Archiv für den Monat: März 2015

Burgund 2013

Wieder ein Jahr mit großen Herausforderungen. Nach dem Achterbahnjahrgang 2012 hoffte wohl jeder in Burgund auf die Rückkehr zu ein bisschen mehr Normalität. Schon im Frühjahr zerschlugen sich jedoch diese Hoffnungen. Ein extrem kaltes und nasses Frühjahr resultierte wie in anderen Regionen in einem verspäteten und unregelmäßigen Fruchtansatz, reduzierte damit frühzeitig die Erträge und führte zu Millanderage (Kleinbeerigkeit). Im Sommer attackierten dazu falscher und echter Mehltau die Weinberge auf gesamter Front. Es liegt fast in der Ironie der Geschichte, dass die Milleranderage der Retter des Jahrgangs war. Wer seine Hausaufgaben im Weinberg machte, konnte so trotz der widrigen Bedingungen konzentrierte und gesunde Trauben im Herbst in die Keller bringen.

Bei moderaten Temperaturen in der Endphase reiften Trauben mit hohem Aromapotential und kräftiger Säure heran. Die Lese war logischerweise entsprechend spät. In der Côte de Nuits wurde Anfang Oktober mit der Lese begonnen – über zwei Wochen später als normal. Eine Selektion im Weinberg und im Keller war wichtiger den je. Dies reduzierte natürlich weiter die Erträge – unter dem Strich liegen die Einbußen bei rd. 30%.  In der Côte de Beaune wurden zusätzlich die Erträge durch einen Hagelsturm im Juli reduziert – Ertragsausfälle bis zu 90% waren hier keine Seltenheit.

Am letzten Montag war im traditionsreichen Château du Clos de Vougeot die Gelegenheit, die Weine dieses nervenzerfetzendes Jahrgangs aus den Gemeinden Vosne, Chambolle und Morey St-Denis unter die Lupe zu nehmen.  Die besten Weine überzeugen durch aromatische, auf den Punkt reife Frucht sowie viel Energie und Präzision. Hohe Säurewerte und ein niedriger pH versprechen  – trotz moderater Tanninlevel im Vergleich zum Vorgängerjahr – ein gutes Reifepotential. Es sind keine Blockbuster, sondern linear strukturierte Weine mit Sinnlichkeit und klarem Herkunftscharakter. Wer auf schlanke elegante Weine steht, kommt in diesem Jahrgang voll auf seine Kosten. Wie meistens in marginal reifen Jahren sieht man deutliche Unterschiede entsprechend der Qualitätshierachie vom Bourgogne rouge bis zum hinauf zum Grand Cru sowie zwischen den einzelnen Produzenten.

An der Spitze finden sich bekannte Namen: die Weine von Perrot-Minot, Cathiard und Anne Gros gehören sicherlich zu den Stars des Jahrgangs. Überraschend auch der Bourgogne Rouge von Anne Gros, der Maßstäbe in diesem Segment setzt. Grivot, Hubert Lignier, Dujac, Meo-Camuzet (deutlich weniger Holz als üblich) sowie Bruno Clavelier überzeugten ebenfalls mit ihren Weinen. Wenig überzeugend präsentierte sich Gros, Frere et Soeur – bis auf den Richebourg wurde die Subtilität des Jahrgangs zumindest im derzeitigen Stadium von zuviel neuem Holz erdrückt. Darüber hinaus gab es jedoch auch viel Mittelmaß mit substanzarmen, einfachen und unbalancierten Weinen – enttäuschend für das Renommee und die entsprechenden Preise. Nachfolgend einiger meiner Favoriten vom Montag:

Außergewöhnlich

Anne Gros, Richebourg Grand Cru (19,0) – der zarteste, kristallinste und sinnlichste Richebourg, den ich je von Anne Gros verkostet habe – Pinot Noir in Perfektion

Hervorragend

Sylvain Cathiard, Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts (18,5)

Dujac, Clos de la Roche Grand Cru (18,0)

Perrot-Minot, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (18,0+)

Perrot Minot, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (18,0)

Anne Gros, Clos de Vougeot Grand Cru (17,5++)

Ausgezeichnet 

Bruno Clavelier, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (17,0+)

Bruno Clavelier, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (17,0)

Faiveley, Clos de Vougeot Grand Cru (17,5)

J. Grivot, Echezeaux Grand Cru (17,5)

J. Grivot, Clos de Vougeot Grand Cru (17,0)

J. Grivot, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (17,0)

Anne Gros, Echezeaux Grand Cru (17,5)

Gros, Frère et Soeur, Richebourg Grand Cru (17,0)

Hubert Lignier, Chambolle-Musigny 1er Cru Les Baudes (17,5)

Jacques Prieur, Musigny Grand Cru (17,0++)

Clos de Tart Grand Cru (17,5+)

Taupenot-Merme, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (17,0)

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Traditionsreiche Stätte: Château du Clos de Vougeot

Tasting Notes Fine Wines of Australia 07.03.15

Meerea Park, Epoch Semillon 2005, Hunter Valley – Entwickelte Nase / Toastnoten / schlank / mittlere Säure / balanciert / klassischer, gut gemachter HV Semillon / ausgereift, aber hält sich / jetzt bis 2020 / 15,5

Grosset, Watervale Riesling 2000, Clare Valley – Kandierte Früchte / Lemon / Kerosin / komplex / mittlerer Körper / fast salzige Mineralität am Gaumen / gute Länge / jetzt bis 2018 / 16,0

