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Burgund 2014 – Chablis und Côte d´Or

Der Jahrgang startete mit perfekten Bedingungen. Das Frühjahr war trocken und warm und führte zu einem zeitigen Austrieb. Dieses Wetter setzte sich mit wenigen Unterbrechungen bis Ende Juni fort und reduzierte wesentlich das Risiko für Pilzkrankheiten. Ende Juni drehte sich das Wetter und damit die Gemütslage der Winzer abrupt. Zunächst fegte am 28. Juni ein Hagelsturm über die Côte d´Or. Betroffen waren davon vor allem die südlichen Gemeinden wie Pommard oder Meursault. Die Kult-Domaine Pierre Morey in Meursault verlor so innerhalb von Minuten über zwei Drittel ihrer Produktion. Der nachfolgende Sommer präsentierte sich kühl und feucht mit Ausnahme einiger weniger heißer Tage im Juli. Diese Bedingungen reduzierten zusätzlich in einigen Gemeinden die Hoffnung auf einen mengenmäßig normalen Jahrgang, den Burgund nach den Mini-Erträgen der letzten Jahre so dringend braucht.

Immerhin verbesserte sich zunehmend das Wetter ab Mitte August und führte letztendlich zu einem trockenen und sonnenreichen Herbst mit perfekten Lesebedingungen. Die Lese startete in den südlichen Regionen wie dem Maconnais ab 8. September; im Großteil der Weinberge an der Côte d´Or und in Chablis legten die Lesemannschaften Mitte September los. Die irregulären Bedingungen sowie die geringen Erträge der Vorjahre führten allerdings dazu, dass in vielen Betrieben zu zeitig gelesen wurde sowie zu hohe Erträge eingebracht wurden. Diese Panikentscheidungen wurden noch durch partiellen Befall mit der Kirschessigfliege (Drosophila Suzukii) potenziert. Die daraus resultierende Sauerfäule erfordert eine strenge Selektion im Weinberg und Keller und reduziert zusätzlich die Erträge. Letztendlich landeten dadurch im Keller viele Trauben, die eine zu geringe psychiologische Reife und Konzentration hatten und damit substanzlose Weine erbrachten.

Die breite Masse der Weißweine zeigt sich zugänglich, mit saftiger Frucht und eher moderaten Entwicklungspotential. Für die Weißweine in der Spitze ist es jedoch ein großer Jahrgang. Sie verbinden Power und Konzentration mit Eleganz und Energie und besitzen aromatische Tiefe. Zweifellos besitzen sie Struktur und Gewicht für eine lange Entwicklung in der Flasche.

Die Rotweine präsentieren sich sehr heterogen. Bei den Pinots ist der Schlüssel zum Jahrgang 2014 Finesse und delikate Frucht. Dementsprechend war moderate Extraktion gefragt. Wer zu viel wollte, wurde mit harten und austrocknenden Weinen bestraft. Dies schließt auch den gekonnten Einsatz von neuen Holz ein – auch hier war weniger oft mehr. Manche Weine zeigten zudem deutlich Zeichen einer übermäßigen Chaptalisierung und wirkten seltsam pappig und diffus. Wie bei den Weißweinen besitzen die besten Vertreter des roten Spektrums in 2014 feinsinnige Frucht und eine fast schwebende Leichtigkeit, ohne es an Tiefgang vermissen zu lassen. Viele der während der Grand Jours de Bourgogne verkosteten Weine in der letzten Märzwoche machten in diesem jugendlichen Stadium schon Spaß. Vielleicht wird es in letzter Konsequenz nicht der langlebigste Jahrgang, aber zwei Jahrzehnte werden die meisten Weine sicherlich vertragen.

