für eine Seleccion Especial / jetzt bis 2016 / 16,0+.

Wines of emotion

Winzerporträt im Restaurant LA VINOTHEQUE am 27.08.10: Jürgen von der Mark, Winzer und Master of Wine aus Baden, hatte sich angemeldet.  “Meine Weine sind meine Kinder” beschreibt Jürgen von der Mark das Entstehen seiner Weine als einen emotionalen Prozeß. Erziehen, Loslassen, Freude, Stolz, Enttäuschung, Ärger sind die Parameter seiner Weine – technische Details wie Säure, Alkohol und Extraktwerte treten dabei in den Hintergrund. Sicher, er beherrscht das Weinmachen aus dem FF und ist fast radikal in dem Bestreben, das Maxiumum aus seinen Weinbergen und Trauben herauszuholen. Aber ein ausschließlich technisch-analytischer Approach ist dem Gefühlsmenschen Jürgen von der Mark höchst suspekt und reduziert den Wein auf ein seelenloses Ding. Neben den Kulturweinen des Alltags aus der Von der Mark – Walter Linie gab es die zwei 08er Pinot´s  aus dem eigenen Weingut: Pinot Noir Village und Pinot Noir “Unto us a child was born”. Struktur statt Primärfrucht, innere Tiefe statt vordergründiger Glanz, Jugendstil statt Barock. Die Seelenverwandschaft mit Burgund konnte auch der präsentierte Wein aus einen Beratungsprojekt nicht leugnen: Grauburgunder RS trocken Schelinger Kirchberg  2008 vom Weingut Schätzle. Aus der höchsten Lage am Kaiserstuhl stammend, zeigte der Wein trotz Fülle feinnerviges Spiel, Zurückhaltung, Frische und salzige Mineralität – Benchmark für viele Badener Grauburgunder.

Fesselt und beschwört fast seine Zuhörer - Jürgen von der Mark MW

Riesling 2007

Der Jahrgang 2007 wurde seinerzeit als Spitzenjahrgang in Deutschland gefeiert – Grund genug, ihn nach knapp 3 Jahren mal wieder etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Zum Auftakt zwei Weine von Battenfeld-Spanier und Dönnhoff. Battenfeld-Spanier, Riesling Mölsheim trocken 2007, Rheinhessen: Mittleres Goldgelb / Entwickeltes Bouquet / Kandierte Früchte / würziger Touch /  guter Extrakt / cremig/ etwas breit / mittlere Länge / wirkt bereits sehr gereift / auf dem Höhepunkt / Flasche? / jetzt bis 2012 / 15,5.   Dönnhoff, Riesling Felsenberg trocken 2007, Nahe: Mittleres Strohgelb / sehr klare, reintönige Nase / leicht entwickelt / Citrus / Grapefruit / fast schlank / sehr frischer Eindruck / präzise / elegant / saftige Frucht / gute Länge / besitzt weiteres Potential / jetzt bis 2015 / 16,5+.

Zeitreise

Domaine de Chevalier 1986, Pessac-Léognan: Mittleres Goldgelb / Ausdrucksvolles komplexes Bouquet / Honigmelone / Akazie / cremige Noten / Marzipan / kandierte Früchte / relativ schlank / pure / elegant / präzise / frisches anhaltendes Finish / bis mind. 2015 / 18,0 P. 

Château Mouton-Rothschild 1966, Pauillac: Ziegelrot / Orangetöne am Rand / fokusierte Nase / sehr klar / reife Cabernet-Aromatik / Tabak / Zedernholz / “süße” Reifenoten / Mittlerer Körper / lebendig / frische Säure / feinkörniges Tannin / stilvoll / balanciert / gute Länge / perfekte Flasche / hält noch / 18,0+.

J. J. Prüm, Auslese Zeltinger Schlossberg 1966 / Mosel: Kräftiges Goldgelb / Intensive Nase / zunächst pilzige Noten, welche später in den Hintergrund treten / Crème Brûlée / Waldhonig / nur geringe Firn-Noten / gute Balance / kräftige Säure / wirkt etwas maskiert – Flasche ? / bleibt im Glas stabil / mittlere Länge / (16,0).

