Samstag, 23. April 2011 11:51
Fortsetzung der Eindrücke von der Mainzer Weinbörse mit der Pfalz, Rheingau, Franken und Mosel. Rebholz (Pfalz) gehört in 2010 zu den Winzern, die sicher am meisten polarisieren. Von totaler Ablehnung “…Wahnsinn, was da den Kunden zugemutet wird…” bis zu Begeisterung war alles dabei. Schmeichlerweine mit Zugeständnissen an moderne Geschmacksprofile sind es nicht – das ist Fakt. Die 2010er zeigen viel Struktur, Geradlinigkeit, mächtige Säure sowie eine schon fast schmerzende Mineralität im Mund (z. Bsp. der Riesling “S” vom Buntsandstein). Stilistisch völlig anders die Weine von Christmann, die für mich in der Breite sehr überzeugend auftraten. Bereits der Guts-Riesling zeigte deutlich mehr Klasse im Vergleich zu vielen anderen “Basis”-Weinen. Saftige Frucht, klare von weißem Pfirsich geprägte Nase, gute balanciert und trinkanimierend (16,0). Riesling Ölberg und Biengarten überzeugten ebenfalls auf der ganzen Linie – die Säure vibrant, aber nie aufdringlich. Peter-Jakob Kühn (Rheingau) verkostete ich bereits zum zweiten Mal – die Weine präsentieren sich schlank und mit ausgeprägter, aber balancierter Säure. Höhepunkt die grandiose Riesling Spätlese Lenchen (17,0++) – weniger schön die Auslese der gleichen Lage mit ranzigen Noten und aufgesetzt wirkender Süße. Die Weine von Leitz zeigten die gewohnte Konzentration und Dichte sowie fast stahlige Struktur, was etwas zu Lasten von Finesse und Eleganz ging. Bei Weil gefielen mir die Rieslinge der Lage Klosterberg besser als die Weine der Premium-Lage Kiedricher Gräfenberg. Die Gräfenberg-Weine zeigten zwar mehr Stoff, aber wirkten auch stumpf und ohne wirkliche Brillianz. Mein Favorit die Klosterberg Spätlese mit floraler Aromatik, schlanken Körper sowie Präzision und Länge (16,5). Franken zeigte in voller Breite die Herausforderungen des Jahrgangs, einige Weine – vorallem Silvaner – waren hinsichtlich der Säurebalance an ihrer Schmerzgrenze. Schöne klare und linear strukturierte Weine mit einem ordentlichen Säurekick im Finale zeigte Fürst (Silvaner und Riesling “pur mineral”, Riesling Centgrafenberg). Wenig elegante und etwas schwerfällige Weine gab es beim Juliusspital. Erstmalig in 2010 gibt es einen Gemischte Satz (Riesling, Silvaner Gelber Muskateller, Elbling, Roter Gutedel, Gewürztraminer), welcher ausschließlich im 3,0 l Bocksbeutel abgefüllt wurde. Enttäuschend die Palette vom Zehnthof. Ein pomadiger Müller-Thurgau, etwas langweilige Silvaner incl. einem überholzten Silvaner S*** – Ausdruck eines übertriebenen Ehrgeizes im Keller? Schlusspunkt setzte die Mosel, die ja mit kräftiger Säure reichlich Erfahrung haben sollte. Leider fehlte Heymann-Löwenstein – nach den sehr guten 09ern ist natürlich die Spannung groß, wie die Herausforderungen im letzen Jahr gemeistert wurden. Ordentlich die Palette vom Karthäuserhof (Schieferkristall, Alte Reben, Karthäuserhofberg), auch wenn die Weine zu brav und glattgebügelt wirkten. Clemens Busch zeigte überwiegend seine 09er, welche sich seit dem letzten Jahr prächtig entwickelt haben – die trockenen 2010er wird es wohl erst im Sommer zum Probieren geben. Am Abend dann noch ein kleiner Querschnitt der Weingüter Jürgen Hofmann (Rheinhessen) und Carolin Willems (Saar), die bewiesen, dass auch außerhalb des VdP Klasse-Weine gemacht werden. Im Fokus steht vorallem die Lage Hundertgulden in Appenheim, einer der kalkreichsten Lagen in Deutschland überhaupt. Jürgen Hofmann arbeitete wie ein Besessener in 2010 im Weinberg, u. a. säte er im Sommer Raps, um den Wasserfluten Herr zu werden. Die Anstrengungen haben sich gelohnt: ein tiefgründiger, von kalkiger Mineralität geprägter Riesling “Hundertgulden”, welcher Große Gewächs Qualitäten besitzt.