Archiv für den Monat: Januar 2016

State of the Wine Industry Report 2016

Der am Donnerstag erschienene State of the Wine Industry Report 2016 der Silicon Valley Bank prognostiziert einige dunkle Wolken am Weinhimmel der USA. Das erste Mal seit 20 Jahren wird der Konsum von Wein zurückgehen ist eine der Kernaussagen dieses jährlich erscheinenden Reports, der ein umfassendes Bild der Weinbranche in den USA zeichnet. Schuld daran ist unter anderem die Generation der Baby Boomer, die in die Jahre gekommen ist und nicht mehr soviel Wein verträgt. Nachfolgegenerationen wie die mit hohen Erwartungen versehene Generation Y (oder Millennials) können – zumindest momentan – den Rückgang nicht auffangen. Positiv ist, dass nach wie vor das Premium- und Fine Wine-Segment wächst – wenn auch mit weniger Tempo als in den letzten Jahren.

Den vollständigen Report gibt´s hier.

Bordeaux 2011

Ein Jahrgang in der jüngeren Bordeaux-Geschichte mit vielen Herausforderungen – sowohl klimatisch als auch kommerziell. Nach einer heissen und trockenen Phase, die mit wenigen Unterbrechungen bis Mitte Juli anhielt, drehte sich das Wetter im Sommer abrupt. Die Temperaturen stürzten in den Keller, begleitet von heftigen Regenfällen. Zu Beginn war der Regen aufgrund der langen Trockenperiode willkommen – bald jedoch verfinsterten sich die Mienen der Winzer. Der August blieb kalt und feucht, dazu gesellte sich Anfang September erneut viel Niederschlag, im nördlichen Médoc teilweise als Hagel. Wer es schaffte, über diese Phase zu kommen, kam in den Genuss eines sonnigen Herbstes, in dem die Trauben schließlich doch noch ausreifen konnten. Châteaux mit ungünstigen Terroirs oder fehlender Präzision im Weinbergsmanagement waren jedoch aufgrund der beginnenden Fäulnisgefahr gezwungen vor der optimalen Reife zu lesen. Neben gedämpften qualitativen Erwartungen wurden auch die Mengenprognosen nicht erfüllt. Aufgrund des trockenen Wetters im ersten Teil des Sommers waren die Beeren klein und hatten wenig Saft. Im Umkehrschluss resultierten daraus Weine mit tiefer Farbe und viel Tannin. Wer zu intensiv während der Vergärung extrahierte, riskierte harte und unbalancierte Weine. Der Extrakt anderer Jahrgänge wie beispielsweise 2010 war schlichtweg nicht vorhanden. Der Schlüssel zum 2011er ist im Endergebnis eher Frucht und Ausgewogenheit statt zuviel Struktur und Power. Nach den beiden Super-Jahrgängen 09 und 10 folgte dann auch die Ernücherung am Markt. Der Verkauf en primeur war nur noch ein Schatten vergangener erfolgreicher Kampagnen, was aber neben eher mäßigen Bewertungen auch an viel zu hohen Preisen lag.

Das Claret Tasting am Institute of Masters of Wine Ende des letzten Jahres war die perfekte Gelegenheit, mit etwas zeitlichen Abstand die Weine neu bewerten und zu schauen, ob vielleicht aus heutiger Perspektive ein Value-Jahrgang im Keller liegt. Um es vorweg zu nehmen: viele Weine zeigten auf nachhaltige Weise die Probleme des beschriebenen Witterungsverlaufes. Unreife Frucht, spitzes Tannin, unbalanciert oder fehlender Extrakt waren häufige Begleiter in meinen Tasting notes. Wirkliche Kaufempfehlungen gibt es kaum, zumal mit dem 2012er ein qualitativ wesentlich interessanterer Jahrgang bei gleichen Preisen am Markt zur Verfügung steht. Grandios waren dafür einige der verkosteten 2011er Sauternes und Barsac, angeführt von einem wirklich himmlichen Yquem. Nachstehend meine 2011er Favoriten – ein Blick auf die Weine zeigt, das Pauillac ein heisser Anwärter auf den Appellationssieg ist.

Left Bank

Pontet-Canet – sehr fokussiert / aromatische Tiefe / strukturiert / viel Frische / lang / 17,5++

Mouton-Rothschild – verschlossen / viel neues Holz / fleischig / kompakt / gute Substanz / 17,5+

Haut-Brion – sehr präzise gearbeitet / feinkörniges Tannin / lang / 17,5

Pichon-Comtesse – komplexe Nase / ätherische Nuancen / viel Frische / gute Länge / 17,0+

Lafite-Rothschild – moderat reife Frucht / minty touch / eleganter Style / mittlere Länge / 17,0

Pichon-Baron – knackige Frucht / reifes Tannin / sehr gut balanciert / 17,0

Leoville-Barton – im Moment sehr holzgeprägt / fest / gute Struktur und mittlere Länge / 17,0

Grand-Puy Lacoste – zurückhaltend / viel Grip am Gaumen / strukturiert / gutes Entwicklungspotential / 17,0

Lynch Bages – aromatische dunkle Frucht / balsamischer Touch / poliertes Tannin / 17,0

Calon-Segur – spicy / auf den Punkt reife Frucht / feinkörniges Tannin / mittlere Länge / 16,5

Margaux – zurückhaltende Nase / mittelgewichtig / zeigt gute Anlagen, aber momentan schwierig zu beurteilen / (16,5 -17,0)

Right Bank*

Cheval Blanc – Fast schlank / fein ziselierte Frucht / von viel Frische getragenes Finale / 17,0+

La Conseillante – feinduftige Nase / balanciertes Holz / geschliffenes Tannin / mittlere Länge / 16,5+

Sauternes & Barsac

Yquem – pure / konzentrierte aber unwahrscheinlich feine Frucht / seidige Textur / perfekte Balance zwischen Süsse, Säure und Extrakt / sehr lang / Stoff zum Träumen und für die Ewigkeit / 19,0+

Doisy-Daene – Grapefruit / fokussiert / weiche Textur / vibrierend / eleganter Style / 18,0

Climens – sehr holzgeprägt in in diesem Stadium / etwas vordergründige Süsse / im Finale dann viel Frische und Extrakt / braucht definitiv Zeit / (17,5)

*Tasting ohne Latour und Ausone sowie die Top Estates aus Pomerol