Archiv für den Monat: Oktober 2010

Winzerporträt mit Bodegas Muga, 29.10.10

Zur Veranstaltung “Das Winzerporträt” mit Bodegas Muga, Rioja gestern Abend im Restaurant LA VINOTHEQUE war Jesus Viguera (Exportdirektor) zu Gast. Locker und ohne fachliche Überfrachtung stellte er vor rund 40 Gästen die Philosophie der Familie Muga sowie einen repräsentativen Querschnitt der Weine vor. Höhepunkt war zweifellos ein der Vergleich der Jahrgänge 2001 und 1985 des Prado Enea Gran Reserva. Der 85er erinnerte an die Dinosaurier-Epoche in der Rioja – nur wenige Weine in dieser Stilistik sind heute noch zu finden: Helle Farbe / pikante Aromatik / frische Säure / mittelgewichtig / Alk. 12,5 % / trotz deutlicher Reife noch erstaunlich lebendig / mittlere Länge. Deutlich wuchtiger und mit mehr Frucht der 01er Prado Enea – die Mehrheit der Gäste favoritisierte diesen Wein und machte deutlich, warum Weine wie der 85er am Aussterben sind. Insgesamt ein sehr gelungener Abend mit überzeugenden Weinen – nächsten Freitag gibt es dann an gleicher Stelle WEIN & ZEIT mit Bordeaux´s aus den 80er Jahren.

Seminar Gewürz & Wein 23.10.10

Ausverkauft war das letzte Gewürz & Wein Seminar am letzten Samstag im Restaurant LA VINOTHEQUE. Nach einer ca. einstündigen Einstimmung mit etwas Theorie und viel probieren rund um Salze, Pfeffer und Gewürzmischungen gab es ein spannendes Gewürz-Menü mit Wein.

1. Gang: Tatar vom Limousin-Rind mit Onsen-Ei und Steckrübe, aromatischer Leader war in diesem Gang der Tasmanische Bergpfeffer. Spannende, “nicht ganz echte” Pfefferart: zu Beginn süßer Auftakt, Beeren-Aromatik, etwas überraschend kommt die später einsetzende Schärfe. Dazu gab es einen fruchtbetonten Rioja – den SELA 2008 von Bodegas RODA. Gute Kombi, der Wein wurde durch das Essen aufgewertet und gewann an deutlich an Profil.

2. Gang: Wildlachs mit Satsuma, Macadamia-Nuß und Purple Curry von Ingo Holland. Das Purple Curry gab klar die Richtung für den Wein vor – wir entschieden und nach einigem Probieren für den Bourgogne Vieilles Vignes 2008 von Perrot-Minot. Die geschliffene Frucht und feine Textur harmonierte gut mit dem Gang, problematisch waren nur die Macadamia-Nuß, die das feine, eingebundene Holz im Wein in den Vordergrund schob.

3. Gang: Rosa Rehrücken mit Valrhona, Selleriepüree und Trompetenpilzen – das Gericht stand unter der Überschrift des Wildgewürzes aus dem Hause Holland. Ein harmonische, von dunklen Aromen geprägte Mischung, die sich perfekt mit den anderen Komponenten verband. Zwei reifere Weine wurden zu diesem Gang probiert: Shiraz 2003 von Cape Mentelle, Margaret River und die Cuvée Emilie 2000 der Domaines des Remizieres, Hermitage. Letzter hatte im Vergleich die Nase vorn, gewann mit dem Essen noch an zusätzlicher Tiefe sowie an Frucht. Bilderbuch-Hermitage.

4. Gang: Ziegenfrischkäse-Waffel mit Rote Bete Gelee, Quitte und Hibiskusblütensalz. Spannende Kombination, auch wenn die Rote Bete nicht jedermanns Geschmack war. Passender Abschluß zum Dessert ein Wein von der Loire: Château Pierre Bise 2006, Côteaux de Layon. Der Wein griff hervorragend den Schmelz vom Ziegenfrischkäse auf und verlieh mit seiner aromatischem Komplexität dem Dessert eine zusätzliche Dimension. Das Hibiskusblütensalz sorgte für Frische im Dessert und steigerte zusätzlich die Intensität des Weines.

Das nächste Gewürz & Wein Seminar mit Menü gibt´s dann im Februar 2011.

Peter-Jakob Kühn, Riesling Kühn “R” 2006

Polarisierender Wein / zum Teil auf der Maische vergoren / Spontanvergärung / langer Ausbau im großen Holz / Mittleres Goldgelb / zunächst sehr rauchige – mineralisch – würzige Nase / später balsamische Noten, Bitterorange / komplex / kompakt / viel Schmelz, Fülle und Grip / Alk. 13,0 / erfrische Säure / langes, mineralisches Finale / nichts für Fruchtbomben-Trinker / jetzt bis 2014 / 16,5+.

