Schlagwort-Archiv: Bordeaux 2012

Turbulenter Wochenauftakt in der Primeur Kampagne 2012

Nachdem Lafite schon am Freitag erwartet wurde, war es dann heute morgen soweit:  mit 340 EUR deutlich unter 2011 (420 EUR) aber noch deutlicher über 2008 (130 EUR). Wenig später folgten mit L ‘Evangile und Duhart Milon weitere Weine der Domaines de Rothschild. L ‘Evangile kostet mit 100 EUR exakt soviel wie in 2011, Duhart Milon nahm mit -7% einen kleinen Abschlag vor. Bei L ‘Evangile kann man die Preisfindung angesichts hoher Bewertungen vielleicht noch nachvollziehen, bei einem nur durchschnittlichen Durhart allerdings nicht mehr – eine Kaufempfehlung ist das nicht. Im Schatten der Rotschilds erschienen heute noch rd. zehn weitere Weine, wobei Sociando Mallet (19.20 EUR, -6% 2011) und Ferriere aus Margaux (18.00 EUR) zu den bekannteren Chateaux gehörten.

Fulminanter Start der Primeur Kampagne 2012

Was sich diese Woche schon andeutete, wurde heute Wirklichkeit: die ersten Schwergewichte erscheinen am Markt, darunter mit Mouton der erste Premier Cru. Eine Ansage an die anderen Premiers ist der Preis: 240 EUR ex cellar sind immerhin – 33% zum 2011er, allerdings immer noch + 100% zum 2008, der für viele als Vergleichsjahrgang dient. Ebenfalls erschienen ist    Rauzan Segla, mit 36,50 EUR ein richtiger Value Wein – der gleiche Preis wie 2008. Lynch Bages als Dritter im Bunde senkte nur geringfügig den Preis: 60 EUR ex cellar bedeuten -13% zum 2011 und +88% zum 2008er. Zu teuer, wie ich finde – mal sehen, ob Lynch Bages seine Abnehmer finden wird.

Bordeaux 2012 – Teil 2

Ein klassisches Merlot Jahr

Jahrgänge mit später Lese begünstigen Merlot, da dieser im Vergleich zu den beiden Cabernet’s eher ausreift. Das war in 2012 definitiv ein Vorteil, da die meisten Merlot Weinberge vor dem Wetterumschwung Mitte Oktober bereits gelesen waren. Davon profitierten vor allem die Produzenten der Right Bank. Pauline Vauthier (Château Ausone) berichtete, das mit Ausnahme von Chateau Ausone die anderen Weine der Familie Vauthier einen grösseren Anteil an Merlot im Blend als gewöhnlich haben. Ein Freibrief war dies für die Right Bank allerdings nicht. Es gab durchaus Produzenten, die aufgrund des langsamen Reifeverlaufs kalte Füße bekamen und zu zeitig mit der Lese begannen, was in mageren und unreifen Weinen resultierte. Auch in der Left Bank schnitt Merlot tendenziell besser ab und spielte eine dominantere Rolle als sonst. Château Haut Brion verwendete für den Grand Vin 65,5% Merlot, was einen absoluten Spitzenwert darstellt. Natürlich wurden in Toplagen auch perfekt reife Cabernet’s eingebracht – insgesamt war die Schwankungsbreite jedoch größer als bei Merlot.

Fact Sheet Gruaud Larose

Fact Sheet Gruaud Larose

Der Stil des Jahrgangs

Dekadente Frucht ist eines der Kennzeichen des 2012ers. Viele Weine zeigen schon in der jetzigen Phase eine entgegenkommende und sinnliche Aromatik. Die Farbe ist bei vielen Weinen sehr tief – ein Resultat der Trockenperiode im Sommer, was zu kleinen Beeren mit einem hohen Schalen-Saft Ratio führte. Die besten Merlot’s besitzen seidige Textur und viel Schmelz, dazu moderateren Alkoholgehalt und mehr Energie als in den letzten Jahren. Die Cabernet betonten Weine sind linear und präzise und erinnern in ihrer Grundstruktur an 2008. Viele Weingüter verwendeten aufgrund des eher fruchtbetonten Charakters des Jahrgangs weniger neues Holz. Insgesamt hat der 2012er nicht die massive und konzentrierte Tanninstruktur, was tendenziell auf ein geringeres Alterungspotential schließen lässt. Auf der anderen Seite meint Paul Pontallier (Châteaux Margaux), das der Grand Vin „one of the most powerful wines in the last decades˝ ist und das Potential für 50 Jahre Flaschenreife hat. Die trockenen weißen Bordeaux sind schlanker als der Vorgängerjahrgang, haben vielleicht nicht dessen Komplexität, dafür aber viel Frische und Vibrancy. Für die meisten Sauternes und Barsac war es ein Desaster. Die Edelfäule stellte sich nur schleppend ein und die Weine präsentieren sich eher floral und schlank.

