Schlagwort-Archiv: Champagne

Objects of Rarity

Zweimal Frankreich war das Ziel einer spektakulären Doppelprobe im September im HERDER ZEHN in Freiberg. Dabei standen Jahrgangs-Champagner und alte Händlerabfüllungen aus Burgund im Focus.

Zum Start gab es den jüngsten Jahrgang des Dom Pérignon. Feminin, mit reifer Frucht und zartem Schmelz reflektiert er den warmen Jahrgang 2009 und macht schon jetzt richtig viel Spaß (92). Danach der Prototyp eines neues Konzept-Champagners von Moet & Chandon. Der MC III 001.14 ist kein richtiger Jahrgangs-Champagner sondern ein Assemblage verschiedener Jahrgänge, wobei sowohl Grundweine als auch bereits fertige flaschengereifte Champagner verwendet wurden. Einige Partien durchlaufen also gewissermaßen eine erneute zweite Gärung. Braucht definitiv Zeit und Luft, entfaltete dann ein schönes Zwischenspiel zwischen Reifetönen und floralen Nuancen (93). Kontrovers diskutiert der Jacques Selosse, Blanc de Blancs aus dem Hitzejahr 2003. Komplexe und kraftvolle Nase, leichte oxydative Noten, cremig und opulent – der Stil ist sicher einmalig (94). Genau das Gegenteil der Salon, Le Mesnil Blanc de Blancs 2007. Glasklare Frucht, linear, schlank, fast stahlige Säure, einer meiner Favoriten (94+) Mit Veuve Clicquot ging es dann weit zurück. Der Cave Privée 1979 ist noch erstaunlich vital und zeigt viel Pinot Frucht (92), der Cave Privée Blanc 1982 wirkt da schon wesentlich mürber und hat sicherlich nicht mehr das ewige Leben (90). Beide wurden vor ca. 8 Jahren degorgiert, reiften also rund 30 Jahre auf der Hefe. Dann zweimal Dom Pérignon aus der Oenothèque Collection. Beim in 2013 degorgierten P2 1996 – definitiv einer der ganz großen Champagner Jahrgänge – scheint die Zeit vorüber gegangen zu sein, so jugendlich und kraftvoll ist der Auftritt. Brillante Nase, tolle Substanz und Struktur, damit kann er locker die nächsten 20 Jahre angehen (97). Der P3 1983 – degorgiert in 2003 – dagegen war deutlich am Ende, auch schien die Flasche nicht die beste zu sein (keine Bewertung). Perfekt gearbeitet wie immer der R.D. 2004 von Bollinger. Ausgewogen, komplex und mit der typischen Kraft des Hauses (92). Gegen die 2006er Bollinger, Vieilles Vignes Francaises aus zwei wurzelechten Parzellen sah er dann trotzdem fast blass aus. Ein Wahnsinns-Champagner mit konzentrierter, geschliffener Nase und irre viel Power, aber auch Feinheit, dazu das Potential für mindestes zwei weitere Jahrzehnte (97). Riesen Potential hat der Krug, Clos d´Ambonnay 2002 definitiv auch. Bei diesem Preis leider ein seltenes Erlebnis, kratzt diese 100%ige Pinot Noir aus einer Parzelle in Ambonnay an der Grenze der Perfektion (99+). Ein großartiger Abschluss einer denkwürdigen Champagner-Probe.