Die Preise für die bereits erschienenen 2014er sind relativ stabil und liegen in etwa auf dem Niveau des Jahrgangs 2013. Da mit dem 2015er bereits ein hochstilisierter „Super-Jahrgang“ in den Kellern liegt, besteht auch wenig Sorge, dass sich das in naher Zukunft ändert. Für Liebhaber klassischer Burgunder ist 2014 vielleicht sowieso der stilistisch interessantere Jahrgang. Die bereits verkosteten 2015er ließen deutlicher die Muskeln spielen – wenn auch mit einer tollen Balance und Frische.

Must-haves in 2014 sind die Domainen Perrot-Minot, Anne Gros und Grivot. Knapp dahinter lieferten Betriebe wie Domaine de Montille, Faiveley und Taupenot-Merme eine wirklich überzeugende Kollektion ab. Bei letzterer Domaine ist überhaupt ein starker Aufwärtstrend in den zurückliegenden Jahren zu erkennen. Verglichen mit vielen enttäuschenden Weinen aus den Neunzigern und zu Beginn des Jahrtausends ist das ein Aufstieg wie Phönix aus der Asche. In Chablis gehören in 2014 William Fèvre, Billaud-Simon (gehört jetzt zu Faiveley) und Domaine des Malandes zu den Spitzenbetrieben. Schaut man sich die Preise in Chablis an, dann sind viele Weine im Spitzensegment sowieso ultragünstig im Vergleich zur Côte de Beaune. Insofern ist Chablis vielleicht der heimliche Gewinner dieses verrückten Jahrgangs. Chablis – The Golden Gate of Burgundy!

Clos de Vougeot

Was prägt einen Wein mehr: Winzer oder Lage? Diese immer wieder spannende Frage stand im Mittelpunkt der Masterclass Clos de Vougeot am letzten Samstag im Gasthof Schopper in Breitenbrunn/ Tirol. Der Clos de Vougeot – mit rd. 50 ha einer der größten Grand Cru Lagen in Burgund – gehört sicher zu den meist diskutierten Lagen unserer Welt. Historisch bedingt wurde die Lage als Ganzes in die Top Liga Burgunds eingestuft – trotz ihrer topographischen und geologischen Heterogenität. Neben der eingangs erwähnten Frage ging es deswegen auch darum, ob man klar einen Zusammenhang zwischen dem Standort der Reben innerhalb des Clos und der Qualität des daraus resultierenden Weines erkennen kann. Einschlägige Meinung in vielen Beschreibungen ist: Die guten (oberen und mittleren Parzellen) ins Töpfchen, die schlechten (unteren Lagen) ins Kröpfchen!  Ein Blick auf Topographie und Boden scheint das auch bestätigen. Der untere Teil an der Route National besitzt aufgrund geringerer Neigung und Bodenstruktur eine schlechtere Wasserabzugsfähigkeit, die sich durchaus qualitätsmindernd auswirken kann. Allerdings gibt es im gesamten Clos auch quer verlaufende kleinere Verwerfungen und Erhöhungen, die für ständige Veränderungen sorgen und einen Hinweis darauf geben, dass es dann doch nicht ganz so einfach ist. Das zeigt sich dann auch im Glas: der 97-iger der Domaine Jean Grivot, deren Lagen sich ausschließlich im unteren Teil befinden, gehörte sicher zu den Highlights der Verkostung. Übereinstimmender Tenor am Schluss der Masterclass: Sensorische Attribute, die mit der Lage verknüpft sind, waren über alle Weine hinweg nicht zu finden. Die Handschrift des Winzers wie Intensität und Dauer der Extraktion, Ganztrauben vs. Entrappen, Art und Größe des Holzes, Dauer des Ausbaus usw. waren deutlich prägender als eventuelle Lagencharakteristiken. Sehr deutlich waren dagegen die Jahrgangsunterschiede zu erkennen und beflügelte die Anhänger, die Klima und Witterungsverlauf sowieso für die entscheidenden stil- und qualitätsprägenden Faktoren halten. Heterogen war am Ende auch die Qualität im Glas – bei einigen Weinen klaffte eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Realität.

