Archiv für den Monat: Juli 2015

Quo vadis Südsteiermark?

Die Südsteiermark war für mich der letzte weiße Fleck in Österreichs Weinwelt. Längst überfällig war daher ein Trip in den Süden unseres Nachbarlandes. Letzte Woche war es endlich soweit. Bei rekordverdächtigen sommerlichen Temperaturen erkundete ich mit einigen Weinfreunden Land, Leute und Weine und wir versuchten für uns zu klären, wofür die Südsteiermark heute stilistisch steht. Deutlich zeigte sich, dass spätestens mit dem Generationswechsel in den STK-Betrieben (STK – Steirische Terroir und Klassik Weingüter) ein neues Kapitel in der Südsteiermark aufgeschlagen wurde und der Fokus klar auf der Herausarbeitung gebiets- und lagenspezifischer Charakteristiken liegt.

High Energy

High Energy

Basis dieser Profilierung ist die mit dem VDP-Modell vergleichbare vierstufige Klassifikation, an deren Spitze die Erste STK Lage und Große STK Lage stehen. Im Mittelpunkt dieser Identitätsschärfung stehen dabei vorallem Sauvignon Blanc und Chardonnay (Morillon). Eine vergleichende Probe steirischer Chardonnays (u.a. Polz, Gross, Tement, Sattler, E. Sabathi) mit internationalen Weinen zeigte deutlich, dass sich qualitativ viele Weine ohne weiteres mit der internationalen Spitze messen können. Deutlich kam allerdings auch heraus, dass zumindest bei Chardonnay eine steirische Gebietstypizität nicht ohne weiteres erkennbar ist. Zu weit lagen Philosophien und deren stilistische Umsetzung im Keller bei den beteiligten Winzern auseinander. Die extreme Heterogenität der Böden und kleinklimatischen Bedingungen in der Südsteiermark unterstreicht zusätzlich diese Herkulesaufgabe, einheitliche Merkmale übergreifend für alle Weinen zu finden. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum bisher keine DAC für die Südsteiermark existiert.

Perfektionist: Erwin Sabathi

Perfektionist: Erwin Sabathi

Auch an der Spitze der Qualitätspyramide ist sicherlich ein weiterer Abgrenzungsprozess erforderlich. Nicht in jedem Fall waren bei den probierten Weinen die qualitativen Unterschiede zwischen Erster STK Lage und Großer STK Lage ersichtlich oder ein Lagencharakter klar erkennbar. Die Kriterien für eine Einstufung in die beiden Top Kategorien sind teilweise zu ungenau und erfordern eine Feinjustierung. Letztendlich ist es notwendig, für jede Einzellage Eigenschaften zu definieren, die sich qualitativ und sensorisch unverkennbar im Wein wiederspiegeln. Insofern ist genug Entwicklungspotential für die Zukunft gegeben. Ich bin mir sicher, dass sicherlich nicht lange entsprechende Ergebnisse auf sich warten lassen, wenn man sich die Motivation und Dynamik in den führenden Betrieben anschaut. Mein Fazit dieses einwöchigen Trips: eine Menge toller Weine, super Gespräche mit Winzern, die “Wein leben” und dazu die Erkenntnis, dass die Südsteiermark das Zeug hat, ganz oben mitzumischen.

Authentisch: Katharina Tinnacher

Authentisch: Katharina Tinnacher

Carignan at its best

Carignan hat sich in den letzten Jahren etwas vom Schnuddel-Image befreien können. Mit wenigen Ausnahmen zählt sie aber nach wie vor zu den Underperformern in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei zeigen eine stetig zunehmende Anzahl an Weinen, welches Potential diese Rebsorte des Südens hat. Wer noch einen Beweis sucht, sollte den Lo Vièlh Carignan 2012 vom Clos du Gravillas aus St-Jean de Minervois probieren. Organische Bewirtschaftung der Weinberge, über 100 Jahre alte Reben auf extrem steinigen Böden, reduzierte Erträge (rd. 20hl/ ha) und low interventation winemaking ergeben einen Wein, der fast burgundische Züge trägt. Animierende Nase mit Noten von Sauerkirsche und Berberitzen sowie floralen Nuancen, im Mund perfekt balanciert mit feinkörnigen Tannin und viel Energie und Frische. Macht bereits jetzt unheimlich Spaß, aber besitzt durchaus das Potential für einige Jahre Flaschenreife. Chapeau Nicole & John!

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