Archiv für den Monat: November 2011

Château Pontet Canet 1986 – 2003

Château Pontet-Canet zählt mittlerweile zur absoluten Spitze in Pauillac und ist einer der Vorreiter des biodynamischen Anbaus in der Left Bank. Gestern gab es in der LA VINOTHEQUE in Lichtenwalde acht Jahrgänge im Vergleich, die eindrucksvoll die Entwicklung seit 1986 wiederspiegelten. Als Wendepunkt nach eher mittelmäßigen Jahren kann man dabei den 94er bezeichnen: in einem schwierigen Jahr produzierte Pontet-Canet einen Wein, der für mich zur Spitze im Médoc zählt.

1986 mittleres Rubin / verhaltene Nase / dezente kräutrige Noten / schlank / fest / etwas rustikales Tannin / mittlere Länge / jetzt bis 2015 / 15,0-  1989 entwickelte Farbe / reife Frucht / gute Fülle / fehlende Präzision / flockiges Tannin / mittlere Länge / jetzt bis 2015 / 15,0.  1994 dichtes Rubin / konzentrierte Nase / kühle Aromatik / Graphit / feste Struktur / kerniges jedoch balanciertes Tannin / präzise / sehr gute Länge / großes Potential / jetzt bis 2030 / 17,5++  1995 vollreife Frucht / expressive Nase / reichhaltig / feinkörniges Tannin / sehr gute Struktur / lang / jetzt bis 2030 / 17,5+  1996 Mittlere, unentwickelte Farbe / unheimlich konzentrierte Nase / komplex / großartige Struktur und Präzision / lang / Riesen-Potential / 2015 – 2035 / 18,0+  1999 entwickelte Nase / mittlerer Körper / geradlinig / integriertes Tannin / saftige Frucht / mittlere Länge /  jetzt bis 2020 / 16,5+ 2002 zurückhaltend / reintönige schwarze Frucht / fokusiert / mittelgewichtig / balanciert / zeigt Tiefe und Länge / eleganter Stil / über dem Jahrgangsdurchschnitt / jetzt bis 2025 / 17,0   2003 tiefe Farbe / zunächst expressive Frucht / Amarena / verschließt sich nach ca 1 h / extraktreich / auf den Punkt reife Tannine / für den Jahrgang erstaunliche Säurestruktur / Alkohol 13,0 / präziser und fokusierter Wein / lang / 2013 – 2030 / 17,5


Einzigartig: Henri Bonneau, Châteauneuf du Pape

Henri Bonneau gehört zu den großen Winzerpersönlichkeiten Frankreichs. Einen Termin bei ihm zu bekommen ist schwer und langwierig – nur wenigen gelang es bisher, in sein Kellerreich vorzudringen. Mythen ranken sich um ihn und und seine Weine, deren Verteilung bis vor einigen Jahren höchst subjektiv erfolgte. Ein Mittelsmann holt uns im Café la Mule du Pape im Herzen von Châteauneuf du Pape ab und führt uns durch alte Gassen zum Haus von Bonneau. Herzlich ist der Empfang und von Beginn an entwickelt sich eine ungezwungene Atmosphäre. Nach einer kurzen Phase des Kennenlernes geht es treppab in die verborgene Welt des Henri Bonneau. Gezieltes Marketing und gestylte Verkostungsräume sind ihm genauso suspekt und fremd wie das Einmaleins der modernen Önologie mit all ihren Hilfsmitteln, Pülverchen und Zusätzen – schon nach wenigen Minuten wird klar: Henri Bonneau ist die letzte Bastion des traditionellen Châteauneuf du Pape. Die museumsreifen Keller sind zum Teil aus dem 17. Jahrhundert und schockieren die Jünger des cleanen Winemaking.  Dicke Flusen hängen von der Decke, alte Emailletanks, Barriquefässer, von denen bestimmt keines jünger als 10 Jahre ist. Jeder erwartet angesichts dessen defekte und unsaubere Weine. Henri Bonneau beweist einmal mehr, das verschiedene Wege zum Ziel führen. Alle Fassproben bestechen durch Tiefe und eine unglaubliche Klarheit. So simpel wie der Keller ist auch die Vinifikation bei Henri Bonneau: Vergärung mit den Stielen und spontan, keine zusätzliche Maischung nach dem Ende der Gärung, Ausbau zwischen 4-6 Jahren in gebrauchten Barriques. einige auch länger. So dreht sich dann das Gespräch auch recht schnell um viele andere Dinge, u.a. um Essen und den Algerienkrieg. Sohn Marcel reicht ein um das andere Mal Fassproben aus verschiedenen Jahrgängen und den verschiedenen Cuvées. Alle Weine sind überwiegend aus Grenache sowie kleinen Prozentsätzen von Vaccarese, Cunoise und Mourvedre, aber im Grunde genommen interessiert Bonneau die genaue Zusammensetzung auch nicht. Syrah mag Henri Bonneau überhaupt nicht – für ihn gehört diese Rebsorte ausschließlich an die nördliche Rhône. Das Alter der 6 ha Weinberge beträgt 30 – 40 Jahre. Jährlich werden rd. 15.000 Flaschen produziert, die sich auf vier Weine verteilen. Einen Vin de table (der außer dem Namen nichts mit der belanglosen Tafelweinproduktion Südfrankreichs zu tun hat) sowie 3 verschiedene Châteauneuf du Pape: Henri Bonneau, Marie Beurrier und die legendäre Reserve de Célestins. Welche Barrique für welchen Wein verwendet bleibt bis kurz der Abfüllung offen und das Geheimnis von Henri, allerdings stammen die Trauben für die beiden Top-Weine überwiegend vom Zentralplateau aus der Lage La Crau. Unabhängig von Unterschieden in Komplexität, Dichte und Länge haben alle Weine eines gemeinsam: Sie besitzen Wildheit, Würze und Struktur, die so vielen aufkonzentrierten, eichenholzwürzigen Fruchtbomben aus dem Châteauneuf du Pape abgeht. Keine Schmeichler und glattgebügelte Weine, sondern Weine mit Natürlichkeit und urwüchsigem Charakter – jeder Wein erzählt seine ganz eigene Geschichte. Nach 1,5 h – die wie im Fluge vergehen – ist das Feuerwerk zu Ende: unzählige Fassproben aus 6 verschiedenen Jahrgängen liegen hinter uns. Herzliche Verabschiedung – danach geht´s zu Château Beaucastel und zurück in eine reale Weinwelt.

Henri Bonneau

Im Innenhof des Hauses und Weinguts Bonneau

Kellerimpression I

Kellerimpression 2

Marcel Bonneau

Bis zum nächsten Mal...

PS: Eine limitierte Menge an Bonneau-Weinen steht uns nach diesem Besuch zur Verfügung – bei Interesse schicken Sie mir einfach ein Mail.