Archiv für den Monat: Januar 2011

California Wine Tour – 30.01.11

Start des Master of Wine Seminars in Yountville, Napa Valley. Pünktlich 8.00 Uhr stehen 12 Weißweine im Blindtasting bereit. Schwierige Aufgabe, nachdem ich mir eine Erkältung eingefangen habe und nur mit halber Kraft laufe. Danach Workshops zu Weinproduktion, Global Warming, Weinmarketing. Zum Schluß ein tolles Australien-Seminar mit Michael Hill Smith MW. Dazu super Weine – langsam erholt sich auch meine Nase wieder. Schlußpunkt der 2003er Grange von Penfolds - wirklich in allen Belangen ein überzeugender Wein: Komplex / Reife Pflaumen / Schokolade / Maulbeeren / ätherische Noten / tolle Präzision und Struktur / fast schlanker, sehr eleganter Grange / überlegter Holzeinsatz / lang / Potential bis 2035 / 19,0 P.

California Wine Tour – 28.01.11

Mit Randall Grahm (Bonny Doon Vineyards) trafen wir am 4. Tag unserer Tour eine weitere charismatische Figur des kalifornischen Weinbaus. Bonny Doon ist nicht nur einfach eine Winery – spätestens wenn man im Keller und angrenzenden Cellar Door mit Café steht, die Atmosphäre auf sich wirken lässt und die ersten Worte mit Randall wechselt wird einem klar: Bonny Doon ist ein Gesamtkunstwerk – die vinophile Pop-Art ist hier zu Hause. An verrückten Ideen ist Randall kaum zu überbieten und lässt sich dabei auch von Mißerfolgen nicht abhalten – errinnert sei nur an seinen Versuch, durch eingelegte Steine im Wein Mineralität zu erzeugen. Dabei geht es Randall vorallem um eines: unverwechselbare, nicht kopierbare und identische Weine. Biodynamie ist nur eine Facette im Bestreben, dieses Ziel zu erreichen. Neueste Idee auf diesem Weg ist die Neuanlage eines Weinberges mit Keimlingen aus Kernen eigener Rebstöcke. Das Terroir soll über die Rebsorte dominieren – allwärtige Begriffe wie Klonenauswahl und Unterlagsreben rücken dabei ins Abseits. Im April ist es soweit – ich bin gespannt, was daraus wird.

California Wine Tour – 27.01.11

Besuche bei John Alban – Rhône-Ranger im Edna Valley – und dem kalifornischen Beaucastel-Ableger Tablas Creek in Paso Robles.

John Alban war einer der ersten, die im relativ kühlen Edna-Valley, unweit des Städtchens San Luis Obispo Rhône-Sorten wie Grenache, Syrah, Mourvedre und Viognier anpflanzten. Die Weinberge werden nach organischen Prinzipien bewirtschaftet; rd. 300 Schafe halten die Begrünung in den Weinbergen in Schach. Positiver Nebeneffekt ist, dass seitdem die Probleme mit Insekten deutlich zurück gegangen sind. Ohne jeglichen Schnickschnack kommt die Winery aus – alles ist ganz auf Funktionalität ausgelegt. Vegoren wird in kleinen nach oben offenen Gärbehältern mit rd. 550 l Fassungsvermögen. Anschließend reifen die Rotweine bis zu 25 Monaten in Barriques, davon 12 Monate auf der Hefe. Die Fassproben durchweg überzeugend – direkt, ungeschminkt, strukturiert. Einmal mehr zeigte dabei Grenache, welches Potential in dieser oft unterschätzten Rebsorte steckt:  Sinnliche Aromatik, festes Rückgrat, feinkörnige Tannine, erstaunliche Säure und Balance. Einige Weine zeigten in diesem Stadium etwas flüchtige Säure, was aber bei der Füllung noch korrigiert werden kann.

Bei Tablas Creek trafen wir mit Robert Haas eine andere große Figur der kalifornischen Weinszene. Robert Haas begann mit seiner Firma Vineyards Brands in den 70er Jahren feine Weine aus Europa zu importieren, u.a. Château Beaucastel (Familie Perrin) aus Châteauneuf du Pape. Mitte der 80-iger Jahre wurde die Idee geboren, gemeinsam Wein in Kalifornien zu machen. Nach mehrjähriger Suche wurde man in einer Subregion von Paso Robles fündig, der erste kommerzielle Jahrgang war 2000. Die Weinberge werden organisch bewirtschaftet (zertifiziert seit 2003); verwendet wird ausschließlich eigenes Pflanzmaterial. Zur Zeit werden die Weingutsgebäude erweitert und umgebaut, um genügend Platz für die  jährlich rd. 25.000 Besucher zu haben. Optisch wird dann einiges geboten; so gewähren Glaswände Einblicke in das Innenleben der Winery. Wie nicht anders zu erwarten, gaben auch die verkosteteten Weine bis auf wenige Ausnahmen eine gute Figur ab, u. a. der 2008er Esprit de Beaucastel (Mourvedre, Grenache, Syrah, Cunoise): Rote Früchte / Kirsche / edles Gewürz / elegante Stilistik / präzise /  sehr gute Säurestruktur und Länge / jetzt – 2016 / 17,0+ P.

