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Castell d´Encus

Eines der derzeit spannensten Weinprojekte Spaniens ist in den katalanischen Pyrenäen zu finden: Castell d´Encus in der Nähe von Tremp. Mastermind Raúl Bobet – früherer technischer Direktor von Torres – erkannte das Potential dieser phantastischen Landschaft in 2001; zwei Jahre später wurden die ersten Rebstöcke auf einer Höhe zwischen 800 – 1.000 m Höhe gepflanzt. Bereits im 12. Jahrhundert wurde an diesem Platz von Mönchen Weinbau betrieben. Die Überreste des Klosterlebens sind noch heute zu finden, z. Bsp. eine alte Kapelle sowie riesige, in den Fels gehauene Steintröge, die zur Vinifikation genutzt wurden. Raúl Bobet gelang es an diesem Ort, den Bogen zu längst vergangenen Zeiten zu spannen und die Spuren der Vergangenheit wieder sichtbar zu machen. Die unsichtbare Magie dieses Ortes schwingt in den Weinen von Castell d´Encus mit und verleiht ihnen eine zusätzliche Dimension und das Gefühl einer Reise in längst vergessene Zeiten.

Die Weinberge von Castell d´Encus in den Katalanischen Pyrenäen

Visionär Raul Bobet

Auf rd. 23 ha werden Riesling, Sémillon, Sauvignon Blanc, Albarino, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon & Franc, Merlot und Syrah mit einer Pflanzdichte von 5.500 – 7.700 Stöcken/ ha angebaut. Die Böden bestehen überwiegend aus Kalkstein; die Weinberge werden nach organischen Grundsätzen und ohne zusätzliche Bewässerung bewirtschaftet. Problematisch sind zum Zeil sehr heftige Winde und Hagel. Der erste kommerzielle Jahrgang war 2008, das zukünftige Ertragsziel liegt bei rd. 80.000 Flaschen.

Harmonisch eingebettet: Die Kellerei von Castell d´Encus

Die Kellerei wurde nach Schwerkraftprinzipien errichtet und nutzt weitestgehend geothermische Energie. Derzeit werden rd. 1/3 aller Weine in den mittelalterlichen Steintrögen vergoren, wobei der Anteil in den nächsten Jahren deutlich gesteigert werden soll. Insgesamt hat Raúl Bobet zwölf Steintröge in unterschiedlichen Größen zur Verfügung; die maximale Menge je Steintrog liegt aufgrund des entstehenden Drucks durch die CO2 Bildung während der Vergärung bei max. acht Zentnern.

Zeitreise: die Felströge aus dem 12. Jahrhundert

Alle Weine werden spontan vergoren, die Rotweine werden 2-3 mal täglich mittels Pigeage umgewälzt. Aufgrund der niedrigen ph-Werte und einer maximalen Gärtemperatur von 25° C besteht nur ein geringes Risiko für bakterielle Infektionen. Die Weißweine werden derzeit noch komplett ohne Schalen vergoren, allerdings will Raúl zukünftig auch mit auf der Maische vergorenen Weißweinen experimentieren. Insgesamt steht für Raúl die Erzeugung eher aromatisch zurückhaltender und von Struktur geprägter Weine im Vordergrund. Auf Hefesatzlagerung, biologischen Säureabbau und Einsatz von neuem Holz wird deswegen überwiegend verzichtet. Einige Teilpartien wurden ohne SO2 und Filtration abgefüllt, was jedoch lt. Raúl aufgrund der verbleibenden Hefereste zu größeren Flaschen-Variationen führt. Höhepunkt des Tastings war der Vergleich Pinot Noir 2011: im Fels vergoren vs. im Edelstahl vergoren. Die Fels-Variante hatte für uns klar die Nase vorn und überzeugte mit größerer Komplexität und Tiefe sowie mehr Textur gegenüber der zurückhaltenden, schlankeren Edelstahl-Version. Verfügbare Weine s. u. www.la-vinotheque.de.