Archiv für den Monat: März 2014

burgund 2012

Im Focus der diesjährigen Grands Jours de Bourgogne stand der Jahrgang 2012. In den letzten fünf Tagen habe ich unzählige Weine in den verschiedenen Appellationen probiert und langsam formt sich das Bild dieses Achterbahn-Jahrgangs. Nach einem milden Winter und sehr warmen Temperaturen im März folgte unstabiles, kaltes und regnerisches Wetter bis weit in den Juni hinein. Diese anhaltende miserable Wetterperiode führte zu einer drastischen Reduzierung der Erträge; dazu kam der ständige Kampf mit Pilzkrankheiten, die bei diesen Bedingungen im Weinberg Samba tanzten. Richtig schlimm traf es dann weite Teile der Côte de Beaune. Hagelstürme am 30. Juni und 01. August hinterließen eine Schneise der Verwüstung – einige Winzer in Pommard verloren bis zu 80% ihrer Ernte. Optimisten waren in diesen Tagen logischerweise rar – der Jahrgang schien einer der schlimmsten der jüngeren Geschichte zu werden.

Dann kam die Wende. Warme, sonnige und meistens trockene Tage prägte die Monate August und September bestätigte einmal mehr die Regel, das die Qualität eines Jahrganges vom Wetter ab Ende Juli abhängig ist. Die Lese für Chardonnay begann am 14. September und für Pinot Noir wenig später am 17. September an der Côte de Beaune. In fast allen Appellationen wurde gesunde und konzentrierte Frucht mit guten Zucker- und Säurewerten eingebracht, so dass sich am Ende der Jahrgang als sehr guter Jahrgang entpuppte. Einige Winzer schätzen das Potential sogar höher ein als die hoch bewerteten Jahrgänge 2005, 2009 und 2010. Die besten Pinot´s zeigen tiefe Farbe, Rückgrat und konzentrierte Frucht. Sehr gute Tannin- und Säurewerte versprechen einen klassischen “Vin de Garde” Jahrgang. Aber auch die Weißweine müssen sich nicht verstecken und besitzen in der Spitze aromatische Komplexität, Energie und Mineralität.

Für mich ist es vor allem ein Jahrgang des Terroirs: die Unterschiede zwischen den einzelnen Appellationen kamen in vielen Weinen deutlich zum Vorschein. Sie besitzen nicht die superreife Frucht der 2009er oder das massive Gerüst der 2010er sondern bewegen sich genau dazwischen auf dem schmalen der Grat der Balance. Es ist genau dieser Punkt, an dem letztendlich geographische, topographische oder klimatische Unterschiede deutlich sichtbar werden – und genau das macht den Jahrgang für Burgund-Freaks und Liebhaber von unverwechselbaren Weinen so wertvoll. Das trifft auch für die  „Schattenappellationen“ abseits der Goldküste zu. Appellationen wie Givry oder Rully wuchsen über sich hinaus und brachten vielschichtige und eigenständige Weine hervor.

Wer Burgund liebt, wird um diesen Jahrgang keinen Bogen machen können. Und genau das ist das Problem: um die geringe Menge, insbesondere bei den Grand Crus und Premiers Crus, wird man sich buchstäblich schlagen müssen. Schon in den letzten Jahrgängen konnte kaum der Durst gestillt werden – in diesem Jahr wird sich das noch verschärfen. Die Nachfrage nach den Top-Weinen aus Burgund zeigt international weiter nach oben. Die große Schaar an amerikanischen, englischen und asiatischen Einkäufern, die sich in der vergangenen Woche in Burgund tummelten, sind ein lebhafter Beweis dafür. Preislich bewegt man sich in den Prestige-Appellationen  zwischen 5-10% über dem Vorjahr; bei den Weinen aus den kommunalen Appellationen ist wohl weniger Spielraum drin.

Mit dem 2012er Jahrgang hat Burgund einmal mehr gezeigt, warum es das Mekka des Pinot Noir (und zu einem großen Teil auch des Chardonnay) ist.  Keine andere Region kann mit dieser Menge an unterschiedlichen Stilistiken  aufwarten, die wiederum das Ergebnis dieses Patchworks aus unzähligen Lagen sind. Ich bin mir sicher: Die Winzer, welche die Herausforderungen des 2012er annahmen und den Charakter dieses  Jahrgangs mit der Expression ihrer Lagen verbunden haben, erbrachten Weine, die in den nächsten Jahrzehnten als Referenzen des klassischen Burgunds gesehen werden.

Foto

Momente zum Strahlen gab es in der vergangenen Woche viele – hier während des Tastings bei Seguin-Moreau in Chagny