Die Stars des Jahrgangs

Sicherlich begünstigte der Wetterverlauf die Regionen der Right Bank, aber die Schere geht in allen Appellationen weit auseinander. Einmal mehr zeigten bei den Premier Crus der Right Bank Ausone und Cheval Blanc ihre Klasse, in Pomerol gehören Eglise Clinet und La Conseillante zur absoluten Spitze und erbrachten Wein zum Träumen. Petrus und Lafleur habe ich nicht verkostet, gehört aber nach Aussagen von Kollegen ebenfalls auf den Thron. In der Left Bank ist einmal mehr Pontet Canet ganz weit vorn: die Vorgaben des Jahrgangs wurden perfekt umgesetzt und ein unheimlich eleganter und tiefsinniger Wein produziert. Knapp dahinter sind viele Weine auf gleichem Niveau, u. a. Mouton, Margaux oder Palmer.

Uberzeugt auf der ganzen Linie: Denis Durantou, Eglise Clinet

Uberzeugt auf der ganzen Linie: Denis Durantou, Eglise Clinet

Der Markt

Die Vorzeichen sind alles andere als rosig. In vielen Kellern der Bordelaiser Negociants liegen noch eine Menge unverkaufter 2011er, einige Händler berichten von bis zu 60%. Die Weltkonjuktur zeigt sich auch nicht vom besten, Emerging Markets wie China kaufen auch mittlerweile wesentlich zurückhaltender und selektiver. Die Weingüter selbst sind überwiegend optimistisch und hoffen auf eine erfolgreiche Primeur Kampagne. Die Gretchenfrage wie in jedem Jahr ist das Pricing. Das die Preise fallen müssen, darüber sind sich alle einig. Die Frage ist wie viel – eine Reduzierung auf das Niveau der 2008er ist eher unwahrscheinlich. Heute morgen kam als erster Wein Gazin aus Pomerol heraus: -7% zu 2011, aber +35% zu 2008. Es bleibt zu hoffen, das dies nicht der allgemeine Trend ist.

Für den 2012er Pontet Canet reifen 35% in Beton Vats - das Ergebnis: ein puristischer und feingliedriger Wein.

Für den 2012er Pontet Canet reifen 35% in Beton Vats – das Ergebnis: ein puristischer und feingliedriger Wein.

Meine Top Ten

Pontet Canet, Ausone, Cheval Blanc, La Conseillante, Eglise Clinet, Margaux, La Mission blanc, Figeac, Mouton, Grand Puy Lacoste

Bordeaux 2012 – Teil 1

Ein heterogener Jahrgang

Nach vier Tagen intensiven Verkostens in der letzten Woche formt sich das Bild des jüngsten Jahrgangs in Bordeaux. Kein einfacher Jahrgang, insbesondere für die Weine aus den Süßwein-Appellationen. Einige Châteaux in Sauternes wie Yquem oder Rieussec werden keinen Grand Vin vom 2012er abfüllen. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge toller Weine quer verteilt auf alle Appellationen. Die allgemeine Qualität des Jahrgangs liegt insgesamt über dem 2011er und für einige Weine nah an 2010.

Wetterverlauf

2012 war ein Jahr der Kontraste. Der Winter war kalt und trocken. Die durchschnittlichen Temperaturen im Februar waren die niedrigsten seit fünfzig Jahren. Der April brachte kaltes und feuchtes Wetter. Das ungleichmäßige Wetter setzte sich im Mai fort und führte zu einem unregelmäßigen Austrieb. Die Blüte war im Vergleich zu den letzten Jahren spät – andauernde feuchte Bedingungen führten zum Verrieseln und damit zu niedrigeren Erträgen. Mitte Juli erfolgte eine dramatische Änderung – es wurde heiß und trocken, wobei die Unterschiede zwischen Tag und Nacht-Temperaturen mit ca. 13˚ C hoch waren. Diese Bedingungen waren perfekt für die Entwicklung von Tannin und Anthocyanen und der Erhaltung aromatischer Frische. Klar zeigte sich der Unterschied zwischen den Top-Terroirs und den weniger guten Lagen, die wesentlich mehr unter der Trockenheit litten. Ende September kam der Regen zurück – feucht-warmes Wetter erhöhte das Risiko von Botrytis. Eine rigorose Selektion war folglich unersetzlich. Die Lese begann spät: für die weißen Sorten zwischen Anfang und Mitte September, für Merlot ab Ende September und für die beiden Cabernet’s ab der ersten Oktoberwoche.  Ab Mitte Oktober wurden der Regen anhaltender und die Bedingungen verschlechterten sich drastisch: wer bis dahin gewartet hatte, erntete eventuell verwässerte Trauben mit einem hohen Fäulnisanteil. Paul Pontallier (Château Margaux) verwies darauf, dass sich in 2012 signifikant der Unterschied zwischen den besten und den restlichen Lagen zeigte. Die Trauben der Top-Lagen konnten mit nahezu perfekter Reife unter sehr guten Lesebedingungen eingebracht werden, die restlichen schwankten zwischen partieller Unreife, Verwässerung und Fäulnis. 2012 ist ganz klar ein Jahr des Terroirs.

Fact Sheet Chateau Lynch Bages

Fact Sheet Chateau Lynch Bages