Archiv für den Monat: Januar 2013

Master Class Napa Valley, 26.01.13

Ruston Family, Stagecoach Vineyard Merlot 2007, Oakville – fruit forward / intense red fruits / balanced oak / full body / soft tannins / high alcohol 15,0 / round mouthfeel but lacks energy / warm finish / now – 2015 / 15,5

Dunn Vineyards, Cabernet Sauvignon 1985, 85% Howell Mountains, 15 % Napa Valley Floor – focused nose / tobacco and spicy notes / lean / good grip / alcohol 13,0 / shows precision and freshness / medium length / now – 2017 / 17,0

Newton, Cabernet Sauvignon unfiltered 1993, Spring Mountains – ripe black fruit / underlying spicy notes / medium plus body / moderate firm tannins / alcohol 13,5 / balanced / good concentration / lacks a bit definition  / medium length / now – 2018 / 16,5

Mondavi, Oakville Cabernet Sauvignon 1996 – dense color / concentrated nose / black fruits / cassis / hints of sweet spice / perfect ripe fruit / medium plus body / structured / shows depth, elegance and persistent length / now to 2020 / 17,5

Robert Foley, Claret 2005, sourced from Howell Mountains, Mt Veeder, Atlas Peak, Calistoga - refined nose / sweet cherry & red fruits / integrated oak / full body / fine tannins / luscious / smooth texture / medium plus length / still undeveloped / potential for further aging / now – 2030 / 17,5++

Heitz Cellar, Martha´s Vineyard Cabernet Sauvignon 2000, Oakville – forward, really attractive nose / black fruits / cassis / minty touch / lacks the richness, structure and power of the great vintages but shows good balance and freshness / medium long finish / now – 2020 / 17,5

 

 

Bollinger, La Grande Année Tasting, 22.01.13

Eine Deutschland-Premiere der besonderen Art fand vorgestern in der Rutz Weinbar in Berlin statt: Eine Vertikale mit Bollinger´s La Grande Année 1990 bis 2004 – ausschließlich aus Magnumflaschen und vom Kellermeister Mathieu Kauffmann persönlich moderiert. Bestätigt wurden vor allem zwei Dinge: Die Konsistenz, mit der sich La Grande Année regelmäßig unter die besten Vintage-Champagner einreiht und das Potential für eine lange Entwicklung in der Flasche. Bestätigt wurde auch, das für Champagner die Reifeunterschiede zwischen Normalflaschen und Magnums signifikant sind – wohl auch ein Grund für das neue Flaschendesign der Special Cuvée, dessen Markteinführung Ende letzten Jahres erfolgte.

La Grande Année wird in geeigneten Jahren aus 3.000 Fässern im November und Dezember selektiert, die Assemblage und Abfüllung erfolgt im Januar, Degorgement nach 5-6 Jahren Lagerung, Fine Tuning mit 7-9 g/l Dosage. Verwendet werden nur Pinot Noir und Chardonnay. Pinot Meunier findet für La Grande Année keine Verwendung – nach Aussage von Mathieu Kauffmann reift Pinot Meunier zu schnell, was der Absicht einen langlebigen Champagner zu erzeugen entgegen steht. Interessant war auch, das – entgegen der landläufigen Meinung – nicht nur in säurebetonten Jahren langlebige Champagner entstehen. 1990 und 2002 mit eher moderaten Säurewerten im Most zw. 7 – 8 g/ l – dafür aber einer perfekten Reife der Trauben und entsprechender Konzentration – unterstreichen das nachhaltig.

2004 – Rekordjahr hinsichtlich Menge / 66% Pinot Noir / 34 % Chardonnay / 88% Grand Cru / 12% Premier Cru / restrained / pure / pear / medium body / good balance / soft texture /  moderate acid / ripe fruit / slightly sweet impression / lacks concentration and focus / medium length / now – 2022 / 16,5

2002 – 60% PN / 40% CH / 71% GC / 29% PC / slightly developed nose / complex / decent brioche notes / dried fruits / round / concentrated / perfect structure and ripeness / medium acid / mineral – long finish / great potential / now to 2030 / 18,5+

2000 – 63% PN / 37% CH / 75 % GC / 25 % PC / developed / toasty notes / brioche / liquorice / caramel / medium concentration / elegant / not the depth of 2002 / light phenolic touch / medium length / now to 2020 / 17,5

1997 – 65 % PN / 35% CH / 75 % GC / 25 % PC / 8,5 g/l TA / evolved / quince /  mushrooms / medium concentration / good freshness / focused / typical Bollinger style / now – 2018 / 17,5

