Archiv für den Monat: Februar 2011

Colheita Port Tasting 24.02.11

Ein grandioses Tasting mit Colheitas aus 7 Jahrzehnten fand gestern im “Vintage” in Köln statt. Organisiert und geleitet wurde das Tasting von Axel Probst, einer der profundesten deutschen Kenner der Port-Szene.

Grandios: Noval 1937

Colheita Ports sind in Deutschland kaum bekannt; sie spielen in Portugal selbst sowie in den Benelux-Ländern und Skandinavien eine bedeutende Rolle. Colheitas gehören zur Kategorie der Tawny-Ports und müssen mindestens 7 Jahre in Pipes (550 l Inhalt) reifen. In der Praxis wird diese Mindestreifezeit oft wesentlich überschritten: zwei, drei und mehr Jahrzehnte sind keine Seltenheit. Die Weine profitieren davon enorm: jüngere Colheitas aus den 90-igern wirken gegenüber ihren älteren Kollegen fast eindimensional. Im Vergleich zu den jahrgangslosen Tawnys gefallen mir gleichalte Colheitas regelmäßig besser, da sie für mich oft balancierter und eleganter sind.

La Rosa Colheita 1997: fruchtiger Style / getrocknete rote Früchte / “Banyuls”-Nase / balanciert / 15,5

Quevedo Colheita 1996: intensive Aromatik / stoffig / etwas rustikal / mittlere Länge / 15,5+

Real Companhia Velha Colheita 1998: diffuse Nase / bereits sehr entwickelt / ohne Eleganz / kurz / 14,0

Krohn Colheita 1995: sehr dichte Farbe / complex / konzentriert / seidige Textur / gute Länge / 16,5+

Krohn Colheita 1961: guter, aber kein großer Jahrgang / weich / cremig / Tabak-Finish / 17,5

Niepoort Colheita 1995: zurückhaltende Nase / fest / precise / Struktur-Wein / 16,0+

Niepoort Colheita 1937: Karamell / Nüsse / mittlerer Körper / gute Frische / lang / komplex / 18,5

Kopke Colheita 1995: dumpfe Nase / medizinal / wenig Eleganz / würziges Finale / 14,5

Kopke Colheita 1937: ausdrucksvolle Nase / extraktreich / Tabak-Noten / robust / mittlere Länge / 17,0

Noval Colheita 1995: süsse Würze / getrocknete Früchte / balanciert / complex / warmes Finish / 16,5

Noval Colheita 1937: pure / complex / dicht / reich / großartige Balance / stabil / weiteres Potential / 19,0

Dalva Colheita 1995: eindimensional / leichte Struktur / kurz / 14,5

Dalva Colheita Golden White 1963 (weiße Sorten): Kandierte Orangen / soft / seidig / gute Länge / 16,5

Warre´s Colheita 1995: intensive Nase / Rote Früchte / mittlerer Körper / alkoholisches Finale / 15,0

Warre´s Colheita 1937: Molasse / schwarzer Tee / Brot-Nuancen / voller Körper / etwas grob / baut nach einer halben Stunde im Glas ab / 17,0

Pocas Colheita 1994: fruchtdominiert / weich / gute Balance und Frische / mittlere Länge / 15,5

Pocas Colheita 1964: voller Körper / reich / noch viel Frucht / cremige Textur / sehr gut / 17,5

Messias Colheita 1995: Frucht-Drops / eindimensional / sehr süss / wenig Struktur / 14,5

Messias Colheita 1947: Nussige Nuancen / viel Süsse / opulenter Stil / gute Länge 17,5

Andresen Colheita 1937 (bottled 1980): sehr junge Farbe / kandierte Orangen / getrocknete Früchte / saftige Frucht / seidige Textur / balanciert / wirkt erstaunlich jung  für einen 37-iger Jahrgang / 17,5