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Meine persönlichen Favoriten

Domaine Perrot-Minot, Vieilles Vignes 2010 – perfektionistisch gearbeiteter Wein / viel Frucht und Extrakt / feinkörniges Tannin / lang / großes Potential / 2018 – 2035 / 18,5

JJ Confuron 1996 – zeigt sich jetzt mit perfekte Reife / komplex / strukturiert / viel Grip / hält sich / bis 2022 / 18,0

Lucien Le Moine 2006 – expressive Frucht / konzentriert / dicht / moderne Interpretation des Clos / jetzt – 2030 / 18,0

Confuron-Cotetidot 2010 – pure / fokussiert / strukturiert / Bootsladungen voller Tannin / braucht wie immer Zeit / 2020 – 2035 / 17,5

Jean Grivot 1997 (Magnum) – voll ausgereift / soft / texturiert / gute Länge / erstaunlich für 1997 / jetzt trinken / 17,5

Die Schlusslichter

Ponsot, Vieilles Vignes 2004 – Château de la Tour 2008 – Gros, Frère et Soeur, Musigni 2008

Burgund 2013

Wieder ein Jahr mit großen Herausforderungen. Nach dem Achterbahnjahrgang 2012 hoffte wohl jeder in Burgund auf die Rückkehr zu ein bisschen mehr Normalität. Schon im Frühjahr zerschlugen sich jedoch diese Hoffnungen. Ein extrem kaltes und nasses Frühjahr resultierte wie in anderen Regionen in einem verspäteten und unregelmäßigen Fruchtansatz, reduzierte damit frühzeitig die Erträge und führte zu Millanderage (Kleinbeerigkeit). Im Sommer attackierten dazu falscher und echter Mehltau die Weinberge auf gesamter Front. Es liegt fast in der Ironie der Geschichte, dass die Milleranderage der Retter des Jahrgangs war. Wer seine Hausaufgaben im Weinberg machte, konnte so trotz der widrigen Bedingungen konzentrierte und gesunde Trauben im Herbst in die Keller bringen.

Bei moderaten Temperaturen in der Endphase reiften Trauben mit hohem Aromapotential und kräftiger Säure heran. Die Lese war logischerweise entsprechend spät. In der Côte de Nuits wurde Anfang Oktober mit der Lese begonnen – über zwei Wochen später als normal. Eine Selektion im Weinberg und im Keller war wichtiger den je. Dies reduzierte natürlich weiter die Erträge – unter dem Strich liegen die Einbußen bei rd. 30%.  In der Côte de Beaune wurden zusätzlich die Erträge durch einen Hagelsturm im Juli reduziert – Ertragsausfälle bis zu 90% waren hier keine Seltenheit.

Am letzten Montag war im traditionsreichen Château du Clos de Vougeot die Gelegenheit, die Weine dieses nervenzerfetzendes Jahrgangs aus den Gemeinden Vosne, Chambolle und Morey St-Denis unter die Lupe zu nehmen.  Die besten Weine überzeugen durch aromatische, auf den Punkt reife Frucht sowie viel Energie und Präzision. Hohe Säurewerte und ein niedriger pH versprechen  – trotz moderater Tanninlevel im Vergleich zum Vorgängerjahr – ein gutes Reifepotential. Es sind keine Blockbuster, sondern linear strukturierte Weine mit Sinnlichkeit und klarem Herkunftscharakter. Wer auf schlanke elegante Weine steht, kommt in diesem Jahrgang voll auf seine Kosten. Wie meistens in marginal reifen Jahren sieht man deutliche Unterschiede entsprechend der Qualitätshierachie vom Bourgogne rouge bis zum hinauf zum Grand Cru sowie zwischen den einzelnen Produzenten.