Zeiten-Trio

Sachsen meets Mosel 16.08.10

Gemeinsame Jahrgangspräsentation von Klaus Zimmerling und Clemens Busch in Dresden-Pillnitz. Erneut überzeugende Weine von Klaus Zimmerling im mengenmäßig katastrophalen Jahrgang 2009 – kein Müller-Thurgau, kein Traminer, Mikromengen von Weiß- und Grauburgunder. Ab dem 2009er Jahrgang verwendet Klaus Zimmerling als erster Winzer in Sachsen ausschließlich Schraubverschlüsse.  Riesling 09: zunächst verhalten / klare Frucht / weißer Pfirsich / vibrierend / saftig / dezente Restsüsse / elegant / mittlere Länge / jetzt – 2014 / 15,5.   Riesling “R” 09: noch verschlossen / reife Frucht / mittlerer Körper / balancierte Säure / zeigt am Gaumen viel Schmelz und Substanz / besitzt Potential / 2011 – 2017 / 16,5.   Riesling “A” 09: kühle Exotik / kristalline Frucht / balancierende Restsüsse / nochmal eine Stufe nachhaltiger und kraftvoller als der “R” / seidige Textur / elegant / gute Länge / 2011 – 2018 / 17,0.  Weißburgunder “A” 09: gelbe Frucht / verhalten / florale Noten / voller Körper / konzentriert / fast stoffig / Alk. 13,5 % Vol. / vom Alkohol getragener mittlerer Abgang / 2011 – 2014 / 15,0.  Grauburgunder “A” 09: unentwickelt / viel Würze / voller Körper / kraftvoll / fleshy / besser in Balance wie der WB “A” /  2011 – 2015 / 16,0+.  Spätburgunder Illusion (Blanc de Noir) 09: dezente rote Frucht / klar / mittlerer Körper / Alk. 13,5 % Vol. / saftige Frucht / extraktreich / sehr gute Balance / frisches Finish / jetzt bis 2014 / 16,0.

Clemens Busch präsentierte einen Querschnitt aus 08 und 09 – ein Großteil der 09er wird erst in den kommenden Wochen gefüllt. Stilistisch sind die Weine eigenwillig und tragen deutlich eine Handschrift: Struktur, Tiefe und Potential statt Vordergründigkeit und primäre Frucht. Die beiden 09er vom Grauen und Roten Schiefer zeigen, wieviel Zeit die Weine vom Clemens Busch brauchen: fast untrinkbar zum jetzigen Zeitpunkt, sperrig, unruhig, mit reduktiven und medizinalen Noten. Was ein Jahr Entwicklung ausmacht, demonstrieren die 08er Großen Gewächse: Marienberg GG 08: vollreife Frucht / florale Noten / pure / fest strukturiert / salzige Mineralität / kraftvoll / extraktreich / mittlere Länge / 2011 – 2017 / 16,5.  Marienberg “Rothenpfad” GG 08: reife Frucht / kräutrig – ätherische Noten / voller Körper / konzentriert / monolithisch / sehr gute Länge / 2011 – 2019 /17,0+.  Marienberg “Fahrlay” GG 08: zurückhaltend / flinty / Würze / florale Noten / moderate Restsüsse / kräftige Säure / feste Struktur / zeigt gute Balance und Länge / 2011 – 2017 / 16,5+.  Marienberg “Fahrlay” 07: exotische Touch / fruchtbetonter und mehr Restsüsse als 08, was etwas zu Lasten der Struktur und Präzision geht / wirkt etwas stumpf / Zeit geben ? / 15,5.  Marienberg Kabinett 09: mineralischer Touch / weisser Pfirsich / Apfel / schlank / saftig / sehr gute Restsüsse – Säure Balance / frisches Finish / klassisch Mosel / jetzt bis 2014 / 15,0.

Tasting in fast privater Atmosphäre im Weintempel von Klaus Zimmerling