Churchview Estate, St Johns Marsanne 2010, Western Australia -Gelbe Früchte / florale Noten / partly oak / seidige Textur / mittlere Säure / gut gemachter Mainstream Style / jetzt bis 2018 / 14,5

Shaw & Smith, M3 Chardonnay 2008, Adelaide Hills – Verkörpert die neue Chardonnay Generation in Australien / Burgundische Finesse / fokussiert / komplex / gute Länge / hält sich / jetzt bis 2020 / 17,0

Mayer, Pinot Noir Bloody Hill 2012, Yarra Valley – Australischer Pinot Noir mit deutschen Wurzeln / geradliniger, ehrlich gemachter Wein / pure / rote Früchte / dezentes Holz / lebendig / gute Frische / jetzt bis 2020 / 16,0

Penfolds, BIN 138 Shiraz-Grenache-Mourvedre 1998, Barossa Valley – Entwickelt / süße Würze / Toffee / soft /  ausgewogen / mittlere Länge / Penfolds setzt auch in diesem Segment Maßstäbe / jetzt bis 2020 / 17,0

Penfolds, Magill Estate Shiraz 1999, South Australia – Reichhaltige, auf den Punkt reife Frucht / Schwarzkirsche / besitzt Schmelz, seidige Textur und Finesse / Classic Magill / jetzt bis 2022 / 17,5

Tahbilk, 1860 Vines Shiraz 1991, Nagambie Lakes – Facettenreiche Nase / Würze / Wildnoten / schlank / muskulös / elegant / gute Länge / unverwechselbarer, fast “europäischer” Style / jetzt bis 2020 / 17,5+

Ben Glaetzer, Shiraz Amon Ra 2011, Barossa Valley – Sehr reife Frucht / Maulbeeren / opulent / dicht / kräftiger Alkohol 15,5 % / wirkt behäbig und macht zumindest im jetzigen Stadium nicht viel Spaß / 2017 – 2025 / 15,0

Cullen Wines, Diana Madeleine Cabernet-Merlot 2003, Margaret River – Akzentuierte Frucht / pflaumige Nuancen / balanciertes Holz / elegant / sehr sinnlicher Wein / vermisst nur etwas die gewohnte Tiefe und Länge / jetzt bis 2025 / 17,0

Wynns, John Riddoch Cabernet Sauvignon 1994, Coonawarra – Schwarze Früchte / Tabak / strukturiert / festes Tannin / viel Grip / lang / perfekte Verkörperung des Connawarra Cab / jetzt bis 2022 / 17,5+

Campbells, Merchant Prince Rare Rutherglen Muscat, Rutherglen - Komplex / Feige / Datteln / orientalisches Gewürz / soft / intensive aber balancierte Süße / gute Länge / ausgereift / 16,0

Fine Wines of Australia

In Dresden hüpft heute das Wein-Känguru – eine Master Class gibt Einblicke in die Weinwelt von Down Under. Zum Probieren gibt´s einige Ikonen wie Tahbilk 1860 Shiraz, Penfolds Magill Estate oder Cullen Diana Madeleine. Die vollständige Liste findet Ihr unten, Tasting notes folgen dann morgen. Cheers!

Blue Pyrenees Estate, Vintage Brut 2009 – Pyrenees, Fox Creek, Vixen Sparkling Shiraz-Cabernet NV, McLaren Vale – Meerea Park, Epoch Semillon 2005, Hunter Valley – Grosset, Watervale Riesling 2000, Clare Valley – Churchview Estate, St Johns Marsanne 2010, Western Australia – Shaw & Smith, M3 Chardonnay 2008, Adelaide Hills – Mayer, Pinot Noir Bloody Hill 2012, Yarra Valley – Penfolds, BIN 138 Shiraz-Grenache-Mourvedre 1998, Barossa Valley – Penfolds, Magill Estate Shiraz 1999, South Australia – Tahbilk, 1860 Vines Shiraz 1991, Nagambie Lakes – Ben Glaetzer, Shiraz Amon Ra 2011, Barossa Valley – Cullen Wines, Diana Madeleine Cabernet-Merlot 2003, Margaret River – Wynns, John Riddoch Cabernet Sauvignon 1994, Coonawarra – Campbells, Merchant Prince Rare Rutherglen Muscat, Rutherglen

Nebbiolo aus Sachsen

Sächsischer Barolo? Auch wenn er sich natürlich so nicht nennen darf – unter der Hand wird dieser Wein aus der Schwarz´schen Manufaktur so bezeichnet. Sicherlich einer der abgefahrensten Weine, die es derzeit in Sachsen gibt. Ein Wein, der Spannung, Struktur und Finesse besitzt – wie auch die anderen Weine aus der Hand von Grit und Martin Schwarz. Und ist sehr rar: nur 100 Flaschen gibt es vom Erstlingswein der Jahrgänge 2011 und 2012. Klar kommt schnell die Frage auf: Wer braucht das, macht es Sinn in Sachsen Nebbiolo anzubauen, wo doch heute jeder von regionaler Identität redet? Nun, man muss kaum fürchten, dass es jetzt ein Nebbiolo-Invasion in Meißen & Co zu Lasten alteingesessener Rebsorten geben wird. Auf der anderen Seite ist Sachsen mit seinem großen Rebsorten-Mix im Verhältnis zu seiner kleinen Fläche sowieso Multi-Kulti. Und wir zeigen damit, das wir Sachsen doch ein weltoffenes Volk sind. Auch wenn Montags ein kleiner Teil die Welt vom Gegenteil überzeugen will…..

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor

Martin Schwarz stellt seine Weine in der LA VINOTHEQUE in Freiberg vor