An der Spitze finden sich bekannte Namen: die Weine von Perrot-Minot, Cathiard und Anne Gros gehören sicherlich zu den Stars des Jahrgangs. Überraschend auch der Bourgogne Rouge von Anne Gros, der Maßstäbe in diesem Segment setzt. Grivot, Hubert Lignier, Dujac, Meo-Camuzet (deutlich weniger Holz als üblich) sowie Bruno Clavelier überzeugten ebenfalls mit ihren Weinen. Wenig überzeugend präsentierte sich Gros, Frere et Soeur – bis auf den Richebourg wurde die Subtilität des Jahrgangs zumindest im derzeitigen Stadium von zuviel neuem Holz erdrückt. Darüber hinaus gab es jedoch auch viel Mittelmaß mit substanzarmen, einfachen und unbalancierten Weinen – enttäuschend für das Renommee und die entsprechenden Preise. Nachfolgend einiger meiner Favoriten vom Montag:

Außergewöhnlich

Anne Gros, Richebourg Grand Cru (19,0) – der zarteste, kristallinste und sinnlichste Richebourg, den ich je von Anne Gros verkostet habe – Pinot Noir in Perfektion

Hervorragend

Sylvain Cathiard, Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts (18,5)

Dujac, Clos de la Roche Grand Cru (18,0)

Perrot-Minot, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (18,0+)

Perrot Minot, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (18,0)

Anne Gros, Clos de Vougeot Grand Cru (17,5++)

Ausgezeichnet 

Bruno Clavelier, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (17,0+)

Bruno Clavelier, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (17,0)

Faiveley, Clos de Vougeot Grand Cru (17,5)

J. Grivot, Echezeaux Grand Cru (17,5)

J. Grivot, Clos de Vougeot Grand Cru (17,0)

J. Grivot, Vosne-Romanée 1er Cru Les Beaux Monts (17,0)

Anne Gros, Echezeaux Grand Cru (17,5)

Gros, Frère et Soeur, Richebourg Grand Cru (17,0)

Hubert Lignier, Chambolle-Musigny 1er Cru Les Baudes (17,5)

Jacques Prieur, Musigny Grand Cru (17,0++)

Clos de Tart Grand Cru (17,5+)

Taupenot-Merme, Chambolle-Musigny 1er Cru La Combe d´Orveau (17,0)

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Traditionsreiche Stätte: Château du Clos de Vougeot

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Offiziell sind die Premiers Crus nur zweite Klasse in Burgund – aber erbringen ohne weiteres Weine in Grand Cru Dimensionen. Dies stellte eine Masterclass am letzten Samstag im Relais & Châteaux Rosengarten in Kirchberg (Austria) beeindruckend unter Beweis. Highlights waren der Meursault-Flight mit den Top-Lagen Perrieres, Charmes und Genevrieres sowie die Nuits-St-Georges Session mit Les St-Georges, Vaucrains und Les Cailles. Bei einer Revision der Klassifizierung wären diese Lagen ohne weiteres Anwärter für den Grand Cru Status. Nachfolgend die Weine in der Einzelkritik:

Pierre-Yves Colin-Morey, Chassagne 1er Cru Cailleret 2008 – pure / mineral nose / fine oak / medium body / racy acid / good grip / precise / medium depth and length / – 2025 / 17,0

Domaine Leflaive, Puligny 1er Cru Les Pucelles 2008 – developed nose / very ripe fruit / ethereal notes / creamy / soft / round / underlying fresh acid / good complexity and length / oaky finish / 17,5 / – 2022

Pierre-Yves Colin-Morey, Batârd-Montrachet Grand Cru 2008 – restrained / powerful / dense / great intensity and depth / needs time / 2018 – 2035 / 18,5

Comtes Lafon, Meursault 1er Cru Charmes 2005 – / pure / developed / nutty / full body / medium acid / textured / very good length / oaky-nutty finish / – 2025 / 17,5

Francois Mikulski, Meursault 1er Cru Genevrieres 2008 – ripe apple notes / medium body / lot of energy and freshness / salty – mineral finish / fine / – 2030 / 17,5+

