Archiv für den Monat: August 2015

Scheu & racy

Im kommende Jahr feiert die nach ihrem Erfinder Georg Scheu benannte Rebsorte ihren 100. Geburtstag. Fast könnte man meinen, der Name der Scheurebe ist mittlerweile Programm. Seit Mitte der 90iger Jahre hat sich die Anbaufläche dieses einst so erfolgreichen Newcomers mehr als halbiert. Entgegen dem allgemeinen Trend trotzen die Bastionen Pfalz und Rheinhessen, wo die Scheurebe nach wie vor für viele Weingüter ein unverzichtbarer Bestandteil im Rebsorten-Portfolio ist. Eine der qualitativen Hochburgen ist das Weingut Pfeffingen. Faszinierend ist der süße Edelstoff, der Jahr für Jahr diesen mit römischer Historie gespickten Platz zwischen Bad Dürkheim und Ungstein verlässt. Interessant ist jedoch auch eine ganze andere Interpretation der Scheurebe, die das Potential für “ernsthafte” trockene Weine dieses Aromenbündels beweist. Die Scheurebe SP schlägt dabei den Bogen zu einer der früheren Stationen von Mitinhaber Jan Eymael. Inspiriert von seiner Zeit bei Château Smith Haut Lafitte in Péssac-Léognan vergärt er die Scheurebe ganz nach dem Vorbild der großen weißen Bordeaux´s in neuen Barriques. Eine gestaffelte selektive Lese sowie eine Maischestandzeit für mehrere Stunden sind die Basis für ein komplexes Aromenpotential und bilden den notwendigen Kontrastpunkt zum neuen Eichenholz. Heraus kommt ein Wein, der sinnliche Frucht mit feiner Holzaromatik verbindet und unter seiner Kashmir-ähnlichen Textur eine fein abgestimmte mobilisierende Säure verbirgt, welche Dynamik und Spannung bis zum letzten Genussmoment garantiert.

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Weine mit Kopf

Hinter den sieben Bergen liegt das kleine Südburgenland. Die wenigsten Besucher des Burgenlandes schaffen es bis hierher. Nicht nur des langen Weges wegen; die oft fast übermächtige mediale Präsenz der größeren Nachbarn lässt kaum Platz für eine nachhaltige Wahrnehmung. Und lässt Spielraum für Entdeckungen. Eine davon ist Thomas Kopfensteiner.

Blaufränkisch Visionär: Thomas Kopfensteiner

Blaufränkisch Visionär: Thomas Kopfensteiner

Fünfzehn Hektar beschäftigt das Familienweingut, acht Hektar liegen am historisch bedeutenden Eisenberg, der direkt im Grenzgebiet zu Ungarn liegt. Paradelagen sind Szapary, Saybritz und Reihburg, unterschiedlich in der Höhe und Zusammensetzung der Böden. In beeindruckender Weise gelingt es Thomas, den unterschiedlichen Charakter der Lagen herauszuarbeiten und die zahlreichen Facetten der Leitsorte Blaufränkisch zu zeigen. Gemeinsam ist allen Weinen ein hohes Mass an Frische, Eleganz und Finesse – Attribute, die man leider (noch) immer noch zu wenig im zeitgenössischen Blaufränkisch sieht. Deutlich zu sehen ist die Entwicklung, welche die Kopfensteiner Weine in den letzten Jahren genommen haben. Weniger Holz, dafür mehr Spannung und Ausdruckskraft sind deutlich wahrnehmbar und gipfeln in der 2012er Kollektion, die künftig die Benchmark für Thomas sein wird. Gewinner des Lagentrios am Eisenberg ist in diesem Jahrgang für mich der Blaufränkisch Saybritz, der sich ohne Übertreibung zum absoluten internationalen Spitzensegment zählen darf.

Faszinierender Eisenberg

Faszinierender Eisenberg