Am zweiten Tag reflektierten wir die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in Burgund. In dieser Phase waren Gutsabfüllungen noch selten, die Händler gaben den Ton an und hatten Zugriff auf die besten Partien und Lagen. Den Auftakt bildete der Beaune 1966 von Pierre Ponnelle, ein Haus, welches heute zum Imperium von Jean-Claude Boisset gehört. Erstaunlich vital für einen kommunalen Wein, nach wie vor mit Frucht, guter Balance und Ausstrahlung (89). Letztere Eigenschaft besaß auch der Moillart-Grivot, Chambolle-Musigny aus dem seinerzeit unterschätzten Jahrgang 1962. Feine Wildfleisch- und blättrige Noten, dazu die Finesse der Appellation (90). Aus dem katastrophalen Jahr 1974 zeigte sich der Léon Violland, Pommard in erstaunlich guter Form und unterstrich das hohe Qualitätsniveau des heute nicht mehr existierenden Hauses. Von Asche, Vervene und Würze geprägt, robust am Gaumen und nach wie vor mit Appeal – viele 1974er dürfte es mit dieser Vitalität nicht mehr geben (87). Vom selben Haus zeigte der Pommard Charmots 1er Cru 1994 die ganze Klasse des Jahrgangs. Reiche Nase, warme Nuancen, Kompott, dazu viel Extrakt und Biss. Wird definitiv noch weitere Jahre auf diesem Niveau halten (91). Aus dem ebenfalls großen Jahrgang 1959 kamen zwei der schönsten Weine der Probe. Der Bichot, Clos de Vougeot strotze mit Kraft und sehr guter Länge, (93), während der Morin, Chambertin Clos de Beze ein irren Mix aus Mokka, Wild und schwarzer Frucht und die für die Lage markante Struktur und Konzentration zeigte (92). Bichot, Corton 1955 war ebenfalls immer noch auf dem Peak, zeigte markantes Tannin und erfrischende Himbeer-Frucht sowie im Finale kalkige Nuancen (93). Alte Vandermeulen Abfüllungen spielen in einer ganz eigenen Liga, so auch der Vosne-Romanée 1947 aus einer perfekten Flasche. Tiefes Rubin (damals wurde den Fässern etwas Port zur Stabilisierung zugesetzt), eine expressive, schon fast spleenige Nase, reichhaltig und texturiert am Gaumen – ein unsterblicher Wein, ganz großes Kino (97). Nicht minder berühmt die Weine von Leroy, wenn auch stilistisch auf einem ganz anderen Feld zu Hause. Der Beaune Grèves 1969 zeigte die typisch feste und doch so elegante Handschrift des Hauses und unterstrich mit seiner Dynamik und Frische den Charakter des eher kühlen Jahrgangs (95). Auch aus 1969 kam der Echézeaux von Drouhin. Wesentlich entwickelter, Noten von Feige und Kaffee, am Gaumen robust und mit Grip – ein solide gearbeiteter Wein (90). Zum Abschluss zwei 76er – ein opulenter und reichhaltiger Jahrgang, in dem es vor allem darauf ankam, diese Power zu balancieren. Warum Faiveley nicht nur heute zu den großen Adressen gehört, zeigte der Clos de Vougeot 1976. Komplex, ein Aromen-Crossover von Leder, orientalischen Gewürzen und Trüffel, perfekt gebaut, mit Dimension (93). Der Jaboulet-Vercherre, Clos de la Roche 1976 verströmte erdig-würzige Nuancen und zeigte sich am Gaumen kompakt und fest (91).Einen wunderschönen Abschluss bildete derChâteau Chalon 1947 von Jean Bourdy. Ebenfalls noch sehr vital, viel Macadamia-Nuß und Curry, dazu der Jura-typische Säurefaden und Nachhaltigkeit im Finale – ein Historienwein (95).

Champagne-Lieferungen nach Deutschland im Minus

Für die Winzer und Häuser der Champagne war 2011 das bisher zweitbeste Absatzjahr: 322,9 Millionen Flaschen wurden vor zwei Jahren weltweit verkauft. 2012 wurden 308,8 Millionen Flaschen abgesetzt – ein Minus von 4,4 Prozent zum Vorjahr. Der Champagne-Export sank 2012 um 2,8 Prozent auf 137,4 Millionen Flaschen (141,3 Mio. im Vorjahr). Der Exportanteil am Absatz stieg dennoch auf 44,5 Prozent nach 43,8 Prozent im Jahr 2011, da der französische Markt mit 5,6 Prozent stärker rückläufig war als der Export in EU- und Drittländer.

Der Export von Champagne nach Deutschland ist mit 11,6 Prozent deutlicher zurückgegangen. Nach den 14,2 Millionen Flaschen, die im Jahr 2011 aus der Champagne über den Rhein geliefert wurden, waren es 2012 nur noch 12.560.386 Flaschen. Deutschland bleibt dennoch nach Großbritannien und den USA weltweit der drittgrößte Exportmarkt für Champagne. Das beste Absatzjahr für Champagne in Deutschland war 1997. Damals wurden 19,5 Millionen Flaschen verkauft.

Nach Österreich wurden im vergangenen Jahr 1.281.565 Flaschen Champagne versendet. Nach den 1,2 Millionen Flaschen des Jahres 2011 ist das ein Absatzplus von 7,7 Prozent. Österreich steht damit in der Liste der wichtigsten Champagne-Exportmärkte im Jahr 2012 wieder auf Rang 18. Nach Russland und vor Brasilien, die die Plätze 16 und 17 einnehmen. China steht nun mit genau 2 Millionen Flaschen und 51,8 Prozent Wachstum zum Vorjahr auf Platz 12 der Champagne-Exportmärkte.

Die Champagne-Preise liegen im Jahr 2012 in Deutschland und Österreich im Plus. Dennoch entwickeln sich beide Länder 2012 auch wertmäßig gegensätzlich: Der Umsatz der Champagne-Erzeuger in Deutschland erreichte 186,2 Millionen Euro, was einem Rückgang von 3,0 Prozent zum Vorjahr entspricht. Das bedeutet, dass die Preise (frei Grenze, ohne Sekt-und Umsatzsteuer) 2012 auf dem deutschen Markt um durchschnittlich 9,7 Prozent pro Flasche höher lagen. In Österreich stieg der Umsatz im vergangenen Jahr mit 15,5 Prozent stark auf 23,7 Millionen Euro. Der Durchschnittspreis pro Flasche (frei Grenze, ohne Umsatzsteuer) erhöhte sich um 7,2 Prozent.