1996 – schwieriges Jahr vor allem für Chardonnay / 70% PN / CH 30% / 75 % GC / 25 % PC / slightly developed / pure / quince / candied fruit / honey touch / nutty notes / powerful / racy acid / mineral / great structure / lot of energy / long fresh finish / now – 2030 / 18,5++

1995 – 63% PN / 37% CH / 82% GC / 18% PC / complex / dried fruits / nutty / medium body / creamy texture / elegant / precise / great harmony / long / now 2022 / 18,0

1992 – kaum vintages / viel botrytis / 65% PN / 35% CH / 83% GC / 17% PC / creamy notes / caramel / mocca / brioche / soft / medium concentration / round / bitter orange / light phenolic touch / medium length / now to 2017 / 17,0

1990 – 69 % PN / 31% CH / 67% GC / 33% PC / gold yellow / complex / mocca / truffe / spicy notes / moderate mousse / powerful / intense / moderate yet fresh acid / creamy / great length / light bitter finish /  now to 2022 / 19,0

Hinweis: Das Alterungspotential bezieht sich auf Magnum-Flaschen.

Natural Wines

Einer der Schwerpunkte zur Winzerkonferenz am 15.01.13 in Rust war das Thema Natural Wines. Diskutiert wurde u.a. wie Natural Wines definiert werden können, ob es sich bei Natural Wines eher um einen kurzfristigen Hype handelt und wie die derzeitige Bedeutung in Schwerpunktmärkten aussieht.

Via Skype zugeschaltet – versuchte Isabelle Legeron MW – auch als Jeanne d´Arc der Natural Wines bezeichnet – in ihrer Introduction eine Definition von Natural Wines zu finden: minimal SO2, organic viticulture, no cultivitated yeasts.

Andreas Essl, Weinjournalist aus Österreich, brachte es klar auf den Punkt: Natural Wines ist kein offizieller Begriff, es gibt keine gesetzliche Verankerung,  es existieren verschiedene Definitionen von Winzerzusammenschlüssen wie Vinnatur oder Association des Vins natural.  Alternativbezeichnungen sind u.a. Artisan Wines, Naked Wines oder Vini Veri.

Was sind mögliche Grundlagen für einen Natural Wine: ethische und nachhaltige Philosophie, fast immer bio (dynamische) Grundsätze, minimale technische Intervention im Winemaking, Symbiose zwischen Avantgarde / Experimenten und lokalen Traditionen.

Verkosteter Beispielwein: Matassa Blanc 2010, Roussillon – Grenache Gris, Macabeo – ph 2.9, 12,9% Vol. – biodynamic, whole bunch pressing, 228 l und 500 l barrels, native yeasts, aging “sur lie” for 18 months, no SO2, no fining & filtering

Voll im Trend liegt die Verwendung von Amphoren: optimale Größe 1.000 – 1.500 l, u.a. in Georgien, Spanien, Portugal, selbstregulierendes Temperatursystem (20-28°C).

Als neue Kategorie wurden in den letzten Jahren die Orange Wines definiert: Verwendung von weißen Rebsorten, lange Mazeration (bis zu 3 Jahre) zur Extraktion von Farbstoffen und Tannin. Italien, Slowenien und Kroatien sind die derzeitigen Hochburgen von Orange Wines u. a.  Aleks Klinec (experimentiert bereits seit 15 Jahren mit Orange Wines) Mitglied von SIMBIOSA. Grundsätze von SIMBIOSA sind min. 24 h Maceration for both whites and reds, no temperature control, spontaneous fermentation, no adds except SO2 (max. 70 mg/l total), min. 1,5 years aging.

Danach gaben einige Master of Wine, u.a. Clive Barlow (UK) und Christy Canterbury (USA) einen Überblick über die Marktbedeutung in Schlüsselmärkten unserer Welt. Erwartungsgemäß haben dabei Natural Wines in UK die derzeit größte Bedeutung, allerdings auf niedrigem Niveau (geschätzt 1 % Marktanteil), wogegen in Asien Natural Wines keine Rolle spielen. Über alle Märkte hinweg sind Natural Wines derzeit ein absolutes Nischenprodukt.

In der abschließenden Diskussion und beim Grand Tasting stellten sich klar die zukünftigen Anforderungen und Problematiken für Natural Wines heraus: eine einheitliche Definition für Natural Wines zu finden; Akzeptanz beim Konsumenten – höhere Preise, abweichendes Geschmacksprofil sowie z. T. nach derzeitigen Kriterien unsaubere und fehlerhafte Weine, Flaschenunterschiede – und für den Handel dementsprechend das höhere Risiko für Reklamationen; das Potential für Entwicklung / Lagerung in der Flasche und qualitative Konsistenz (Jahrgang, Chargen und von Flasche zu Flasche).

Wein mit Tiefgang, Jakot 2006 von JNK, Slowenien