Castell Miquel, Mallorca

Szenenwechsel – nach Porto ein kurzer Trip zu Castell Miquel, Mallorca. Auch hier geht die Lese dem Ende entgegen – gestern wurde Cabernet Sauvignon gelesen. Ein anspruchsvolles Jahr auf Mallorca – um Top-Qualitäten zu erreichen, musste extrem selektiert werden. Beim Cabernet fielen rd. 50% der Selektion zum Opfer. Dafür kann sich Ergebnis sehen lassen – Thomas Wambsganss, Betriebsleiter und Winemaker bei Castell Miquel zeigte sich dann auch optimistisch.

Kleine Verkostungssession dann noch im Barriquekeller – auch der 09er entwickelt sich vielversprechend. Thomas experimentiert jedes Jahr mit verschiedenen Faßherstellern und Herkünften – zum ersten Mal probierte er eine Barrique, welche gemischt aus französischer und amerikanischer Eiche besteht – für sensationelle 290 € !!!

Douro-Trip Oktober 2010

Fast schon Tradition während der Lesezeit für ein paar Tage in´s Douro Valley abzutauchen. Ziele des diesjährigen Trips waren Quinta do Crasto, Quinta dos Malvedos (Symington Family) und wie im letzten Jahr Fonseca´s Flaggschiff Quinta do Panascal. Nach zwei Monaten Hitze war es relativ kühl – Regen am Sonntag erbrachte eine unfreiwillige Pause für die meisten Quintas.  Insgesamt aber überall zufriedene Gesichter – 2010 könnte als sehr gutes Jahr in die Geschichte eingehen und auch für Vintage Port deklariert werden. Dazu ein kurzer Kommentar von Nelson Cabral, Winemaker von Quinta do Panascal:

Quinta do Panascal gehört zu den wenigen Betrieben, wo noch das traditionelle Foot treating praktiziert wird. Nelson sagte uns im Gespräch, dass es allerdings auch auf Panascal immer schwieriger wird, Leute dafür zu gewinnen. Wir machten zwei Stunden mit – eine tolle Erfahrung für uns. In diesem Jahr wurden alle Rebsorten gemeinsam eingemaischt und vergoren statt – wie sonst üblich – getrennt zu vinifizieren und zu einem späteren Zeitpunkt zu verschneiden. Nelson will dadurch eine noch bessere Balance und Ausgewogenheit erreichen.

Grandiose Kulisse und grandiose Weine bei Quinta do Crasto. Seit rund 15 Jahren eine der ersten Adressen für Rotwein im Douro.

Zum Lunch präsentierte Tomas Roquette einen Querschnitt der gesamten Palette, darunter der erste produzierte Jahrgang 1994 des Reserva Old Vines. Rückgrat dieses Weines sind bis zu einhundertjährige Terrassen, welche im gemischten Satz bestockt sind. Der 94er zeigte immer noch viel Lebendigkeit, eine beeindruckende komplexe Nase sowie Eleganz und Länge (17,0). Grund zum Feiern gab es dann auch noch – zum ersten Mal wurde bei Quinta do Crasto die Schallmauer von 1 Mio kg Lesegut durchbrochen.

Auch auf Quinta dos Malvedos – dem Kronjuwel von Graham`s – näherte sich die Lese dem Ende. Bei unserem Eintreffen wurde gerade Touriga Nacional gelesen. Im Gegensatz zu Fonseca setzt die Symington Family seit rd. 10 Jahren überwiegend auf Mechanical treating in eigens entwickelten Robotic Lagares aus Edelstahl. Rd. 60 dieser Systeme sind auf den verschiedenen Symington-Quintas im Einsatz. Henry Shotton – Winemaker auf Quinta dos Malvedos – sagte uns, dass dieses System mindestens gleichwertig zum traditionellen Foot treating ist. Dazu gibt es Vorteile bei der Temperatursteuerung sowie beim Entleeren und Reinigen. Klar, romantisch sieht es nicht aus – aber die Ergebnisse sind überzeugend.

Tipp zum Übernachten ist übrigens Quinta Cimeira in Valenca do Douro, rd. 10 min von Pinhao entfernt. Romantische Gemäuer, super sympathische Gastgeber, traditionelles Essen (Maria schwingt das Zepter in der Küche), familiäre Atmosphäre.