Bureau du Champagne DE/AT

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© Pierre Thomas/SIPA Presse – Collection CIVC

 

Bollinger, La Grande Année Tasting, 22.01.13

Eine Deutschland-Premiere der besonderen Art fand vorgestern in der Rutz Weinbar in Berlin statt: Eine Vertikale mit Bollinger´s La Grande Année 1990 bis 2004 – ausschließlich aus Magnumflaschen und vom Kellermeister Mathieu Kauffmann persönlich moderiert. Bestätigt wurden vor allem zwei Dinge: Die Konsistenz, mit der sich La Grande Année regelmäßig unter die besten Vintage-Champagner einreiht und das Potential für eine lange Entwicklung in der Flasche. Bestätigt wurde auch, das für Champagner die Reifeunterschiede zwischen Normalflaschen und Magnums signifikant sind – wohl auch ein Grund für das neue Flaschendesign der Special Cuvée, dessen Markteinführung Ende letzten Jahres erfolgte.

La Grande Année wird in geeigneten Jahren aus 3.000 Fässern im November und Dezember selektiert, die Assemblage und Abfüllung erfolgt im Januar, Degorgement nach 5-6 Jahren Lagerung, Fine Tuning mit 7-9 g/l Dosage. Verwendet werden nur Pinot Noir und Chardonnay. Pinot Meunier findet für La Grande Année keine Verwendung – nach Aussage von Mathieu Kauffmann reift Pinot Meunier zu schnell, was der Absicht einen langlebigen Champagner zu erzeugen entgegen steht. Interessant war auch, das – entgegen der landläufigen Meinung – nicht nur in säurebetonten Jahren langlebige Champagner entstehen. 1990 und 2002 mit eher moderaten Säurewerten im Most zw. 7 – 8 g/ l – dafür aber einer perfekten Reife der Trauben und entsprechender Konzentration – unterstreichen das nachhaltig.

2004 – Rekordjahr hinsichtlich Menge / 66% Pinot Noir / 34 % Chardonnay / 88% Grand Cru / 12% Premier Cru / restrained / pure / pear / medium body / good balance / soft texture /  moderate acid / ripe fruit / slightly sweet impression / lacks concentration and focus / medium length / now – 2022 / 16,5

2002 – 60% PN / 40% CH / 71% GC / 29% PC / slightly developed nose / complex / decent brioche notes / dried fruits / round / concentrated / perfect structure and ripeness / medium acid / mineral – long finish / great potential / now to 2030 / 18,5+

2000 – 63% PN / 37% CH / 75 % GC / 25 % PC / developed / toasty notes / brioche / liquorice / caramel / medium concentration / elegant / not the depth of 2002 / light phenolic touch / medium length / now to 2020 / 17,5

1997 – 65 % PN / 35% CH / 75 % GC / 25 % PC / 8,5 g/l TA / evolved / quince /  mushrooms / medium concentration / good freshness / focused / typical Bollinger style / now – 2018 / 17,5

1996 – schwieriges Jahr vor allem für Chardonnay / 70% PN / CH 30% / 75 % GC / 25 % PC / slightly developed / pure / quince / candied fruit / honey touch / nutty notes / powerful / racy acid / mineral / great structure / lot of energy / long fresh finish / now – 2030 / 18,5++

1995 – 63% PN / 37% CH / 82% GC / 18% PC / complex / dried fruits / nutty / medium body / creamy texture / elegant / precise / great harmony / long / now 2022 / 18,0

1992 – kaum vintages / viel botrytis / 65% PN / 35% CH / 83% GC / 17% PC / creamy notes / caramel / mocca / brioche / soft / medium concentration / round / bitter orange / light phenolic touch / medium length / now to 2017 / 17,0

1990 – 69 % PN / 31% CH / 67% GC / 33% PC / gold yellow / complex / mocca / truffe / spicy notes / moderate mousse / powerful / intense / moderate yet fresh acid / creamy / great length / light bitter finish /  now to 2022 / 19,0

Hinweis: Das Alterungspotential bezieht sich auf Magnum-Flaschen.

Making Memories

Nach einem wunderbaren Konzert mit Katharina Franck (ex Rainbirds) in Dresden zum Abschluß ein Glas Champagner „Collection Privée“ Grand Cru von Alain Soutiran aus Ambonnay auf der Brühlschen Terrasse. Das ist Stoff, aus dem Träume sind: Expressive Nase / Vanille / süsses Gebäck / kandierte Früchte / cremig / balanciert auf den Punkt / feine Perlage / präzise / frisch / lang / 17,5 P. Dazu der grandiose Blick auf die Altstadt und mediterrane Temperaturen –  making memories…