Archiv für den Monat: Juli 2014

chardonnay und sauvignon blanc – zwischen klassik und avantgarde

Eine spannende Weinprobe, welche ich am letzten Freitag im Restaurant Caroussel im Bülow Palais Dresden leitete, zeigte die Vielfalt an Styles und aktuelle Entwicklungen dieser beiden Global Player. Zwölf Weine repräsentierten verschiedene Böden, klimatische Bedingungen und Klone sowie unterschiedliche Methoden und Techniken im Weinberg und im Keller.

Jürgen Hofmann, Sauvignon Blanc “Laurenzikapelle” 2012, Rheinhessen - 19 Jahre alte Reben in der Einzellage St. Laurenzikapelle in Gau-Algesheim, Muschelkalkböden, Maischestandzeit 36 h, spontan vergoren im 1 x 1.200 l Holzfass, 2 x 500 l Fässern und 4 x Barriques, langes Hefelager ohne Abstich, eine Filtration vor der Abfüllung – grüne Exotik, florale Noten, dezentes Holz, viel Schmelz, eingebundenen Säure, mittlere Länge, bereits perfekt zu trinken, jetzt bis 2017 – 16,0

Clos Henri, Sauvignon Blanc 2012, Marlborough - Anlage der Weinberge in 2000, Grauwacke und  lehmhaltige Böden, organische Bewirtschaftung, Vergärung zwischen 15-18°C in  95% Edelstahl und 5 % gebrauchten Barriques, 8 Monate Hefelager auf der Feinhefe mit Aufrühren, grobe Filtration vor der Abfüllung – zeigt deutlich seine “französische Herkunft”, zurückhaltender im Vergleich zu vielen anderen Kiwis, prägnante Säure, texturiert, mittlerer Körper, gute Balance, gut, aber ohne wirkliche Brillanz – jetzt bis 2018 – 15,5

Didier Daguenau, Silex 2010, Pouilly-Fumé - 35-60 Jahre alte Weinberge, Kalk-Lehm-Böden mit hohem Anteil von Siliziten (Feuerstein), Culture raisonnée, Vergärung mit neutralen Hefen und Ausbau über 12 Monate auf der Feinhefe in Demi-Muids (500 l Fässer), Weiterer Ausbau über 6 Monate in Edelstahl bis zur Abfüllung – viel Würze, später ätherische Noten, Wiesenblumen, komplex, braucht viel Zeit und Luft zur Entwicklung, kraftvoller Körper, maskulin, konzentriert, zeigt die Vielseitigkeit von SB (Struktur versus Frucht), lang, braucht noch ein paar Jahre, um das volle Potential zu zeigen – 2016 – 2030 – 18,0++

Josef Fritz, Chardonnay Grande Reserve Steinberg 2012, Wagram - Urgestein Verwitterungsböden, Süd-Ost-Ausrichtung, Spontangärung und partieller Säureabbau in Barriques, 50% neue Fässer, anschließend Hefelagerung bis Ende März, Abzug und weiterer Barriqueausbau bis Mitte September, eine Filtration vor der Abfüllung im November – reife Frucht, Karamell-Touch, füllig, ohne jedoch behäbig zu wirken, perfekt integriertes Holz, gute Länge – jetzt bis 2020 – 16,5

Uva Mira, Single Vineyard Chardonnay 2010, Stellenbosch - Alter der Reben 15 Jahre, verschiedene Klone, Unterlagsreben R99, 550 m Höhe, Granit- und Schieferböden, leichtes Pressen – nur Nutzung des frei ablaufenden Mostes, teilweise Ganztraubenpressung, Spontanvergärung, Vergärung und Ausbau über 11 Monate in französischer Eiche mit gelegentlichen Hefesatzaufrühren, partieller Biologischer Säureabbau, leichte Filtration – Fokussiert, geschliffene Frucht, mittlerer Körper, vibrierende Säure, seidige Textur, elegant, lang, überzeugender Wein – jetzt bis 2020 – 17,0

De Martino, Quebrada Seca Chardonnay 2010, Limari Valley - Weinberg in 19 km Entfernung vom Pacific, Kalk, Lehm und Siltböden, Handlese, temperaturkontrollierte Vergärung, Ausbau über 11 Monate in französischen Barriques – Markante Frucht, exotische Noten, mittlerer Körper, soft, seidig, vermisst etwas Struktur und Biss – jetzt bis 2016 – 15,0-

