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California Wine Tour – 05.02.11

Montag, 7. Februar 2011 20:58

Letzter Termin der California Wine Tour bei Kistler Vineyards im Sonoma County– ein Weingut, dass sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine riesige Reputation für Chardonnay aufgebaut hat. Im Gespräch mit Co-Eigentümer Mark Bixler und bei einem Blick in den Keller zeigt sich schnell, dass Schickimicki fehl am Platz ist. Das Winemaking ist auf Zeit und wenig Intervention ausgelegt – alles wirkt sehr durchdacht und funktionell. Schlank und übersichtlich auch die Weinpalette: rd. 80% der Produktion sind Chardonnay´s aus vier verschiedenen Lagen – der Rest ist Pinot Noir. Die Weine zeigen balanciertes Holz, Geschmeidigkeit und Frische – nach vielen „weichen“ Chardonnay-Suppen eine willkommende Abwechslung. Exportiert werden nur rd. zehn Prozent der Gesamtproduktion – über die Hälfte wird direkt an den Kunden gebracht. Nur so lässt sich neben regelmäßig hohen R.P. Bewertungen wohl erklären, das man auch preislich kontinuierlich am oberen Ende rangieren kann: jeder deutsche Winzer mit Großen Gewächsen würde wohl vor Neid erblassen, wenn er die Preise der amerikanischen Kollegen sieht. Etwas irritierend wirkt der Herbizid-Einsatz im Weinberg. Angesichts der doch recht flachen Lagen (und der realisierbaren Preise) stellt sich für mich die Frage, ob man der Begrünung nicht auch maschinell zu Leibe rücken kann.  Am Abend gab´s zum Abschluss noch einen Wein aus dem historischen Napa Valley: Inglenook Cabernet Sauvignon 1967. Unfassbar frisch, präsent und komplex präsentierte sich der Wein – mit heute unvorstellbaren 12,0 % Vol.  Das alte Inglenook hat der Lauf der Geschichte weggeblasen und existiert heute nur noch in der Erinnerung … und in diesem Wein. Großartiges Napa Valley!

Knüller-Wein: Inglenook Cab 1967

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California Wine Tour – 04.02.11

Samstag, 5. Februar 2011 4:02

Zwei Top-Betriebe aus dem Napa Valley standen heute auf dem Programm: Phelps und Dunn. Bei ersterem ein umfangreiches Tasting mit Weinen aus dem Napa Valley und den vor einigen Jahren neuangelegten Freestone-Vineyards im Sonoma County. Die zwei Insignia-Jahrgänge 06 & 07 bildeten die Spitze des Flights – mit dem Insignia 2007 reift wohl eine Legende heran: ein dichter, komplexer und doch sehr sinnlicher Wein mit einem Wahnsinns-Potential für mindestens 25 Jahre (19,0). Legendär leider auch der Preis – bei 220 $ / Flasche ex cellar wird die Luft schon dünn.

Insignia 2007 von Phelps

Danach ging es in die Howell Mountain – Randy Dunn war Ende der 70-iger Jahre einer der Ersten, die das Potential der Höhenlagen im Napa-Valley erkannten und Weinberge anlegten. Herzerfrischend normal geht es bei den Dunn´s zu: hier wird Wein gelebt ohne jeglichen Snobismus und Dünkel. Stilistisch unterscheiden sich die Weine deutlich von ihren Kollegen im Tal. Die Weine zeigen mehr Frische, besitzen strafferes Tannin und schlankeren Körper. Randy ist ein Verfechter von Low-Alkohol-Weinen. Fast alle Jahrgänge pendeln um die 13,0 – 13,5% Vol und liegen damit deutlich unter dem derzeitigen Durchschnitt von 14,5 – 15,0 % Vol. Randy setzt auf Weine mit Struktur und Entwicklung – die probierten Weine aus den Jahrgängen 1998 – 2005 zeigten deutlich das Reifepotential der Weine. Gestern Abend probierten wir dann noch den 88er Cabernet Sauvignon Howell Mountain: reif, aber nicht mürbe / fein akzentuiertes Bouquet / fast schlank / gute Länge / 17,5.

Mountain Ranger Randy Dunn

Dunn Cab 1998-2005

Energiebündel Kristina – Tochter von Randy

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California Wine Tour, 02.02.11

Donnerstag, 3. Februar 2011 4:18

Heute Abschluß des Master of Wine Seminars. Tage voll mit Tastings, Seminaren u.a. zu Südamerika, Workshops und Übungen zur Vorbereitung des Examens. Gestern Abend ging es zum Dinner in  die Robert Mondavi Winery. Trotz der Übernahme der Winery durch Constellation vor einigen Jahren ist der Spirit von Robert Mondavi immer noch zu spüren – Magrit Mondavi, die “Old Grand Lady” des kalifornischen Weinbaus eröffnete dann auch das Dinner. Es ist immer wieder ein Vergnügen, ihre mit Charme und Witz gespickten Anekdoten aus 40 Jahren kalifornischer Weinbaugeschichte zu hören. Einige beeindruckende Weine aus zwei Jahrzehnten gab es zum Dinner, u.a. Fumé Blanc Reserve 1996 – der ohne weiteres mit weißen Bordeaux´s im Top-Level mithalten kann – und Cabernet Sauvignon Reserve 1988, der das Potential der Paradelage To Kalon hervorragend widerspiegelte.