Pierre-Yves Colin, Meursault 1er Cru Perrieres 2010 – spicy and mineral notes / greath depth and focus / long / impressive / very fine indeed – 2035 / 19,0

Comte Armand, Pommard 1er Cru Clos des Epeneaux  2005 – slightly developed ruby red / ripe fruits / combote / plummy / full body / balanced tannins / good concentration but lacks a bit energy / good length 17,0

D´Angerville, Volnay 1er Cru Taillepieds 2003 –  medium brown red / Banyuls like nose / spicy notes / complex / shows good freshness in context of the vintage / soft tannins / good precision and length / fine / 17,5 / – 2020

Henri Boillot, Pommard 1er Cru Les Rugiens 2009 – surprisingly developed / red fruits / lacks depth and weight / lighter style / quite short / 15,5 / – 2018

Henri Gouges, Nuits-St-Georges 1er Cru Vaucrains 1999 – developed / gamey / ripe fruit  / masculine style / sturdy / good grip and freshness / very good length  – 2022 / 17,5

Henri Gouges, Nuits-St-Georges 1er Cru Les St-Georges 2001 – developed medium ruby red / focused / concentrated / grippy yet balanced tannins / very good structure / long / very fine / – 2030 / 18,0+

Robert Chevillon, Nuits-St-Georges 1er Cru Les Cailles 2005 –   slight developed ruby red / very ripe fruit / structured / balanced tannins / very good depth and length / needs more time to develop complexity / 2017 – 2030 / 17,5++

Sylvain Cathiard, Vosne 1er Cru Les Suchots –  slightly developed ruby red / ripe fruits / combote /  medium body / velvety / polished tannins / elegant style / good concentration and length / fine / – 2023 / 17,5

Jean Grivot, Richebourg 1993 –  medium brown red / focused / needs time in the glass to develop complexity / truffle / ash / spicy / structured / very good freshness, precision and length / very fine / 18,5 / – 2025

Meo-Camuzet, Vosne 1er Cru Aux Brûlées 2002 –  ripe red fruit / oaky notes / medium intensity / silky / fine tannins / well done but lacks a bit personality / good length / 17,0 / – 2025

Groffier, Chambolle 1er Cru Les Amoureuses 2006 – medium brown-red / evolved nose / intense spiciness / slighty rustic tannins / lacks concentration, energy and development in the glass / disappointing / now / 15,0

Perrot-Minot, Chambolle 1er Cru Charmes 2005 –  sweet ripe fruit / touch of oak / silky / fine tannins / elegant style / forward / good length / 17,5 / – 2028

Comte Georges de Vogüé, Bonnes Mares Grand Cru 1997 –  slightly dump nose / evolved / broad / full body / sturdy / lacks finesse / medium length / now / 15,5

Armand Rousseau, Gevrey 1er Cru Cazetiers 2009 – still primary stage / good grip / firm yet balanced tannins / vibrant / mineral backbone / good length /  2017 – 2030 / – 17,5++

Dujac, Gevrey 1er Cru Aux Combottes 1997 – brown-red color / evolved / gamey / fullish / rich / medium length / – 2018 / 16,5

Bruno Clair, Gevrey 1er Cru Clos St-Jacques 1999 – developed nose / gamey – spicy – dried fruits / complex / shows very good depth, intensity and balance / persistent / – 18,0 / – 2025

burgund 2012

Im Focus der diesjährigen Grands Jours de Bourgogne stand der Jahrgang 2012. In den letzten fünf Tagen habe ich unzählige Weine in den verschiedenen Appellationen probiert und langsam formt sich das Bild dieses Achterbahn-Jahrgangs. Nach einem milden Winter und sehr warmen Temperaturen im März folgte unstabiles, kaltes und regnerisches Wetter bis weit in den Juni hinein. Diese anhaltende miserable Wetterperiode führte zu einer drastischen Reduzierung der Erträge; dazu kam der ständige Kampf mit Pilzkrankheiten, die bei diesen Bedingungen im Weinberg Samba tanzten. Richtig schlimm traf es dann weite Teile der Côte de Beaune. Hagelstürme am 30. Juni und 01. August hinterließen eine Schneise der Verwüstung – einige Winzer in Pommard verloren bis zu 80% ihrer Ernte. Optimisten waren in diesen Tagen logischerweise rar – der Jahrgang schien einer der schlimmsten der jüngeren Geschichte zu werden.

