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Open your mind!

Immer wieder ein heisses Thema ist das Segment der Orange Wines. Da ein Teil dieser Weine im Spektrum der Natural wines zu finden ist (“Naturweine” – Weine mit minimaler technologischer Intervention) wird schnell Ideologie mit Winemaking verwechselt und Orange Wines werden mit dem Stempel der Esoterik versehen. Eine unsachliche geführte Diskussion des Themas ist dann meistens nicht weit.

Dabei ist es zunächst nur eine technologische Geschichte. Im Gegensatz zur üblichen Herstellung von Weißwein, wo der Traubenmost relativ schnell abgepresst und von den Schalen getrennt wird, bleiben bei der Vinifikation von Orange Wines die Schalen in Kontakt mit dem Most. Da auch die meisten weißen Rebsorten in den Beerenschalen Farbpigmente enthalten, ergibt sich bei einer entsprechenden Extraktion die leicht dunklere orange Farbe dieser Weine. Zusätzlich werden natürlich auch Aromastoffe und phenolische Komponenten (Gerbstoffe) extrahiert.

Das Endergebnis sind Weine, die in ihrer Struktur eher Rotweinen ähneln und ein eher balsamisch-würziges statt primärfruchtiges Aromaprofil aufweisen. Wenn bei der Vinifikation und dem Ausbau der Weine kleinere Holzfässer oder Tonamphoren verwendet werden, können sich durch den erhöhten Sauerstoffkontakt und bei weitestgehenden Verzicht auf Schwefeldioxid zusätzlich oxidative Nuancen ergeben. Der Verzicht auf Schwefel kann dann durchaus die Schnittstelle zu den eingangs erwähnten “Naturweinen” sein, muss es aber nicht: im Segment der Orange Wines gibt es auch Weine von Winzern mit einem eher konventionellen Ansatz im Weinberg und Keller.

Unbestritten ist, das Orange Wines eine spannende, manchmal experimentielle oder eigenwillige Bereicherung unserer Weinwelt sind. Wie in jedem Segment gibt es faszinierende und langweilige, saubere und fehlerhafte Weine.  Probierenswert sind Orange Wines in jedem Fall und garantieren eine Erweiterung des eigenen Weinhorizonts. Open your mind!

Einige Empfehlungen zum Einstieg in die Kategorie der Orange Wines:

La Soula, La Maceration du Soula Nr. 13, Roussillon / Stephane Tissot, Savagnin Amphore 2012, Arbois / Weingut Fritz, Roter Veltliner Gondwana 2013, Wagram / Bassermann-Jordan, Pithium 2012, Pfalz / Roxanich, Antica 2009, Istrien

 

Natural Wines

Einer der Schwerpunkte zur Winzerkonferenz am 15.01.13 in Rust war das Thema Natural Wines. Diskutiert wurde u.a. wie Natural Wines definiert werden können, ob es sich bei Natural Wines eher um einen kurzfristigen Hype handelt und wie die derzeitige Bedeutung in Schwerpunktmärkten aussieht.

Via Skype zugeschaltet – versuchte Isabelle Legeron MW – auch als Jeanne d´Arc der Natural Wines bezeichnet – in ihrer Introduction eine Definition von Natural Wines zu finden: minimal SO2, organic viticulture, no cultivitated yeasts.

Andreas Essl, Weinjournalist aus Österreich, brachte es klar auf den Punkt: Natural Wines ist kein offizieller Begriff, es gibt keine gesetzliche Verankerung,  es existieren verschiedene Definitionen von Winzerzusammenschlüssen wie Vinnatur oder Association des Vins natural.  Alternativbezeichnungen sind u.a. Artisan Wines, Naked Wines oder Vini Veri.

Was sind mögliche Grundlagen für einen Natural Wine: ethische und nachhaltige Philosophie, fast immer bio (dynamische) Grundsätze, minimale technische Intervention im Winemaking, Symbiose zwischen Avantgarde / Experimenten und lokalen Traditionen.

Verkosteter Beispielwein: Matassa Blanc 2010, Roussillon – Grenache Gris, Macabeo – ph 2.9, 12,9% Vol. – biodynamic, whole bunch pressing, 228 l und 500 l barrels, native yeasts, aging “sur lie” for 18 months, no SO2, no fining & filtering

Voll im Trend liegt die Verwendung von Amphoren: optimale Größe 1.000 – 1.500 l, u.a. in Georgien, Spanien, Portugal, selbstregulierendes Temperatursystem (20-28°C).

Als neue Kategorie wurden in den letzten Jahren die Orange Wines definiert: Verwendung von weißen Rebsorten, lange Mazeration (bis zu 3 Jahre) zur Extraktion von Farbstoffen und Tannin. Italien, Slowenien und Kroatien sind die derzeitigen Hochburgen von Orange Wines u. a.  Aleks Klinec (experimentiert bereits seit 15 Jahren mit Orange Wines) Mitglied von SIMBIOSA. Grundsätze von SIMBIOSA sind min. 24 h Maceration for both whites and reds, no temperature control, spontaneous fermentation, no adds except SO2 (max. 70 mg/l total), min. 1,5 years aging.

Danach gaben einige Master of Wine, u.a. Clive Barlow (UK) und Christy Canterbury (USA) einen Überblick über die Marktbedeutung in Schlüsselmärkten unserer Welt. Erwartungsgemäß haben dabei Natural Wines in UK die derzeit größte Bedeutung, allerdings auf niedrigem Niveau (geschätzt 1 % Marktanteil), wogegen in Asien Natural Wines keine Rolle spielen. Über alle Märkte hinweg sind Natural Wines derzeit ein absolutes Nischenprodukt.

In der abschließenden Diskussion und beim Grand Tasting stellten sich klar die zukünftigen Anforderungen und Problematiken für Natural Wines heraus: eine einheitliche Definition für Natural Wines zu finden; Akzeptanz beim Konsumenten – höhere Preise, abweichendes Geschmacksprofil sowie z. T. nach derzeitigen Kriterien unsaubere und fehlerhafte Weine, Flaschenunterschiede – und für den Handel dementsprechend das höhere Risiko für Reklamationen; das Potential für Entwicklung / Lagerung in der Flasche und qualitative Konsistenz (Jahrgang, Chargen und von Flasche zu Flasche).

Wein mit Tiefgang, Jakot 2006 von JNK, Slowenien