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California Wine Tour – 28.01.11

Samstag, 29. Januar 2011 1:59

Mit Randall Grahm (Bonny Doon Vineyards) trafen wir am 4. Tag unserer Tour eine weitere charismatische Figur des kalifornischen Weinbaus. Bonny Doon ist nicht nur einfache eine Winery – spätestens wenn man im Keller und angrenzenden Cellar Door mit Café steht, die Atmosphäre auf sich wirken lässt und die ersten Worte mit Randall wechselt wird einem klar: Bonny Doon ist ein Gesamtkunstwerk – die vinophile Pop-Art ist hier zu Hause. An verrückten Ideen ist Randall kaum zu überbieten und lässt sich dabei auch von Mißerfolgen nicht abhalten – errinnert sei nur an seinen Versuch, durch eingelegte Steine im Wein Mineralität zu erzeugen. Dabei geht es Randall vorallem um eines: unverwechselbare, nicht kopierbare und identische Weine. Biodynamie ist nur eine Facette im Bestreben, dieses Ziel zu erreichen. Neueste Idee auf diesem Weg ist die Neuanlage eines Weinberges mit Keimlingen aus Kernen eigener Rebstöcke. Das Terroir soll über die Rebsorte dominieren – allwärtige Begriffe wie Klonenauswahl und Unterlagsreben rücken dabei ins Abseits. Im April ist es soweit – ich bin gespannt, was daraus wird.

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California Wine Tour – 27.01.11

Freitag, 28. Januar 2011 23:39

Besuche bei John Alban – Rhône-Ranger im Edna Valley – und dem kalifornischen Beaucastel-Ableger Tablas Creek in Paso Robles.

John Alban war einer der ersten, die im relativ kühlen Edna-Valley, unweit des Städtchens San Luis Obispo Rhône-Sorten wie Grenache, Syrah, Mourvedre und Viognier anpflanzten. Die Weinberge werden nach organischen Prinzipien bewirtschaftet; rd. 300 Schafe halten die Begrünung in den Weinbergen in Schach. Positiver Nebeneffekt ist, dass seitdem die Probleme mit Insekten deutlich zurück gegangen sind. Ohne jeglichen Schnickschnack kommt die Winery aus – alles ist ganz auf Funktionalität ausgelegt. Vegoren wird in kleinen nach oben offenen Gärbehältern mit rd. 550 l Fassungsvermögen. Anschließend reifen die Rotweine bis zu 25 Monaten in Barriques, davon 12 Monate auf der Hefe. Die Fassproben durchweg überzeugend – direkt, ungeschminkt, strukturiert. Einmal mehr zeigte dabei Grenache, welches Potential in dieser oft unterschätzten Rebsorte steckt:  Sinnliche Aromatik, festes Rückgrat, feinkörnige Tannine, erstaunliche Säure und Balance. Einige Weine zeigten in diesem Stadium etwas flüchtige Säure, was aber bei der Füllung noch korrigiert werden kann.

Bei Tablas Creek trafen wir mit Robert Haas eine andere große Figur der kalifornischen Weinszene. Robert Haas begann mit seiner Firma Vineyards Brands in den 70er Jahren feine Weine aus Europa zu importieren, u.a. Château Beaucastel (Familie Perrin) aus Châteauneuf du Pape. Mitte der 80-iger Jahre wurde die Idee geboren, gemeinsam Wein in Kalifornien zu machen. Nach mehrjähriger Suche wurde man in einer Subregion von Paso Robles fündig, der erste kommerzielle Jahrgang war 2000. Die Weinberge werden organisch bewirtschaftet (zertifiziert seit 2003); verwendet wird ausschließlich eigenes Pflanzmaterial. Zur Zeit werden die Weingutsgebäude erweitert und umgebaut, um genügend Platz für die  jährlich rd. 25.000 Besucher zu haben. Optisch wird dann einiges geboten; so gewähren Glaswände Einblicke in das Innenleben der Winery. Wie nicht anders zu erwarten, gaben auch die verkosteteten Weine bis auf wenige Ausnahmen eine gute Figur ab, u. a. der 2008er Esprit de Beaucastel (Mourvedre, Grenache, Syrah, Cunoise): Rote Früchte / Kirsche / edles Gewürz / elegante Stilistik / präzise /  sehr gute Säurestruktur und Länge / jetzt – 2016 / 17,0+ P.

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