Archiv für den Monat: September 2010

Querbeet am 29.09.10

Marcel Deiss, Schoffweg 1er Cru 2004, Alsace: Gemischter Satz / Reifes Goldgelb / brilliante Nase / facettenreich / zunächst Wiesenkräuter / dann gelbe Früchte / ätherische Nuancen / mineralisch-”kalkige” Noten / mittlerer Körper / dezente Restsüße / cremig-weiche Textur / dahinter kräftiges Rückgrat / tief / viel Frische / perfekte Balance / gute Länge / auf dem Höhepunkt / jetzt bis 2013 / 17,5.

Vincent Girardin, Corton-Charlemagne Grand Cru 1999: Mittleres Bernstein / nach 1 h im Dekanter voll entwickelte Nase / Karamell / kandierte Früchte / Sahnebonbon / voller Körper / fest strukturiert / stahlige Säure / Alk. 13,5 % V. / dicht / mittlere Länge / gut, aber nicht groß / jetzt bis 2014 / 16,5+.

Domaine Jean Louis Trapet, Chambertin Grand Cru 1993: Tiefes, leicht gereiftes Rubin / Chamäleon-Wein / zunächst mineralisch-kühle Nase / sehr fokusiert / später reife Frucht / Würze / dann Trüffel, Waldboden, getrocknete Früchte / komplex / kräftige Struktur / kerniges und trotzdem feines Tannin / messerscharfe Präzision / lang / weiteres Potential / bis 2022 / Burgund in Bestform / 18,5. 

Jaboulet-Ainé, La Chapelle 1996, Hermitage: Dichtes pflaumiges Rot / konzentrierte Nase / Backpflaume / Brombeeren / Lakritze / erdige Töne / kompakt / dicht / explosiv / kompromißlos / gute Länge / bis 2020 / 17,5+.

Graham´s, Vintage Port 1977:  Reifes Rubin / pure Mineralität / Asche / Tabak / mittlerer Körper / gute Präzision / besitzt Tiefe / ein Wein, der jegliche maskierende Frucht abgelegt hat und sein Innerstes nach außen zeigt / mittlere Länge / hält sich noch / bis 2015 / gefällt mir sehr gut / 17,5.

La Rioja Alta

Gehört zu den Klassikern und Traditionalisten in der Rioja – die Weine gleichen Dinosaurier in unserer heutigen Weinwelt. Seit meinem letzten Trip in die Rioja vor zwei Jahren liefen mir die Weine von La Rioja Alta selten über den Weg – Grund genug, sich wieder mal etwas näher mit den Weinen zu beschäftigen.  Vina Arana Reserva: Fast 100% Tempranillo und etwas Graciano aus eigenen Weinbergen in Labastida und Rodezuo (Region Rioja Alta). Vergärung in Edelstahl und anschließende Reife in 100jährigen großen Holz. Danach weiterer Ausbau für 3 Jahre in amerikanischen Barricas (seit 2002 werden alle Barricas wieder selbst in der Bodega gefertigt).  1988 (kleine Flasche) vollständig oxidiert  1989 Helles Ziegelbraun / subtile Nase / Vanille / süße Würze / getrocknete Früchte / im Mund fast schlank / erfrischende Säure / süße Altersnoten / nur 12,5 % Vol. / noch gute Balance / mittlere Länge / peak / max. noch 2-3 Jahre / 16,5-.  Vina Alberdi Reserva 1995: Großes Jahr in der Rioja. Die Frucht stammt aus Brinas, Labastida und Haro, neben Tempranillo etwas Garnacha im Blend. Vergärung bei 30°C in Edelstahl, anschließender Ausbau in großem Holz und neuen Barricas für rd. 2 Jahre. Bottling im Januar 1998. Mittleres Ziegelrot mit orangen Rändern / Mittlere Intensität / komplex / <süsse> Frucht / warme Noten / Gewürzbasar / Kokos / mittlerer Körper / weich / gute Substanz / ausgewogen / schöne Länge / jetzt bis 2016 / 17,0.