California Wine Tour – 26.01.11

Pinot-Ikone Jim Clendenen

Besuch bei Jim Clendenen (Au Bon Climat) im Santa Maria Valley- einer der Legenden des kalifornischen Pinots. Nach ausgiebigen Lunch – z. T. von Jim selbst gekocht (köstliches Boeuf bourguignon) – und einem Overview über die Weine  der Clendenen Family Vineyards – toller Stoff, u.a. der Syrah-Viognier 2005 – folgten rd. drei Stunden  im Keller beim Probieren diverser Fassproben. Interessant wie am Vortag das Tasting verschiedener Pinot-Noir Klone. Nur selten hat man die Gelegenheit verschiedene Klone einer Rebsorte zu probieren. Erstaunlich die großen Unterschiede hinsichtlich Struktur, Balance und Aromatik. Wie schon bei Melville war der Burgund-Klon 115 mein Favorit: feinkörniges Tannin, seidige Textur, subtile Aromatik.

California Wine Tour 2011 – Start am 25.01.11

Start in den Sta. Rita Hills im Hinterland der spanisch geprägten Stadt Santa Barbara, ca. 150 nördlich von Los Angeles. Aufgrund der Nähe zum Pazifik und den damit verbundenen moderaten Temperaturen und der langen Reifesaison verschaffte sich das Gebiet innerhalb weniger Jahre eine gute Reputation für Pinot Noir – der Film “Sideways”, der hier gedreht wurde, trug sicher ebenfalls seinen Teil dazu bei. Die ersten Weinberge der moderneren Geschichte wurden Anfang der der 70-Jahre des letzten Jahrhunderts gepflanzt; es dominieren Pinot Noir, Chardonnay und Syrah. Zwei Wineries standen heute auf dem Programm: Lafond und Melville, welche zu den Top-Betrieben in den Sta. Rita Hills gehören.

Melville Winery, Sta. Rita Hills

Interessant bei beiden Weingütern, welchen Stellenwert die Klonenauswahl einnimmt und andere Parameter wie Anpassung der Rebsorten an geeignete Boden- und Lagenverhältnisse fast in den Hintergrund drängt. Betrieben wird das bis zur letzten Konsequenz: einige Weine werden “klonenrein” abgefüllt, z. Bsp. der Pinot Noir Klon 115.

"Super" Klon 115

Ebenfalls interessant, wie gut die doch recht stattlichen Alkoholwerte von 14,0 – 15,2 % Vol. im Wein eingebunden sind. Die meisten Weine zeigten sehr gute Frische und wesentlich mehr Struktur als viele ihrer Kollegen aus dem nördlicheren Kalifornien, was sicherlich den oben beschriebenen Effekt positiv beeinflusst. Gegensätzlich dann das Winemaking und damit auch die Stilistik beider Weingüter. Auf Melville werden teilweise bis zu 50% der Stiele mitvergoren – eine Technik, die heute noch vereinzelt in Burgund angewandt wird. Die Weine wirken dadurch deutlich floraler und frischer und besitzen kräftigere Tannine. Bei einigen Weinen schlug das mit fehlender Balance und Bitternoten nicht unbedingt positiv zu Buche, aber der oben beschriebenen Single-Klon Wein 115 aus 2009 zeigt, das diese Technik durchaus Sinn macht: komplexe Nase, festes und feinkörniges Tannin, darüber seidige Textur und Frische bis zum Schluß – einer der Höhepunkte des heutigen Tages. Bei Lafond dagegen werden die Stiele komplett entfernt und auch die Mazeration nach dem Ende der Vergärung ist deutlich kürzer. Stilistisch entstehen dadurch weichere Weine mit saftiger Frucht. Überzeugend bei Lafond auch Syrah und Syrah/Grenache – präzise, würzige und ausbalancierte Weine, die mit ihrer Struktur eher an die besten Examples von der Rhône statt an Kalifornien errinnern.

Bruce McGuire - Winemaker Lafond Winery