Dann kam die Wende. Warme, sonnige und meistens trockene Tage prägte die Monate August und September bestätigte einmal mehr die Regel, das die Qualität eines Jahrganges vom Wetter ab Ende Juli abhängig ist. Die Lese für Chardonnay begann am 14. September und für Pinot Noir wenig später am 17. September an der Côte de Beaune. In fast allen Appellationen wurde gesunde und konzentrierte Frucht mit guten Zucker- und Säurewerten eingebracht, so dass sich am Ende der Jahrgang als sehr guter Jahrgang entpuppte. Einige Winzer schätzen das Potential sogar höher ein als die hoch bewerteten Jahrgänge 2005, 2009 und 2010. Die besten Pinot´s zeigen tiefe Farbe, Rückgrat und konzentrierte Frucht. Sehr gute Tannin- und Säurewerte versprechen einen klassischen “Vin de Garde” Jahrgang. Aber auch die Weißweine müssen sich nicht verstecken und besitzen in der Spitze aromatische Komplexität, Energie und Mineralität.

Für mich ist es vor allem ein Jahrgang des Terroirs: die Unterschiede zwischen den einzelnen Appellationen kamen in vielen Weinen deutlich zum Vorschein. Sie besitzen nicht die superreife Frucht der 2009er oder das massive Gerüst der 2010er sondern bewegen sich genau dazwischen auf dem schmalen der Grat der Balance. Es ist genau dieser Punkt, an dem letztendlich geographische, topographische oder klimatische Unterschiede deutlich sichtbar werden – und genau das macht den Jahrgang für Burgund-Freaks und Liebhaber von unverwechselbaren Weinen so wertvoll. Das trifft auch für die  „Schattenappellationen“ abseits der Goldküste zu. Appellationen wie Givry oder Rully wuchsen über sich hinaus und brachten vielschichtige und eigenständige Weine hervor.

Wer Burgund liebt, wird um diesen Jahrgang keinen Bogen machen können. Und genau das ist das Problem: um die geringe Menge, insbesondere bei den Grand Crus und Premiers Crus, wird man sich buchstäblich schlagen müssen. Schon in den letzten Jahrgängen konnte kaum der Durst gestillt werden – in diesem Jahr wird sich das noch verschärfen. Die Nachfrage nach den Top-Weinen aus Burgund zeigt international weiter nach oben. Die große Schaar an amerikanischen, englischen und asiatischen Einkäufern, die sich in der vergangenen Woche in Burgund tummelten, sind ein lebhafter Beweis dafür. Preislich bewegt man sich in den Prestige-Appellationen  zwischen 5-10% über dem Vorjahr; bei den Weinen aus den kommunalen Appellationen ist wohl weniger Spielraum drin.

Mit dem 2012er Jahrgang hat Burgund einmal mehr gezeigt, warum es das Mekka des Pinot Noir (und zu einem großen Teil auch des Chardonnay) ist.  Keine andere Region kann mit dieser Menge an unterschiedlichen Stilistiken  aufwarten, die wiederum das Ergebnis dieses Patchworks aus unzähligen Lagen sind. Ich bin mir sicher: Die Winzer, welche die Herausforderungen des 2012er annahmen und den Charakter dieses  Jahrgangs mit der Expression ihrer Lagen verbunden haben, erbrachten Weine, die in den nächsten Jahrzehnten als Referenzen des klassischen Burgunds gesehen werden.

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Momente zum Strahlen gab es in der vergangenen Woche viele – hier während des Tastings bei Seguin-Moreau in Chagny