Andresen Colheita 1937

California Wine Tour – 05.02.11

Letzter Termin der California Wine Tour bei Kistler Vineyards im Sonoma County– ein Weingut, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine riesige Reputation für Chardonnay aufgebaut hat. Im Gespräch mit Co-Eigentümer Mark Bixler und bei einem Blick in den Keller zeigt sich schnell, dass Schickimicki fehl am Platz ist. Das Winemaking ist auf Zeit und wenig Intervention ausgelegt – alles wirkt sehr durchdacht und funktionell. Schlank und übersichtlich auch die Weinpalette: rd. 80% der Produktion sind Chardonnay´s aus vier verschiedenen Lagen – der Rest ist Pinot Noir. Die Weine zeigen balanciertes Holz, Geschmeidigkeit und Frische – nach vielen „weichen“ Chardonnay-Suppen eine willkommende Abwechslung. Exportiert werden nur rd. zehn Prozent der Gesamtproduktion – über die Hälfte wird direkt an den Kunden gebracht. Nur so lässt sich neben regelmäßig hohen R.P. Bewertungen wohl erklären, das man auch preislich kontinuierlich am oberen Ende rangieren kann: jeder deutsche Winzer mit Großen Gewächsen würde wohl vor Neid erblassen, wenn er die Preise der amerikanischen Kollegen sieht. Etwas irritierend wirkt der Herbizid-Einsatz im Weinberg. Angesichts der doch recht flachen Lagen (und der realisierbaren Preise) stellt sich für mich die Frage, ob man der Begrünung nicht auch maschinell zu Leibe rücken kann.  Am Abend gab´s zum Abschluss noch einen Wein aus dem historischen Napa Valley: Inglenook Cabernet Sauvignon 1967. Unfassbar frisch, präsent und komplex präsentierte sich der Wein – mit heute unvorstellbaren 12,0 % Vol.  Das alte Inglenook hat der Lauf der Geschichte weggeblasen und existiert heute nur noch in der Erinnerung … und in diesem Wein. Großartiges Napa Valley!

Knüller-Wein: Inglenook Cab 1967

California Wine Tour – 04.02.11

Zwei Top-Betriebe aus dem Napa Valley standen heute auf dem Programm: Phelps und Dunn. Bei ersterem ein umfangreiches Tasting mit Weinen aus dem Napa Valley und den vor einigen Jahren neuangelegten Freestone-Vineyards im Sonoma County. Die zwei Insignia-Jahrgänge 06 & 07 bildeten die Spitze des Flights – mit dem Insignia 2007 reift wohl eine Legende heran: ein dichter, komplexer und doch sehr sinnlicher Wein mit einem Wahnsinns-Potential für mindestens 25 Jahre (19,0). Legendär leider auch der Preis – bei 220 $ / Flasche ex cellar wird die Luft schon dünn.

Insignia 2007 von Phelps

Danach ging es in die Howell Mountain – Randy Dunn war Ende der 70-iger Jahre einer der Ersten, die das Potential der Höhenlagen im Napa-Valley erkannten und Weinberge anlegten. Herzerfrischend normal geht es bei den Dunn´s zu: hier wird Wein gelebt ohne jeglichen Snobismus und Dünkel. Stilistisch unterscheiden sich die Weine deutlich von ihren Kollegen im Tal. Die Weine zeigen mehr Frische, besitzen strafferes Tannin und schlankeren Körper. Randy ist ein Verfechter von Low-Alkohol-Weinen. Fast alle Jahrgänge pendeln um die 13,0 – 13,5% Vol und liegen damit deutlich unter dem derzeitigen Durchschnitt von 14,5 – 15,0 % Vol. Randy setzt auf Weine mit Struktur und Entwicklung – die probierten Weine aus den Jahrgängen 1998 – 2005 zeigten deutlich das Reifepotential der Weine. Gestern Abend probierten wir dann noch den 88er Cabernet Sauvignon Howell Mountain: reif, aber nicht mürbe / fein akzentuiertes Bouquet / fast schlank / gute Länge / 17,5.

Mountain Ranger Randy Dunn

Dunn Cab 1998-2005

Energiebündel Kristina – Tochter von Randy

California Wine Tour, 02.02.11

Heute Abschluß des Master of Wine Seminars. Tage voll mit Tastings, Seminaren u.a. zu Südamerika, Workshops und Übungen zur Vorbereitung des Examens. Gestern Abend ging es zum Dinner in  die Robert Mondavi Winery. Trotz der Übernahme der Winery durch Constellation vor einigen Jahren ist der Spirit von Robert Mondavi immer noch zu spüren – Magrit Mondavi, die “Old Grand Lady” des kalifornischen Weinbaus eröffnete dann auch das Dinner. Es ist immer wieder ein Vergnügen, ihre mit Charme und Witz gespickten Anekdoten aus 40 Jahren kalifornischer Weinbaugeschichte zu hören. Einige beeindruckende Weine aus zwei Jahrzehnten gab es zum Dinner, u.a. Fumé Blanc Reserve 1996 – der ohne weiteres mit weißen Bordeaux´s im Top-Level mithalten kann – und Cabernet Sauvignon Reserve 1988, der das Potential der Paradelage To Kalon hervorragend widerspiegelte.