Domaine de Chevalier blanc 2006, Péssac-Léognan - Kies-Lehmböden, Alter der Weinberge durchschnittlich 30 Jahre, nachhaltige Bewirtschaftung, 70% Sauvignon Blanc, 30% Semillon, Schonende Direktpressung, Abkühlung des Mostes auf 16-18 °C, 24 h Debourbage, Vergärung und Ausbau in zu max. 30% neuen französischen Barriques bei max. 25 -27°C, Ausbau 22 Monate, davon 18 – 19 Monate auf der Hefe mit Bâtonnage – dezente Altersnoten, Sahnebonbons, kandierte Früchte, mittlerer Körper, perfekt strukturiert, feinsinnig, zeigt mehr Fülle und Textur im Vergleich zu anderen Jahrgängen, ohne deswegen an Energy zu verlieren, lang – jetzt bis 2030 – 18,5

Robert Mondavi Winery, Fumé blanc 2010, Napa Valley - Verschiedene Weinberge im Napa Valley u.a. Stags Leap District und Oakville District, 96% Sauvignon Blanc, 4% Semillon, Handlese, Ganztraubenpressung, kühle Vergärung in Edelstahl, 9 Monate Ausbau auf der Hefe in französischen Barriques, zweimal monatlich Battonage – deutliche, jedoch integrierte Holznoten, Lemonfruit, Stachelbeere, zeigt Drive, Balance und gute Länge, sicherlich nicht der Terroirwein par excellence dafür aber mit hohem Spaßfaktor – jetzt bis 2017 – 16,0

 Castell d´Encus, Taleia 2011, Costers del Segre - Neuanlage der Weinberge in ersten Ausläufern der Pyrenäen in 850 – 1.000 m Höhe, Alter der Reben 10 Jahre, verschiedene Klone und Unterlagen u.a. Loire Klone für Sauvignon Blanc, 80% Sauvignon Blanc, 20% Semillon, Handlese, manuelle Selektion der Trauben, Vergärung in einem Mix aus Edelstahl, Holz und Stein, neutrale Hefen, Partieller Ausbau in französischen Barriques, kein biologischer Säureabbau, 9 Monate Flaschenlagerung nach der Abfüllung – zurückhaltend, im ersten Moment fast karg, später florale und  würzige Nuancen, keine Zugeständnisse an moderne SB Profile – wenn man es nicht wüsste, ist es schwer den SB zu erkennen, sehr eigenständiger Wein, mittlere Länge – jetzt bis 2018 – 16,5

Domaine Billaud-Simon, Vaudesir Grand Cru 2006, Chablis - Alter der Reben 15 – 20 Jahre, Kimmeridge Kalkböden, kontrollierte Vergärung in Edelstahl, biologischer Säureabbau, Ausbau der Weine auf der Feinhefe in gebrauchten Holzfässern – dezente Reifenoten, weißer Pfirsich, würzig-steinige Nuancen, kraftvoll, konzentriert, gute Balance und Länge, fehlt es vielleicht etwas an Strahlkraft und Glanz für einen ganz großen Wein – jetzt bis 2022 – 17,5

Pierre Yves Colin-Morey, En Remilly 1er Cru 2008, St-Aubin - Culture raisonnée Bewirtschaftung der Weinberge, Vergärung und Ausbau der Weine in 350 – 500l Fässern aus französischer Eiche, Ausbau auf der Hefe ohne Battonage, minimale Filtration – akzentuierte, glasklare Frucht, perfekt eingebundenes Holz, mittlerer Körper, rasiermesserscharfe, jedoch balancierte Säure, präsentiert sich wie ein flüssiger Edelstein, zeigt das Können seines Machers und das Potential des weißen Burgunds abseits der großen CPM-Lagen – jetzt bis 2020 – 17,5

Domaine André et Mirelle Tissot, Les Bruyères 2007, Arbois - Alter der Reben 35 – 70 Jahre, Böden aus Trias Mergel, biodynamischer Anbau, Vergärung und Ausbau über 24 Monate auf der Hefe in französischen Barriques, davon 20%  neues Holz, leichte Filtration, minimale SO2 Zugabe – Bernsteinfarben, entwickelt, nussige Nuancen, reifer Apfel, mittlerer Körper, gute Konzentration, eigenständig – jetzt bis 2017 – 16,5