Archiv für den Monat: Mai 2011

Château Beychevelle 2010

Ende letzter Woche erschien mit Château Beychevelle – 4. Cru Classé aus St-Julien – der erste Asian Brand in der aktuellen Primeurkampagne. Nachdem der Hunger nach Top-Bordeaux´s in China ungebrochen groß ist, ist es nicht weiter verwunderlich, das sich Beychevelle weiter nach oben orientiert: 54 € gegenüber 44 € im Vorjahr ergibt ein Plus von 23%. Ist das die Vorgabe für die anderen Asian Brands? Wie reagieren die Top-Châteaux, die bisher in Asien keine wesentliche Rolle spielen? Vielleicht gibt es im Laufe der Woche schon die ersten Antworten dazu.

Château Haut-Bages Libéral 2000 – 2008

Einen Querschnitt der letzten Jahrgänge von Château Haut-Bages Libéral aus Pauillac gab es gestern in der LA VINOTHEQUE in Lichtenwalde. Haut-Bages Libéral – im Besitz von Claire Villars-Lurton – ist als 5. Cru Classé eingestuft und gehört fast in jedem Jahr zu den zuverlässigen Adressen im Médoc. Auf 28 ha stehen rd. 80% Cabernet Sauvignon, 17% Merlot und 3% Petit Verdot. Das Durchschnittsalter der Rebstöcke beträgt 35 Jahre.

2008 – mittleres Purpur mit violetten Touch / primär / pure / aromatisch / gecrashte Cranberries / floraler Touch / fast leichter Körper / erfrischend / balanciertes Tannin / Alk. 13,0 % Vol. / sehr ausgewogen / lässt etwas an Tiefe und Konzentration vermissen aber insgesamt sehr stimmiger Wein / mittleres, leicht austrocknendes Finale / wird sich schon jung gut trinken lassen / 2014 – 2020 / 16,0

2007 – mittleres Purpur / unentwickelt / Würze / Pfeffer / grüne Paprika / mittlerer Körper / robust / wenig Finesse / Alkohol 13,0 % / etwas unreifes Tannin / deutlich zu wenig Fett auf den Rippen / adstringierendes, medizinales Finale / 2012 – 2017 / 15,0

2006 – tiefes Rubin/ sehr verschlossen / Lorbeer / schwarze Johannisbeere / dicht / füllig / fleischig / barock / moderate Säure / Alkohol 13,0 % / fehlt es noch an Präzision / braucht Zeit / mittlere Länge / 2015 – 2025 / 16,0+

2005 – sattes Rubin / < süße > reife Frucht / Amarena / Cassis / konzentriert / mittlerer Körper / feinkörniges Tannin / schöne Textur / Alkohol 13,0 % / balancierende Säure / mittlere Länge / beginnt sich langsam zu öffnen / 2013 – 2028 / 17,0

2004 – dichtes Rubin mit leichten Reifeanzeichen / entwickelte, „klassische“ Nase / zunächst viel Würze / Tabak / Graphit / kraftvoller Körper / festes Tannin / Strukturwein / Alkohol 13,0 % / robust im positiven Sinne / gutes Potential / 2012 – 2022 / 16,5

2003 – bereits sehr gereiftes Rubin mit ziegelroten Nuancen / etwas diffuse Nase / wenig Tiefe / Brombeere/ Kompott- vs. herbale Noten / mittlerer Körper / moderate Säure / flockiges Tannin / Alkohol 13,0 % / spröde / ohne Charme / bitteres Finale / jetzt bis 2014 / 14,5

2002 – mittleres, kaum entwickeltes Rubin / mittlere Intensität / Johannisbeere / dezente blättrige Aromen / viel Frische / guter Extrakt / Alkohol 12,5 % / kernig / ansprechender Wein – wesentlich besser im Vergleich zum schlechten Ruf des Jahrgangs / jetzt bis 2017 / 15,5

2001 – mittleres, gereiftes Rubin / intensive Tabakaromatik / pfeffrig-kräutrige Nuancen / kernig / besitzt Biss / fest strukturiert / positiv robustes Tannin / Alkohol 12,5 % / erfrischende Säure / gute Länge / jetzt bis 2018 / 16,5

2000 – Immer noch sehr tiefes Rubin / entwickelt sich im Glas sehr langsam / gute Konzentration in der Nase / satte Frucht / im Hintergrund Tabak und orientalisches Gewürz / konzentriert / viel Stoff / besitzt Tiefe / Alkohol 12,5% / sehr ausgewogen / lang / bestätigt die Vorgaben des Jahrgangs / sehr guter Wein, der noch etwas Zeit braucht / 2013 bis 2025 / 17,0++

Macht Spaß: Haut Bages Libéral

Primeurkampagne Bordeaux 2010 – Zwischenfazit

In den vergangenen zwei Wochen plätscherte die Primeurkampagne so dahin – wirklich Aufregendes war kaum zu vermelden. Fast die gesamte Reihe der nahmhafteren Fronsac-Château ist mittlerweile released, darunter Moulin-Haut Laroque, Villars und La Dauphine sowie einige Schwergewichte aus dem Cru Bourgeois-Lager, u.a. Château Haut-Marbuzet oder Les Ormes de Pez. Die Preistendenz kann man bisher als eher seitwärts bezeichnen und liegt im Schnitt bei +/- 5 %. Gestern erschien mit Château Cantemerle der erste Cru Classé der Left Bank. 21,00 € ex cellar gegenüber 19,90 € für den 2009er. Ein Zeichen, dass es in den nächsten Tagen endlich ernst wird und die ersten Top-Werte am Markt erscheinen?