La Rioja Alta

Bordeaux 1996

Grandiose Weinprobe im Schachtnerhof in Wörgl am letzten Wochenende – organisiert von Weinakademiker Gerhard Mayr.  1996 gilt als einer der besten Bordeaux-Jahrgänge in den 90er Jahren – insbesondere auf der linken Seite. Das bestätigte sich dann auch am Samstag – allerdings gab es neben einigen Knüllern auch einige Enttäuschungen. Pauillac und St-Julien hatten als Appellationen die Nase vorn, wobei  aus Pessac-Léognan außer Haut-Brion nichts probiert wurde.  Mit steigendem Cabernet Sauvignon-Anteil nahm in den meisten Fällen die Klasse zu. Die präsentierten Weine der Right Bank (Saint-Emilion, Pomerol) zeigten sich größtenteils schon sehr gereift und haben bis auf Ausnahmen wohl ein deutlich kürzeres Zeitfenster als ihre Kollegen von der Left Bank.

Alle Weine wurden gegen 11.00 Uhr dekantiert, für einen ersten Eindruck probiert und anschließend in die Flasche zurückgefüllt. Die Probe fand von 14.00 – 21.00 Uhr statt.

1. St-Emilion

Angelus Sattes tiefes Granatrot / intensive Nase / süße vollreife Frucht / Rote Früchte / Amarena / voller Körper / rund / weiche Textur / extraktreich/ fleischig / mittlere Länge / moderner Style / hat noch Potential / bis 2020 / 17,5 P.

Cheval Blanc Mittleres entwickeltes Rubin / ziegelroter Rand / verhaltene Nase / kräutrig-würzige Aromatik / fleischige Noten / schlank / fest / hohe Säure / voll ausgereift / mittlere Länge / bis 2018 / 17,0 P.

Tertre Roteboeuf Mittleres entwickeltes Rubin / warme Noten / sehr reife Frucht / etwas Rancio-Aromatik / Rumtopf / voller Körper / opulent / rustikal / wenig Finesse / baut im Glas schnell ab / peak / jetzt trinken / 15,5.

2. Pomerol

Clinet Entwickeltes pflaumiges Rot / Brot / fleischig / Leder / mittlerer Körper / fest /  zeigt Konzentration / sehr weit entwickelt – baut im Glas schnell ab – Flasche ?/ bis 2012 / 16,0 P.

Gazin Leicht entwickeltes tiefes Rubin / konzentrierte Nase / reife Frucht / dunkle Früchte / Tabak / sehr gute Struktur / saftige Frucht / kräftiges Tannin / gute Länge / bis 2020 / 17,0 P.

Trotanoy Mittleres entwickeltes Granatrot / orientalischer Gewürzbasar / Tabak / Mittlerer Körper / soft / rund / entwickelt / hoher Alkohol 13,5 % V. / zuwenig Länge und Konzentration / jetzt bis 2015 / 16,5.

3. St-Julien

Leoville Barton Entwickeltes Rubin / dumpf / rustikal / sperrig / schlechte Flasche /  o.B.

Leoville las Cases Kaum entwickeltes tiefes Rubin / verschlossen / konzentrierte Frucht / Cassis / viel Stoff / großartige Struktur / feines elegantes Tannin / kaum entwickelt / sehr lang / 2015 – 2035 / 19+.

Leoville Poyferré Leicht entwickeltes Rubin / konzentriertes Nase / Tabak / mineralische Touch / Dunkle Früchte / Mittlerer Körper / fest / kerniges Tannin / gute Struktur / leicht alkoholisches Finale / weiteres Potential / bis 2030 / 17,5 P+.

Talbot Leicht entwickeltes Rubin / etwas dumpfe, speckige Nase / darunter „süße“ Fruchtnuancen / relativ schlank / weiche Textur / zu wenig Tiefe und Konzentration / mittlere Länge / – 2020 / 16,5 P.

Gruaud-Larose Kräftiges leicht entwickeltes Rubin / viel Würze / Leder / Wildnoten/ fest strukturiert / maskuliner Style / rustikal im positiven Sinne / mittlere Länge / bis 2020 /  17,0 P.

4. Margaux / St-Estèphe

Palmer Mittleres Pflaumiges Rot / intensive Nase / reife „süße“ Frucht / Johannisbeere / am Gaumen üppig / weich / ausgewogen / ausgereift / jetzt bis 2020 / 17,5 P.

Rauzan-Segla Tiefes Rubin /  Würze / Bitterschokolade / mineralische Noten / stämmig / festes Tannin / gute Frische / mittlere Länge / solider Wein / bis 2022 / 17,0.

Calon Segur Mittleres Rubin / pure / Tabak / Süßholz / blättrige  Noten / Mittlerer Körper / frische Säure / zeigt gewisse Eleganz / ausgewogen / gute Konzentration und Länge / mineralisches Finale / bis 2025 / 17,0+.

Montrose /Magnum) Tiefes, leicht entwickeltes Rubin / viel Würze / geröstete Kaffeebohnen/ Tabak / straffes Tannin / kernig / robust / reife, saftige Frucht / gute Konzentration / mittlere Länge / bis 2025 / 17,0 P.

Cos d´Estournel Muffton (Kork) / feste Struktur / kernig /etwas chemisch /seifig / o.B.

5. Pauillac

Pontet Canet Reife Frucht / Flüchtige Säure / pilzige Noten am Gaumen / unruhig / o.B.

Grand Puy Lacoste Kaum entwickelte tiefe Farbe / konzentrierte Frucht / üppig / Cassis / Amarena / Zedernholz / am Gaumen konzentrier/ geschliffene Tannine / großartig Struktur / lang  / jetzt bis 2030 / 18,5.

Duhart Milon-Rotschild Entwickeltes Rubin / „strenge“ Nase / Würze / Graphit / Liebstöckl / fest strukturiert / maskulin / fokusierter geradliniger Wein / frisches Finale / bis 2020 / 17,0.

Pichon Baron Zurückhaltende Nase / Leder / Würze / Tabak/ Zedernholz / kraftvoller Körper / tanninreich / klassischer Pauillac / gute Länge / bis 2025 / 17,5 P.

Pichon Comtesse Kräftiges Rubin / vollreife Frucht / Kompottnoten / Amarena / voller Körper / üppige Textur / Alkohol 13,0 % V. / sehr gute Balance und Länge / Potential / 2012 – 2025 / 18,0.

6. Premier Cru´s

Haut-Brion Leicht entwickeltes Rubin / entwickelte Nase / sehr pur / Zigarrenkiste / Würze / reife Cassis / ausdrucksstark / elegant / hervorragende Struktur / geschliffen / lang / bis 2030 / 18,5+.

Mouton-Rothschild Dichtes kaum gereiftes Rubin / unentwickelt / „süße“ vollreife Frucht / Amarena / üppig / stoffig / dicht / feines Tannin / Power-Wein / braucht Zeit / 2015 – 2035 / 18,0+ P.

Margaux Kräftiges leicht entwickeltes Rubin / etwas diffuse Nase / Rote Früchte / floraler Touch / Mittlerer Körper / hat alles und wirkt trotzdem zerfahren / fehlende Präzision / braucht möglichweise noch Zeit ? / 2015 – 2025 / 17,0.

Lafite-Rothschild Dichtes Rubin / kaum entwickelte Nase / konzentrierte Frucht / Cassis / auf den Punkt reif / dicht / feinkörniges Tannin / perfekte Struktur / sehr lang / Riesiges Potential / 2020 – 2040 / 19,5 P.

Latour Mittleres Rubin / zunächst zurückhaltend / pure / Graphit / Trüffel / Tabak / mittlerer Körper / zeigt viel Frische / sehr gute Balance / legt später am Gaumen deutlich zu / viel Finesse / aristokratischer Wein / Klassiker / bis 2035 / 19,0 P.

Grandiose 96er

Vertikale Château Beaucastel, Châteauneuf du Pape

Château Beaucastel gehört zu den Weinmonumenten in Frankreich. Die Geschichte des Weingutes geht bis Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Letzten Samstag gab es die rare Gelegenheit rd. 20 Jahrgänge des Château zurück bis 1982 zu probieren. Eingeladen hatten Carolin und Hans-Oliver Spanier (Weingüter Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot in Rheinhessen), präsentiert wurden die Weine von Matthieu Perrin, dessen Familie Anfang des 20. Jahrhunderts das Weingut übernahm.

Zu Beginn zwei weiße Beaucastel, die überwiegend aus Roussanne (rd. 60 Jahre alte Rebstöcke) und Grenache blanc bestehen. 2005 zeigte sich sich sehr zugeknöpft, mit Aromen von Cox Orange, milder Säure und mittlerer Länge. Braucht möglicherweise noch Zeit, jetzt 15,0 P.  2003 lief dagegen zur Hochform auf. Beeindruckende Nase mit cremigen, nussigen und kandierten Noten und viel Oppulenz und Konzentration am Gaumen, 16,5+. Sicher nicht jedermanns Geschmack – mein Nachbar Arno Steguweit vom zwei Sterne Restaurant Söl´ring Hof auf Sylt meinte, dass dies ein sehr universeller Wein zum Essen ist und man damit echt überraschen kann. Danach ging es mit den roten Beaucastel weiter. 2008 – ein kühles Jahr an der Rhône – zeigte die Charakteristik des Jahrgang mit floralen Nuancen, mittlerem Körper und frischer Säure, 16,0. 2007 – ein hochgehandelter Jahrgang in Châteauneuf du Pape – zeigte dichte Farbe, viel Frucht und Würze, straffes Tannin, Konzentration und gute Länge. Riesen Potential, für die Nase 18,5 – gesamt 17,5+. 2006 – ein Hitzejahr – Mourvedre schwingt das Zepter in diesem Wein. In der Nase zurückhaltend, im Mund viel Struktur, Dichte, Würze und Fleischigkeit. Hält wohl fast ewig, 18,0. 2005 mit ersten Reifeanzeichen, Trüffel, Würze, ebenfalls viel Konzentration, aber nicht die Präzision des 06ers, 17,0. 2004 mit sehr aromatischer Nase, Schokolade, süße Würze, saftiger Frucht, etwas vordergründig und wenig Länge 16,0. 2001 einer meiner Favoriten – mineralische Noten, Würze, Leder, Schokolade. Balanciert, viel Frische, gutes Potential, 18,0+. 1998 nur knapp dahinter – ätherische Noten, pure, festes Tannin, präzise, viel Länge, Potential für weitere 15-20 Jahre, 18,0. 1995 sehr kontrovers diskutiert -leichte Oxydationsnoten, Pilze, erdige Nuancen, Würze, Rumtopf, fast schlank, mittlere Länge. Fand ich nicht so schlecht wie andere am Tisch, aber auch nicht groß, 16,5. 1990 – zuletzt im März probiert, gefiel mir da sehr gut, 18,0 – präsentierte sich dumpf und medizinal. Hatte wohl schleichenden Kork, ohne Bewertung. Ähnlich 1989, schon mit süßer Frucht, aber auch chemischen Noten, ohne Bewertung. 1988 zeigte eine sehr burgundische Stilistik, animalische Noten, floral, mittlere Länge, 16,5+. 1986 hatte trotz fortgeschrittener Reife immer noch viel Lebendigkeit. Feine mineralische Nase, gute Balance, Frische. Parker gefiel der Wein überhaupt nicht, für mich 17,0. 1983 mit viel Tabak- und medizinalen Noten, fest strukturiert, noch in Balance, 16,5. 1982 schon etwas überreif, Rancio-Noten, relativ kurz, 15,5.

Zum Schluß zwei Jahrgänge der Super-Cuvée “Hommage à Jacques Perrin”, welche erstmalig 1989 produziert wurde. 2007 zeigte deutlich die Klasse des Jahrgangs, wenn auch deutlich zu jung: unheimlich satte, aber auf den Punkt reife Frucht, voller Körper, feinkörnige Tannine, darüber eine weiche Textur, sehr lang, sicher ein 19,5+ Anwärter, aber 10 Jahre sollte man schon warten. 2000 – die Schlußoffensive im wahrsten Sinne des Wortes: Beeindruckende Nase, sehr wilde Aromatik, Lakritze, Kräuteraromatik, kein Schmeichler und nichts für schwache Nerven – aber wer auf Dramatik,  Expressionismus und Punk steht – für den ist dieser Wein eine Offenbarung, Potential für weitere 30 Jahre, 19,0.

Zeugen eines grandiosen Tastings

Matthieu Perrin, Château de Beaucastel (Mitte)

Nicolas Perrin, Château Beaucastel auf youtube

Adler-Weine

Gestern fand die erste Präsentation der Großen Gewächse des Jahrgangs 2008/ 09 (Weiß 2009, Rot 2008) der Winzer des VdP in Berlin statt – die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des VdP bildeten dabei einen stimmungsvollen Rahmen und lockten eine Menge Prominenz an, wie Hugh Johnson oder Jancis Robinson.  140 Winzer mit rd. 300 Weinen waren am Start – zuviel für vier Stunden Tasting. Aus diesem Grund ließ ich einige Regionen, die ich im Frühjahr/ Sommer diesen Jahres besucht hatte, fast völlig links liegen, konzentrierte mich auf die anderen Gebiete und auf Riesling. Einige Fazits vorweg: 1. Die Großen Gewächse (weingesetzlich nicht geregelt) sollen nach den Richtlinien des VdP die Spitzenweine Deutschland abbilden – wie in den Vorjahren gab es auch gestern eine Menge Weine, die diesem Anspruch nicht gerecht wurden und nur Durchschnitt waren. Zahlenmäßig legten die Großen Gewächse gegenüber dem Vorjahr erneut zu, aber nur ein “GG” auf dem Frontlabel abzudrucken, langt eben nicht aus.   2. Ist 2009 ein Spitzenjahrgang – ja oder nein?  Teilweise kontroverse Diskussionen in den letzten Wochen und Monaten, dazu der Vergleich zu 2008.  Im letzten Jahr wurde bei der GG-Verkostung der 08er von vielen als zu mager und säurebetont kritisiert. Kaum hat man einen Jahrgang mit mehr Frucht und Stoff, schlägt das Pendel zurück. Etwas schräg, oder?  Sicherlich Ansichtssache und persönliche Vorliebe, ob ob man eher den schlankeren Jahrgang 2008 oder den fülligeren, kurvenreichen Jahrgang 2009 präferiert. Ich probierte eine Menge Traumweine in 2009 und das rechtfertigt es für mich, von einem sehr guten oder Spitzenjahr zu sprechen – dass es auch Weine am unteren Ende der Qualitätsskala gibt, liegt in der Natur der Dinge, da ja neben einem perfekten Reife- und Witterungsverlauf auch der Winzer, sein Anspruch und sein Können dazu gehört.  3. Restzucker – auch in 2009 wieder ein Thema. Eine Überarbeitung der Kriterien des VdP, nur “gesetzlich trockene” Weine als Grosse Gewächse zu definieren ist sicherlich überdenkenswert. Einige Weine an der Mosel hungerten sich geradezu in das Grosse Gewächse Regularium, obwohl ihnen ein paar Gramm Restsüsse besser zu Gesicht gestanden hätten. Selbe Problematik im Rheingau, wo zu viele Weine nur durch hohen Alkohol und Stoffigkeit glänzten – von Balance im Wein weit und breit keine Spur. Kurioserweise war dann auch einer der “Weine des Tages” ein Wein, der deutlich Restzucker hatte und offiziell gar kein Grosses Gewächs ist: der Uhlen “Blaufüsser Lay” von Heymann-LöwensteinMosel: Neben der o.g. Problematik eine Reihe von guten und sehr guten Weinen, u.a. von Dr. Loosen, Karthäuserhof, Grans-Fassian und Fritz Haag. Van Volxem zeigte ebenfalls eine geschlossene Leistung und perfekt gearbeitete Weine, auch wenn für mich der Lagencharakter unter dieser Perfektion litt. Sehr gut Heymann-Löwenstein mit dem bereits erwähnten Uhlen Blaufüsser Lay Riesling: kristallin / mineralisch / präzise / perfekte Balance / ellenlang, unheimlich frisch und geschliffene Frucht / 18,0+. Wie erwähnt, sind alle Weine von Heymann-Löwenstein keine Grossen Gewächse im Sinne der VdP-Klassifikation.  Rheingau: Hinter anderen Regionen wie Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen. Wirkliche Spitzen fehlten genauso wie Peter-Jakob Kühn, Breuer und Leitz. Nahe: Einmal mehr absolut top das Dreigestirn Dönnhoff, Emrich-Schönleber, Schäfer-Fröhlich. Letzterer hatte diesmal die Nase vorn. Bärenstarke Kollektion, mustergültig gebaute Weine, fast monumental Felseneck und Halenberg. Etwas entäuschend das als Aufsteiger gehandelte Gut Hermannsberg mit noch von Schwefel geprägten und etwas harschen und unbalancierten Weinen.  Pfalz: Viele hervorragende Weine – Reichsrat von Buhl, Rebholz (Ganz Horn), Christmann (Idig und Mandelgarten). Etwas dahinter Bassermann-Jordan und Siegrist. Entäuschend Dr. WehrheimRheinhessen: Viel im Sommer probiert, wenig gestern. Einmal mehr bestätigt Kirchspiel von Wittmann – grandioser, facettenreicher und tiefgründiger Wein. Franken: Wenig probiert, daher nicht repräsentativ. Überzeugend Riesling Centgrafenberg von Rudolf Fürst. Sachsen: Ein großes Gewächs – Weißburgunder Schloss Proschwitz – gut, aber GG?  Baden, Würtemberg, Mittelrhein und mehr zu Franken folgen dann zur zweiten Runde Ende September auf Kloster Eberbach.